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Florian Nagler Architekten, Wiederaufbau St. Martha, Chor mit Abendmahltisch und Ambo, Nürnberg, 2018, Foto: PK Odessa

3+6 Vortragsreihe zum zeitgenössischen Sakralbau
Florian Nagler Architekten
Mi, 13.11.2019, 19 Uhr

Projekt: Wiederaufbau St. Martha
Nürnberg, 2018
Florian Nagler Architekten, München

Um Anmeldung wird gebeten unter info@dg-galerie.de

Im Jahr 2014 ist die 1385 eingeweihte St. Marthakirche in Nürnberg aus ungeklärten Gründen abgebrannt. Dabei ging auch der bauzeitliche historische Dachstuhl über dem Hauptkirchenraum verloren. Im Rahmen eines Wettbewerbs haben wir vorgeschlagen, die Kirche in der alten Außenkontur wiederaufzubauen. Im Inneren entsteht dagegen im Zusammenspiel mit der historischen Natursteinkonstruktion ein neuer Raum, der durch eine zeitgenössische Holzkonstruktion geformt und geprägt wird, die über die reine Tragfunktion hinaus auch akustische Funktionen übernimmt, um den Anforderungen an die besondere Akustik des ursprünglichen Kirchenraums gerecht zu werden. Für die neue Dachkonstruktion wurden ausschließlich unverleimte Vollhölzer verwendet.

An der Westgiebelwand, wo die Orgel gebrannt und die größte Hitzeentwicklung verursacht hatte, war das große, mittlere Maßwerkfenster irreparabel beschädigt und wurde durch ein Neuteil ersetzt. Der Einbau der neuen Orgel erfolgte zeitversetzt, sobald sich nach der beendeten Baustelle ein stabiles Raumklima eingestellt hatte. Der Boden besteht aus diffusionsoffenem Stampflehm, der auf dem vorgefundenen historischen Bodenbelag aufgebracht wurde. Im Bodenaufbau ist eine Fußbodenheizung und eine induktive Höranlage integriert. Die historischen Buntglasfenster im Chor waren zum Zeitpunkt des Brandes zur Aufarbeitung geborgen worden und konnten folglich an ihrem ursprünglichen Ort wieder eingebaut werden.


Zur Reihe 3+6
Reduktion und Erneuerung von Sakralbauten

In der Vortragsreihe der DG 2019 stellen Architekturbüros ihre neuesten Projekte im Bereich Kirchenumbauten und Kapellen vor. Kapellen, kleine Andachtsräume, die oftmals auf Privatinitiativen zurückgehen, haben eine lange Tradition und erfahren gerade in den letzten Jahrzehnten wieder großen Zuspruch. Sie werden genutzt als Orte der Zuflucht und Stille und werden nicht als Bastionen des Glaubens angesehen. So bilderlos der neue Sakralbau ist, so präzise werden Architektur und künstlerische Beiträge geplant.

Die Kirche untersteht dem Wandel gesellschaftlicher Werte sowie demografischer und finanzieller Rahmenbedingungen. Das geht nicht selten mit neuen Aufgaben für den Kirchenraum einher, der baulichen Veränderungen unterzogen werden muss. Teilprofanierungen oder Verkleinerungen von Kirchenräumen sind Aufträge, mit denen Architekten immer häufiger konfrontiert werden.

DG | Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V.
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