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Fast eine Tonne. Atemraum
Gruppenausstellung mit Performances
Eröffnung, Donnerstag, 18. Juni 2026, 18 bis 21 Uhr

Programm
19 Uhr
Performance ‚Becoming‘
Alexander Gerner, Christoph Lammers, Jin Lee
19:30 Uhr
Begrüßung und Einführung
Dr. Richard Graupner, Vorstand DG
Benita Meißner, Kuratorin

Performance
Alexander Gerner, Christoph Lammers, Jin Lee

Die Gruppenausstellung Fast eine Tonne: Atemraum reflektiert das Atmen als Ursprung und Grenze des Daseins durch künstlerische Setzungen. Als ewiges Symbol für Geist und Seele taucht der Atem seit jeher in Mythologie, Religion und Philosophie auf: Die antiken Götter erweckten damit Pygmalions Skulptur Galathea zum Leben, in der Schöpfungsgeschichte haucht Gott dem Menschen den Odem des Lebens ein, und auch Buddha nutzt den Atem als Weg zur Erleuchtung.

Auch die Kunst versucht seit Jahrhunderten, das Unsichtbare und Flüchtige der Luft sichtbar zu machen. Spätestens seit der Renaissance gehört ihre Darstellung zu den besonderen Herausforderungen der Kunst, insbesondere der Malerei. Luft selbst als Material einzusetzen, ist hingegen ein vergleichsweise junges Phänomen. Seit der Moderne wenden sich Künstler*innen der Luft nicht mehr nur als Motiv, sondern auch als Werkstoff zu. Sie erscheint nicht länger allein als Wind, Wolke, Nebel, Dampf, Rauch oder Atem, sondern wird selbst zum Medium künstlerischer Arbeit. Zeitgenössische Positionen machen diesen unsichtbaren Prozess auf unterschiedliche Weise erfahrbar und eröffnen mit dem Atem einen Denkraum zwischen Körper und Welt, Innen und Außen, Ich und Anderem.

Der Ausstellungstitel verweist zugleich auf die physische Präsenz der Luft. Obwohl unsichtbar, besitzt Luft Gewicht: Ihre Moleküle haben Masse. Ein Kubikmeter Luft wiegt rund 1,3 Kilogramm – auf das Volumen des Ausstellungsraums gerechnet ergibt das fast eine Tonne Luft.

Die Bandbreite der Möglichkeiten Atem oder Luft darzustellen in der Kunst ist groß und so sind von Videoarbeiten, über Installation, auch klassischen Medien wie Malerei und Zeichnung in der Ausstellung vertreten. Daiki Kimoto zog zu Beginn der Pandemie für sein Studium der Bildenden Kunst nach Deutschland. Herausfordernd für einen jungen Menschen, in einem fremden Land. In dieser Zeit entwickelte er einen eigenen künstlerischen Coronatest: So lange er den Atem anhalten konnte, zeichnete er Linien auf kleine Blätter. Je gesünder die Lunge, desto verspielter und freier wurden die Linien. Jedes Blatt versah er akribisch mit Datum und Uhrzeit.

Ob Klang, Bewegung oder Zeichnung – der Atemrhythmus und der Takt des Geschehens sind stets eng miteinander verwoben. Vor dem Hintergrund experimentieren Jin Lee, Alexander Gerner und Christoph Lammers damit, wie sie sich gegenseitig durch ihre Atmung beeinflussen, Rhythmen neu gestalten und sich im Raum begegnen. Der Atem, der uns ein Leben lang begleitet, vom ersten Atemzug bei der Geburt bis zum letzten Seufzer. Der Rhythmus ist und uns mit allem und allen verbindet. Es ist ein Spiel zwischen den Akteuren, das von Spontanität, Intuition, Vertrauen in dem Moment geprägt ist. Die Performance ‚Becoming‘ wurde in der Vorbereitung der Ausstellung aufgezeichnet und ist als Videoarbeit zu sehen.

Wie viel Luft passt in unsere Lungenflügel? Ausgehend von dieser Frage entwickelte Afra Dopfer eine partizipative Installation. Die Besucher*innen sind eingeladen schwarze Luftballons mit ihrem Atem zu füllen – jeder Ballon trägt ein Lungenvolumen in sich. Der ‚formlose‘ Atem erhält eine Grenze, eine Form, eine Farbe: eine Gestalt. Das Luftvolumen wird von außen ins Körperinnere, vom Körperinneren zurück nach Außen geatmet. Dazu sind assoziative Videosequenzen entstanden, die an die verschiedenen Eigenschaften des Atems spielerisch anknüpfen.

Im Zentrum des künstlerischen Schaffens von Carsten Fock steht die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Landschaftsmalerei. Landschaftsdarstellungen sind für Fock Projektionsflächen gesellschaftlicher und politischer Vorstellungen – von romantischen Naturbildern bis zu den Bildpolitiken des geteilten Deutschlands. Das Kunstwerk in der Ausstellung stammt aus dem Zyklus ‚Heaven Above‘ und lässt direkt Assoziationen an barocke Himmel zu. Farbwolken, teils mit den Fingern aufgetragen, türmen sich nebeneinander auf. Dabei sind die Wolken sind nicht nur heiter, sie wirken bedrohlich und frei nach dem Sprichwort, ‚da braut sich etwas zusammen‘ steht das Bild eher für eine Gefühls-als eine Wetterlage.

Sara Mayoral Jimenez absolvierte in diesem Jahr ihr Diplom an der Akademie der Bildenden Künste in München. Die Ausstellung zeigt eine Weiterentwicklung ihrer Installation ‚Ora‘. Die gezeigten Glasobjekte entstanden in traditioneller Glasbläserkunst – sie sind durch Atem geformt. In ihrer organischen Form erinnern sie an Verdauungsorgane und innere Körperlandschaften. Einige der Gefäße enthalten Flüssigkeiten, Früchte, Pflanzen und Blüten, die einem Gärungsprozess unterliegen und dabei Gase freisetzen. Durch dieses Zusammenspiel verbindet die Installation skulpturale Formen mit natürlichen Prozessen von Transformation, Verfall und Erneuerung.

Janna Jirkova beschäftigt sich in ihrer Kunst u.a. mit Wahrnehmung des eigenen Körpers. Oft verschwinden dabei die Grenzen zwischen Skulptur, Installation oder Videoarbeiten, aber auch zwischen organisch anmutenden Materialien und Technik. Seit längerem arbeitet sie an einer Art Körpererweiterung, die wiederum die Wahrnehmung des Körpers beeinflusst. In der Ausstellung ist die Abformung eines Oberkörpers zu sehen, der von myzelartigen Strukturen überzogen ist.

Benjamin Zuber hinterfragt in seiner Installation „We are the storm“ kritisch das Streben nach permanenter Selbstoptimierung. Im Inneren eines Pavillons hängen Handtücher, bedruckt mit den Titeln international erfolgreicher Selbstoptimierungsliteratur. Die Besucher*innen sind eingeladen, eine Handpumpe zu betätigen: Die erzeugte Luft strömt durch einen Schlauch in die sportliche Interpretation einer Bahre.

Susanne Wagner eignet sich in einem performativen Akt das ‚Hot Lips‘-Logo der The Rolling Stones an. Unter einem lebensgroßen Papier kauernd entfaltet sie durch die Streckung ihres Körpers ein gemaltes Bild: Sichtbar wird ein Mund, dem ein Ausatmen, ein ‚Ahh‘, entweicht. Das Logo wurde 1970 von John Pasche im Auftrag von Mick Jagger entworfen und bezog sich ursprünglich auf Eigenschaften der indischen Göttin Kali, die für weibliche Energie, Tod und radikale Erneuerung steht – ein Bezug, der über die Zeit weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

Die Ausstellung ‚Fast eine Tonne: Atemraum‘ wird von einem Begleitprogramm flankiert, das neben Einblicken in Atemmeditation und Bewegung auch den medizinischen Aspekt des ‚richtigen Atmens vorstellen wird. Wir laden zu partizipativen Stationen und thematischen Führungen ein.

Abb. 1–2: Aufnahmen Performance, Jin Lee, Alexander Gerner, Christoph Lammers