
Susanne Wagner, Schmerzpunkt
künstlerische Installation zu sexualisierter Gewalt und Missbrauch geistlicher Autorität in der katholischen Kirche an 14 Orten in Würzburg
Es ist eine sehr schwere Aufgabe sich dem Thema Missbrauch künstlerisch anzunähern. Susanne Wagner tut dies über die Verbildlichung des Schmerzes. Sie bedient sich eines Bildes, welches wir aus dem medizinischen Bereich für Schmerzen kennen, die von einer Stelle des Körpers ausstrahlen. Schmerz wird in der Medizin – ob in Medizinbüchern oder auf Pharmazieverpackungen – meist über einen roten Punkt an bestimmten Körperstellen verbildlicht. Das Zeichen Schmerzpunkt entsteht durch eine rot gesprühte Markierung über einem Umhängekreuz. Dabei wird imaginär eine Stelle markiert, die sich im Bereich der Brust, bzw. des Herzens einer Person befindet. Entfernt man das Kreuz, zeichnet es sich als Leerstelle innerhalb der roten Markierung ab.
Die Intervention Schmerzpunkte versteht sich als Teil der Erinnerungskultur und damit als Beitrag zur Aufarbeitung. Sie ist Ausdruck der Anerkennung erlittenen Leids und mahnt Kirche und Gesellschaft, zu handeln und Missbrauch wirksam zu verhindern. Der Schmerzpunkt verzichtet bewusst auf weiterführende Informationen darüber, welche konkreten Erfahrungen angesprochen werden. Diese Leerstelle erhöht die Offenheit und Intensität der Intervention. Sie ist Ausdruck des Respekts vor individuellem Leid und vor den unterschiedlichen Weisen, wie Betroffene damit umgehen.
Die paradoxe Darstellung des Kreuzes – zugleich abwesend und anwesend – markiert den religiösen und kirchlichen Kontext. Indem der Schmerzpunkt mit dem Kirchenraum verschraubt oder auf eine Fassade gesprüht wird, wird institutionelle Verantwortung sichtbar gemacht.
Der „Schmerzpunkt“ ist während des Katholikentags an 14 Orten in Würzburg sichtbar. Zusätzlich liegen zentral in der Marienkapelle Plakate zum Mitnehmen aus. Unter dem Titel SCHMERZPUNKT steht „KEIN MENSCH SOLLTE EINEM ANDEREN MENSCHEN SO ETWAS ANTUN“.
Vernissage
Donnerstag, 14. Mai 2026, 16.30 bis 17.30 Uhr
Vorplatz Dom St. Kilian, Domstr. 40
Gespräch: Susanne Wagner mit Kai Christian Moritz
Moderation: Benita Meißner
Musik: Milena Milatinova Ivanova


Sonya Schönberger, Nägel
Kunstinstallation in Stift Haug
Information zu Barrierefreiheit: Hilfen für Hörbehinderte
Ausgangspunkt der Installation sind 13.000 verrosteten Nägel, die aus Baracken der Zwangsarbeiter*innen in Berlin-Tempelhof stammen und bei einer archäologischen Grabung gefunden wurden. Sie stehen metaphorisch für die Anonymität der ausgebeuteten Menschen, deren Namen und Geschichten wir nicht kennen, die aber in allen deutschen Städten in der Zeit des Nationalsozialismus eingesetzt wurden. In Würzburg wurden bis zu 9000 Zwangsarbeiter*innen vor allem im Notgefängnis Frieslager tätig. Im Altarraum von Stift Haug entsteht ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Kirchenraum, der Leiden, Opfer, Schuld und Verantwortung in eine lebendige Erinnerung ruft. Die Besucher*innen sind eingeladen, sich auf den Nägeln zu bewegen.

Frank Bölter, Think Tank, 2026
Partizipatives Kunstprojekt am Kiliansplatz im Rahmen des Katholikentags in Würzburg, 2026
Freitag, 15. Mai 2026, 11 bis 16 Uhr
Aus dem Geschützrohr dieses Panzers wird nie ein Schuss fallen. Nachdem 2012 auf dem Gelände der Bundeswehr in Dresden der erste Panzer „LeORIGAMIpard 3″ als Kunstprojekt gefaltet wurde, unterstützt vom Bundesministerium der Verteidigung, taucht nun erneut ein Panzer aus Papier auf. Die Idee dazu stammt von Frank Bölter, Jahrgang 1969, ehem. Absolvent der Kunstakademie Münster, mit einem Papierschiff bereiste er schon Seen und Flüsse. Nun lädt er im Rahmen des Katholikentags Passant*innen dazu ein gemeinsam einen Panzer zu falten.
Was können wir tun, außer nach Gründen zu suchen und Anlässe zu kreieren, uns wieder auf den Plätzen und auf den Straßen zu versammeln, um uns wieder in die Augen zu schauen, um uns gemeinsam kräftebündelnd zu fragen, ob es miteinander vielleicht ganz anders gehen kann und um dies dann ebenso einfach zu versuchen? So kann dieses waghalsige, beinah unmögliche Vorhaben, gemeinsam diesen Papierpanzer zu falten, nur helfen, uns wieder in die Augen zu blicken und miteinander zu reden, anstatt übereinander bereits alles zu wissen.
‚Kunstfreiheit aushalten – Was kann die Kirche von der Kunst lernen?‘
Gespräch im Stift Haug vorbereitet von der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst
Freitag, 15. Mai 2026, ab 16:15 Uhr
Referent*innen:
Dr. Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter, Kulturbüro des Rates der EKD
Prof. Monika Grütters, Kulturstaatsministerin a.D., Münster
Susanne Wagner, Künstlerin
Sonya Schönberger, Künstlerin
Moderation:
Dr. Ulrich Schäfert, 1. Vorsitzender der DG sowie
Dr. Guido Schlimbach, Kunststation St. Peter, Köln, Gesamtvorstand DG
Information zu Barrierefreiheit: Hilfen für Hörbehinderte

‚Hab Mut, steh auf!‘
Performanceprogramm am Kiliansplatz
Samstag, 16. Mai 2026, 13.30–15.30
Künstler*innen:
Maria Berauer, München
Judith Egger, Gräfelfing
Ruth Geiersberger, München
Béla Juttner, München