Mit David Barbarino ist ein Künstler gegangen, der sich nie mit dem Gefälligen zufriedengab. Er suchte das Bild als Gegenüber, als Widerstand, als Ort der Konzentration. Malerei war für ihn keine Behauptung einer Oberfläche, sondern ein Ringen um Licht, Raum, Schönheit und Transzendenz.
2015 durfte ich David Barbarino mit seiner ersten Münchner Einzelausstellung‚Paramount‘ in der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst ausstellen. Gezeigt wurde damals ein Zyklus großformatiger silberfarbener Gemälde, deren Bildgeschehen sich erst im Zusammenspiel mit ihrer Umgebung entfaltete. Das einfallende Licht wurde bei ihm nicht lediglich dargestellt: Es wurde zum Mitspieler. Je nach Standort, Tageszeit und Blickwinkel veränderten sich Farbe, Tiefe und Erscheinung der Bilder. Sie waren nie abgeschlossen, sondern in Bewegung.
Barbarinos Weg war von Beginn an ein eigenständiger. Während seines Studiums am Central Saint Martins College in London entschied er sich für die Malerei, gerade als diese im akademischen Umfeld als überholt galt. Gegen solche Vorgaben setzte er eine entschiedene, unironische Bildsprache. Seine frühen Auseinandersetzungen mit barocken Heiligenbildern und mythologischen Figuren zeugen von einem Blick, der keine Hierarchie zwischen religiöser Überlieferung, Kindheitserinnerung und populärer Bildwelt kannte.
Er wusste um die Tradition: Tintoretto, Matisse, Goya, Cézanne und die Frage nach dem Licht standen als ferne, anspruchsvolle Gesprächspartner im Raum. Doch David Barbarino suchte keine kunsthistorische Absicherung. Er prüfte seine Bilder in der Natur, auf Bergen, im Schnee oder am Meer – dort, wo sich zeigen musste, ob ein gemaltes Bild neben der überwältigenden Gegenwart der Welt bestehen kann.
Unter dem Namen Tony Stella erreichte er ein anderes Publikum. Seine Filmplakate waren eigenständige Bilder: konzentriert, poetisch und geprägt von einer besonderen Aufmerksamkeit für Figur, Stimmung und Bewegung. Filmgeschichte wurde bei ihm nicht reproduziert, sondern neu gesehen. Seine Plakatkunst bewahrte die Aura des Kinos, ohne sich dem Nostalgischen hinzugeben.
David Barbarino konnte mit großer Entschiedenheit für sein Werk eintreten. Diese Kraft war spürbar – im Gespräch ebenso wie in der Malerei. Seine Bilder tragen die Spuren eines intensiven inneren und äußeren Kampfes: das wiederholte Ansetzen, Verwerfen, Verdichten; den Glauben daran, dass ein Bild am Ende mehr sein kann als seine materielle Oberfläche.
Sein Werk bleibt als Einladung, genauer hinzusehen. Es erinnert daran, dass Licht nicht nur Sichtbarkeit schafft, sondern auch Geheimnis; dass Malerei ein Wagnis bleibt; und dass ein Bild, wenn es gelingt, den Raum über sich hinaus öffnen kann.
https://www.tony-stella.com
Abb. David Barbarino, Maloja I, 2012, Mixed media on canvas, 250 x 300 cm