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Sehnsucht …‘
Videoarbeiten und installative Momente
18. Juni bis 6. August 2020

Künstler*innen
Birthe Blauth
Frank Bölter
Judith Egger
Leonie Felle
Boris Maximowitz
Heike Mutter und Ulrich Genth
Sebastian Stumpf
Susanne Wagner

Die Ausstellung rückt das Thema der Sehnsucht in den Fokus. Wir lassen uns treiben in einer künstlerischen Bilderwelt und öffnen den Blick für die Sehnsucht nach Freiheit, nach Gemeinschaft, nach der Vereinigung des Menschen mit der Natur, nach Erkenntnis und nach Heilung.

Das Jahr 2020 wird immer ein besonderes Jahr (gewesen) sein, egal wie lange der Ausnahmezustand noch anhalten wird. Weltweit fügen sich Menschen neuartigen Kontaktbeschränkungen sowie den von den Regierungen erlassenen Verhaltensregeln, mit dem Ziel, Mitmenschen zu schützen und einem Kollaps des Gesundheitssystems vorzubeugen. Die neue, schützende „soziale Distanz“ bestimmt unseren Alltag.

Der Begriff „Sehnsucht“ tritt neu in den Fokus. Die alten Sehnsüchte gibt es nach wie vor, nur anders. Kein Geld der Welt kann die Sehnsucht nach Urlaub, Meer und fremden Kulturen in der Zeit von Ausgangsbeschränkungen stillen. Brennend ist nach dem Lockdown die Sehnsucht nach Begegnungen, die Sehnsucht nach diesem Gefühl mit vielen anderen einen Moment teilen zu können; sei es bei einer Opernaufführung, einem Konzertbesuch oder auch einer langen Nacht im Club.

Mit unserem Videoprogramm rücken wir das Thema „Sehnsucht“ in den Fokus und geben den momentanen Sehnsüchten des Menschen ein mögliches Gesicht. Wir öffnen den Blick für die Sehnsüchte anderer und lassen uns treiben in einer künstlerischen Bilderwelt. Wünsche, Träume und Sehnsüchte innerer, immaterieller Bilder werden in den Videoarbeiten sichtbar. Einzelne Elemente aus der realen Welt in der Ausstellung, die in Verbindung mit den Videoarbeiten stehen, verweisen darauf, dass Sehnsucht nicht im Virtuellen verweilen muss, sondern sich auch materialisieren und in kurzen Momenten vielleicht auch erfüllen kann …

Sehnsucht erleben wir als körperliches Gefühl. Es kann als Ziehen in der Brust oder als Kloß im Hals wahrgenommen werden. Sehnsucht kann schmerzhaft sein und uns traurig stimmen, gerade wenn sie unerfüllbar bleibt. Und sie kann zu einem warmen inneren Strahlen führen, wenn damit schöne Erinnerungen assoziiert und Energien und Visionen freigesetzt werden. Forschergruppen in der Psychologie unterscheiden laut Prof. Dr. Alexandra M. Freund (Psychologisches Institut der Universität in Zürich) verschiedene Merkmale der Sehnsucht und schreiben ihr Funktionen zu. So soll diese helfen, mit der eigenen Unfertigkeit oder Verlusten umzugehen, und sie unterstützt den Menschen dabei, sich im Leben Ziele zu setzen.

Historisch gesehen wird mit der Sehnsucht zu allererst die Epoche der Romantik (ca. 1795–1848) verknüpft. Novalis setzt in seiner Dichtung als Symbol die Blaue Blume ein, die für die schwärmerische Sehnsucht nach einem unerreichbaren, unbekannten Ziel, nach dem Unendlichen gilt, die in diesem Leben unbefriedigt bleiben muss. In der Unbestimmtheit der Sehnsucht sahen die Romantiker eine metaphysische Entsprechung der eigenen künstlerischen Arbeit, die eher als ein Suchen und Streben wahrgenommen wurde.

Im Verständnis der christlichen Tradition ist wesentliche Sehnsucht des Menschen die nach Gott. Friedrich Schleiermacher sprach davon, dass dem Menschen mit seiner religiösen Anlage die Sehnsucht „nach dem Wunderbaren und Übernatürlichen“ eigen sei. Der Theologe Paul Zulehner etwa sagt zur Gottessehnsucht des Menschen: „Sie macht uns lebendig.“

Joseph von Eichendorff (1788–1857)
Mondnacht
Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Leonie Felle
Deine Reise
Was glaubst du wer du bist
Was du kannst – in der Welt
Wo ist dein Platz in der großen, weiten Welt?
Wer hält dich in der Hand
Wer zieht am Faden – Wer lässt los

Schwimmst du immer noch im Meer?
Wo geht deine Reise hin
Wo liegt all dein Streben, wo der Sinn
Warum bist du hier?

Du kannst mir viel erzählen,
doch nicht dass du schon alles weißt.
Denk an die Sterne und wie weit…
Das Universum ist groß … (und wir unendlich klein)
Schwimmst du immer noch im Meer?

Wo geht deine Reise hin
Wo liegt all dein Streben, wo der Sinn
Warum bist du hier?
Warum bleibst du hier?

Programmhinweis
ab dem 6.5.2020
St. Paul, Theresienwiese

 

Videoinstallation
„Waschende Hände“ der EMPFANGSHALLE, Corbinian Böhm und Michael Gruber

Klanginstallation
„lavabis me“  von Axel Nitz und Peter Gerhartz

Die Installationen entstanden im Rahmen der Langen Nacht der Museen 2017 und werden nun neu präsentiert. Die Videoarbeit geht zurück auf das Ausstellungsprojekt „Wäsche“ von EMPFANGSHALLE (9.09.–11.11.2017), einer Kooperation der Kunstpastoral mit dem DG Kunstraum der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst.

EMPFANGSHALLE

Kunstpastoral

Ausstellung
Kunst​-netz​-werk​.online
Dialog auf Distanz – Ein Kunstprojekt 2020
9. April bis 31. Dezember 2020

Der DG Kunstraum, der Fachbereich Kunstpastoral der Erzdiözese München und Freising sowie das Kunstreferat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern haben unter dem Eindruck der Corona-Pandemie die temporäre Online-Ausstellung www​.kunst​-netz​-werk​.online (nicht mehr verfügbar) als digitales Kunstprojekt ins Leben gerufen.

Drei Wochen nach dem Lockdown, im Frühjahr 2020, gingen die ersten Beiträge Tag für Tag online – dem digitalen Medium gemäß mit dem Schwerpunkt auf Videoarbeiten. Einzelne Arbeiten sind extra für dieses Projekt entstanden; alle Beiträge eröffneten im Kontext der Corona-Pandemie neue Deutungsperspektiven.

Entscheidende Qualität dieser Plattform ist der Dialog, der sehr persönliche Zugang: Die angefragten Kunstvermittler*innen wählten die Künstler*innen aus, mit denen sie als Duo ins Gespräch traten. Ein kurzer Text der Kunstvermittler*innen stellte Hintergrundinformationen bereit und erläuterte das Konzept der ausgewählten Arbeit. Die Künstler*innen äußerten sich dazu in einem kurzen Interview, und sie gaben Einblicke in ihre aktuellen Erfahrungen, die Herausforderungen des Alltags, aber auch ihre Hoffnungen für die Gesellschaft. Gedanken, Gedichte und Überlegungen wurden geteilt: „Bei dem Bau der Modelle am Küchentisch kam mir mal der Gedanke, ob es möglich wäre, auch für sein Leben ein Modell zu entwickeln oder gewisse Dinge modellhaft auszuprobieren und durchzuspielen. (…) Auch mussten sich viele in dieser Krise quasi beschränken und verkleinern. Können wir aus kleineren Einheiten heraus nicht das Große bilden?“ (Markus Zimmermann)

Kunstvermittler*innen und Künstler*innen gehören gleichermaßen zu den Berufsgruppen, denen zwar die Reflexion über unser Leben und die Erneuerung unserer Gesellschaft besonders am Herzen liegen, die aber von den mit der Krise verbundenen Einschränkungen unmittelbar und existentiell betroffen sind. Die Plattform kunst-netz-werk bot ihnen die Möglichkeit, sich zu äußern und auch in dieser Zeit für die eigene Arbeit honoriert zu werden. Insgesamt konnten bisher 22 Duos finanziert werden. Darüber hinaus gab es die Möglichkeit, das Projekt über Spenden weiterwachsen zu lassen. Diese Gelder kamen den Kunstvermittler*innen und Künstler*innen vollumfänglich zu.

Mit Beiträgen von 

Gretta Louw, Fotini Potamia & Dine Doneff, Afra Dopfer & Katharina Weishäupl, Empfangshalle, Judith Egger, Sandra Filic, Carsten Fock, Manuela Hartel, Hubert Hasler, Robert Keil, Eveline Kooijman, Pfeifer & Kreutzer, Herbert Nauderer, Gisbert Stach, Sonja Töpfer, Camill von Egloffstein, Max Weisthoff und Markus Zimmermann

Die Publikation ‚Dialog auf Distanz. Ein Kunstprojekt im Jahr 2020‘ dokumentiert
und reflektiert das Onlineprojekt.

Projektträger
Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V.
Fachbereich Kunstpastoral der Erzdiözese München und Freising
Kunstreferat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern

Artheon.Kunstpreis 2020

Die „Gesellschaft für Gegenwartskunst und Kirche.Artheon“ lobt im Jahr 2020 einen Kunstpreis für beispielhafte und innovative Kunstprojekte im Raum der Kirche aus. Der Preisträger wird im Rahmen eines offenen, nicht anonymen Wettbewerbs ermittelt. Der Hauptpreis ist mit 3.000 € dotiert, zusätzlich werden Anerkennungen vergeben.

 

Was ist der Artheon.Kunstpreis?
Die 1992 gegründete Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst und Kirche zu fördern. Sie vergibt seit 1996 den Artheon.Kunstpreis. Mit ihm werden Projekte unterstützt und publik gemacht, die exemplarisch sind für einen Dialog zwischen Gegenwartskunst, Kirche und Theologie und die im künstlerischen Prozess neue Sichtweisen und Fragestellungen eröffnen.

Wofür wird der Artheon.Kunstpreis vergeben?
Ausgezeichnet werden temporäre künstlerische Projekte in Kirchen, dauerhafte Neugestaltungen von Kirchen sowie weitere Projekte, die in enger Kooperation zwischen Autor/in und kirchlichem Auftraggeber im Jahr 2019 bis Ende 2020 durchgeführt worden sind.

Wer ist teilnahmeberechtigt?
Teilnahmeberechtigt sind Künstlerinnen und Künstler, Architekturbüros, Kirchengemeinden und kirchliche Institutionen. Das Projekt muss ausfinanziert sein. Den Preis erhalten Autor/in und Auftraggeber/in gemeinsam. Das Projekt kann nur von beiden gemeinsam eingereicht werden.

Was ist einzureichen?
Einzureichen sind eine kurze textliche (eine DIN A4-Seite) und fotografische Dokumentation des Projekts (bis zu fünf Abbildungen), eine Erklärung, dass das Projekt ausfinanziert ist sowie ein Anmeldeblatt. Das Anmeldeblatt kann online unter www​.artheon​.de/​k​u​n​s​t​p​r​e​i​s​.​h​tml heruntergeladen werden. Es ist ausgefüllt, den online eingereichten Unterlagen beizufügen. Die/Der Projektverfasser/in muss deutlich kenntlich gemacht werden.

Abgabeschluss
30.06.2020 – VERLÄNGERT BIS ZUM 01. SEPTEMBER 2020

Beurteilungskriterien
Leitende Kriterien für die Beurteilung sind die künstlerische Qualität, Innovation, Mut, Einbezug der spezifischen örtlichen Gegebenheiten sowie die Intensität der Zusammenarbeit zwischen Autor/in und Auftraggeberin.

 Jury
Die Jury setzt sich zusammen aus drei Mitgliedern des Artheon.Präsidiums, einer externen Künstlerin/eines externen Künstlers sowie einer Kuratorin/eines Kurators.

Preisverleihung
Die Preisverleihung findet im Kontext des Projektortes statt.

Einsendung
Ausschließlich per E‑Mail an: info@artheon.de

Fragen
Fragen sind zu richten an die Geschäftsstelle von Artheon: Frau Anne-Catherine Jüdes, Auguststraße 80, D‑10117 Berlin, T 030 283 95 283, F 030 283 95 187, info@artheon.de.

Corona – Informationen für die Kreativwirtschaft

 

Der Paul Klinger Künstlersozialwerk e.V. hat wichtige Links für alle im Kreativbereich tätigen Menschen und Institutionen zusammengetragen.
Auch die Facebookseite des Vereins ist immer auf dem neusten Stand.

Alle Informationen finden Sie unter:

Corona – Informationen für die Kreativwirtschaft

 

 

 

 

Publikation zur Ausstellung
,Wieder und Wieder. Ritual, Kontemplation, Obsession‘

Der Katalog Nr. 150 erscheint begleitend zur Ausstellung ‚Wieder und Wieder. Ritual, Kontemplation, Obsession‘ im DG Kunstraum | Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst vom 17. Januar bis 21. März 2020.

Der Katalog ist für € 5,00 im DG Kunstraum zu erhalten (+ Porto bei Versand).

Bestellungen senden Sie bitte an: info@dg-kunstraum.de

Herausgeber*innen: Dr. Walter Zahner, Benita Meißner
Texte: Paul Bräg, Dr. Damian Lentini, Benita Meißner, Anne Segler
Gestaltung: Bernd Kuchenbeiser Projekte
Lektorat: Dr. Hanne Borchmeyer
Übersetzung Englisch-Deutsch, Text Lentini: Olivia Borger
Druck: Memminger MedienCentrum
Fotos: Gerald von Foris (Ausstellungsansichten) und die Künstler*innen

ISBN 978–3‑932322–54‑9

Aktuelle Informationen und Termine

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der DG,

aufgrund der aktuellen Umstände im Zusammenhang mit dem COVID-19-Virus bleibt der DG Kunstraum vorerst geschlossen. In diesem Zeitraum findet kein Ausstellungs- sowie Veranstaltungsprogramm statt.

Die kommende Ausstellung der Reihe ‚Doppelpass‘ mit Arbeiten von Andreas Greiner und Maximilian Prüfer, die den vielsagenden Titel ‚Everything is going to be alright‘ trägt und Anfang April eröffnet werden sollte, wurde in den Herbst verlegt.
Über die Fortsetzung unseres Programms nach dem 20. April 2020 halten wir Sie auf dem Laufenden.

Herzliche Grüße aus dem DG Kunstraum – bleiben Sie gesund!



VORSCHAU

‚Everything is going to be alright’
Doppelpass IV: Andreas Greiner und Maximilian Prüfer
9. September bis 7. November 2020
Eröffnung: Dienstag, 8. September 2020, 18 bis 21 Uhr

Zusammenspiel.
Kunst im sakralen Raum‘
Wanderausstellung
November 2018 bis Januar 2021

Die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst (DG) initiierte in Kooperation mit dem Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst (VAH) eine Wanderausstellung, die in München vom 23.11.2018 bis 9.2.2019 zu sehen war. Die Ausstellung gibt einen Überblick über die vielfältigen jüngsten Auftragswerke aus evangelischen und katholischen Gemeinden deutschlandweit.

Die Überblicksausstellung widmet sich den Werken, die nach dem Jahr 2000 im katholischen und evangelischen Raum entstanden sind. Es wird veranschaulicht, dass der Kirche als Bewahrerin und Förderin des kulturellen und künstlerischen Erbes auch heute eine wichtige Rolle zukommt. Als Auftraggeberin regt sie nach wie vor kulturelle Leistungen im öffentlichen Raum an und eröffnet den in unserer Gesellschaft notwendigen Diskurs zwischen Religion und Glaube.

Die Ausstellung zeigt anhand konkreter Realisierungen, wie vielfältig und für den Auftraggeber gewinnbringend der Einsatz von Künstlerinnen und Künstlern im Bereich der Kirche ist. Es werden die Bereiche Neubau, Umbau, raumprägende Gestaltungen/liturgische Geräte, neue Altäre sowie Fenster präsentiert.

Stationen:

DG Kunstraum
Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst
Finkenstraße 4, 80333 München
23.11.2018 bis 9.2.2019

Foyer des Bischöflichen Ordinariats Rottenburg
Eugen-Bolz-Platz 1, 72108 Rottenburg a. N.
1.3. bis 29.3.2019

Pfarrkirche St. Maria
Katholische Kirchengemeinde St Maria
Paulinenstraße 18, 70178 Stuttgart
1.4. bis 30.4.2019

Museum Kirche in Franken
im Fränkischen Freilandmuseum des Bezirk Mittelfranken
Eisweiherweg 1
91438 Bad Windsheim
6.7. bis 11.8.2019

Kulturkirche Liebfrauen Duisburg
Stiftung Brennender Dornbusch
König-Heinrich-Platz 3, 47051 Duisburg
2.9. bis 13.10.2019

Maternushaus
Kardinal-Frings-Str. 1–3, 50668 Köln
Eine Kooperation zwischen Dr. Monika Schmelzer (Katholisches Bildungswerk Köln) und Erzdiözesanbaumeister Martin Struck
30.10. bis 21.11.2019

Katholisch-Soziale Akademie Franz Hitze Haus
Kardinal-von-Galen-Ring 50
, 48149 Münster
19.1. bis 15.3.2020

Friedenskirche-Kulturkirche Ludwigshafen
Leuschnerstr. 56, 67063 Ludwigshafen am Rhein
4.9. bis 4.10.2020

Jakobushaus
Reußstraße 4, 38640 Goslar
27.10.2020 bis 10.1.2021

Fotos
Gerald von Foris (1 – 4)

Zusammengesetzt: Wir müssen reden
Gespräche an der Tisch-Skulptur von Rudolf Wachter
28. Juni bis 8. Juli 2021

Tisch für ein Kunstgespräch. Die Kunst, aneinander vorbeizureden“ – unter diesem Titel schuf der Holzbildhauer Rudolf Wachter (1923–2011) 1995 eine Tisch-Skulptur für eine Gesprächsreihe zu Fragen der Kunst. An diesem Tisch können sich sechs Menschen nur versetzt gegenübersitzen. In Zeiten, in denen ein „zuhörender Dialog“ schwieriger wird, bringen wir diesen Tisch in eine Werkhalle im Kreativquartier, um an der Gesprächskultur und vier gesellschaftlich vieldiskutierten Themen zu arbeiten. Wir laden dazu Expert*innen ein, um die Kunst zu stärken, nicht aneinander vorbeizureden. Ein Platz bleibt jeweils frei für das Publikum.

Im Kreativquatier
Schwere-Reiter-Straße 2h
80637 München
sowie Online

Flyer_Zusammengesetzt

Mo, 28.6.2021, 19 Uhr
Kunst: Nicht systemrelevant, aber…?
Was leistet Kunst und wieviel Kunst leisten wir uns?Im Rahmen der Pandemie wurden für lange Zeit alle Kultureinrichtungen geschlossen. Die Frage, was wir dabei als Gesellschaft verlieren, wurde kaum gestellt. Von den zwischenzeitlichen Lockerungen der Auflagen profitierte die Kulturbranche deutlich weniger als andere Branchen. Dabei ist der Wert der sogenannten Kreativwirtschaft für eine Stadt wie München unbestritten. Neben der ökonomischen Wertschöpfung scheint vor allem die nichtkommerzielle, kulturelle Bedeutung von Kunst für Menschen nicht bedacht worden zu sein. Wie lässt sich dieser manchmal so schwer fassbare Mehrwert kommunizieren? Und was brauchen Künstler*innen, um ihre Funktion für unsere Gesellschaft wahrnehmen zu können?

Darüber diskutierten

Corbinian Böhm, Künstler, Vorstand BBK München und Oberbayern
Sanne Kurz, Filmemacherin, MdL kulturpolitische Sprecherin der Grünen im Bayer. Landtag
Anton Biebl, Kulturreferent LH München
Börries von Notz, Geschäftsführung Stiftung Kunst und Natur
Anja Uhlig, Künstlerin, Das KloHäuschen

Foto: Jutta Höcht-Stöhr

Zur Veranstaltung gibt es – ebenso wie zu den Folgeveranstaltungen – eine Video-Aufzeichnung, mit deren Tonqualität wir nicht zufrieden sind. Bei Interesse stellen wir Ihnen diese aber gerne zur Verfügung.

Do. 1.7.2021, 19 Uhr
Meinung machen: Was sind die Fakten?
Der Streit um Weltdeutung
Gesellschaftliche Debatten sind zunehmend geprägt von der Weltsicht der Beteiligten und von eigenen Absolutheitsansprüchen. Der Streit, wie real die Bedrohung durch das Corona-Virus ist, kann als aktuelles Beispiel dafür gelten. Können Meinungen und Fakten klar unterschieden werden? In den sozialen Medien können heute alle publizistisch tätig sein und sich in Blasen Gleichgesinnter bestärken. Wie gehen wir mit Ambivalenzen um? Und welchen Beitrag leisten Künstler*innen als Expert*innen für Ambivalenz?

Darüber diskutierten

Christina Berndt, Redakteurin für Wissenschaft und Gesellschaft, Süddeutsche Zeitung
Ralf Borchard, Leiter Redaktion „Ausland und politischer Hintergrund“, BR
Johanna Haberer, Professur für Christliche Publizistik, FAU Erlangen-Nürnberg
Henrik Müller, Journalist, Professur für wirtschaftspolitischen Journalismus, TU Dortmund
Julian Röder, Künstler

Mo 5.7.2021, 19 Uhr
Neustart oder Neu-Design?
Sozial-ökologischer Umbau der Gesellschaft
Im Lockdown wurden eingespielte gesellschaftliche Strukturen heruntergefahren. Dabei wurden Probleme offenkundig, die vorher überspielt wurden. Soll durch einen Neustart versucht werden, unsere „Wohlstandsgesellschaft“ wieder hochzufahren, oder muss ein Neu-Design versucht werden, das Gerechtigkeit, Ökologie und Veränderungsfähigkeit der Gesellschaft besser im Blick hat? Wie können kreative Gruppen hier zusammenwirken im Sinne eines „Social Designs“? Und was ist entscheidend: politische Veränderungen oder die Rolle der Einzelnen?

Darüber diskutierten

Marlene Altenmüller, M.Sc., Lehrstuhl für Sozialpsychologie, LMU München
Hermann Josef Hack, Künstler, Global Brainstorming Project
Thorsten Nolting, Theologe, Leiter der Diakonie München
Ben Santo, Dekan der Fakultät für Design, Hochschule München
Dr. Johannes Wallacher, Ökonom und Philosoph, Präsident der Hochschule für Philosophie München

Do., 8.7.2021, 19:30 Uhr, ST. PAUL
Kulturelle Aneignung: Zum Umgang mit kulturellen Identitäten
ACHTUNG: Die Veranstaltung findet abweichend um 19:30 Uhr in St. Paul statt

It’s not acceptable for a white person to transmute Black suffering into profit and fun.”
(Hannah Black)

Worum geht es, wenn sich Gruppen dagegen wehren, dass Bestandteile ihrer Kultur von andern übernommen, verarbeitet und angeeignet werden? In der Regel sind es Gruppen, deren Geschichte mit Erfahrungen von Marginalisierung, Ausgrenzung und Unterdrückung verknüpft ist. Sie widersprechen der kontextlosen Verwendung ihrer Symbole und Zeichen durch die herrschende Mehrheit. Es geht also um eine Sensibilisierung. Aber ist nicht der Wechsel und das Spiel mit Identitäten Voraussetzung aller Kunst, Kreativität und Entwicklung? Und müssen sich daher nicht Künstler*innen individuell und universell mit allen Themen auseinandersetzen können? Wann also ist die An-eignung keine Ent-eignung, sondern Teil eines kulturellen Austauschs auf Augenhöhe?

Darüber diskutieren

Boaz Levin, Künstler, Schriftsteller und Kurator
Malcom Ohanwe, Journalist, Podcaster und literarischer Übersetzer
Erik Schilling, Neuere deutsche Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft, LMU München
Sophia Süßmilch, Künstlerin, Performerin
Kia Vahland, Meinungsredakteurin der Süddeutschen Zeitung

Anmeldung
Die Gesprächsreihe wird als Hybridveranstaltung angeboten. Sie könne sich für die einzelnen Veranstaltungen unter anmeldung@dg-kunstraum.de anmelden oder die Gespräche digital verfolgen. Informationen dazu finden Sie ab dem 18.6.21 auf www​.dg​-kunstraum​.de. Wir halten sie gerne über unsere Homepage, Facebook, Instagram sowie unseren Newsletter auf dem Laufenden.

Die „Tisch.Skulptur“ von Rudolf Wachter wird anschließend vom 11.7.2021 bis 3.10.2021 in der Münchner Paulskirche gezeigt. Dort befinden sich in der Apsis auch die fünf Holzreliefs „STATIONEN“ des Künstlers. Näheres zum Begleitprogramm vor Ort erfahren Sie auf www​.erzbistum​-muenchen​.de/​k​u​n​s​t​p​a​s​t​o​ral

Eine Kooperation von
Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e. V., dg​-kunstraum​.de
Evangelische Stadtakademie München, evstadtakademie​.de
Fachbereich Kunstpastoral der Erzdiözese München und Freising, erzbistum​-muenchen​.de/​k​u​n​s​t​p​a​s​t​o​ral

Doppelpass IV
‚Everything is going to be alright‘
Andreas Greiner und Maximilian Prüfer
8. September bis 29. Oktober 2020

Die Ausstellung ‚Everything is going to be alright‘ bringt ein Versprechen oder eine Hoffnung zum Ausdruck. Andreas Greiner und Maximilian Prüfer nähern sich aus sehr unterschiedlichen Richtungen dem Thema des fehlenden Gleichgewichts in unserem Umgang mit der Umwelt beziehungsweise Natur. In beinahe wissenschaftlichen Versuchsanordnungen untersuchen die beiden Künstler die Einflüsse des Menschen auf die biologischen Prozesse unserer Erde und damit wiederum auf uns. Der Ausstellungstitel ist der flammenden Rede der damals 12-jährigen Kanadierin Severn Cullis-Suzuki entnommen, die 1992 – ähnlich der skandinavischen Klimaaktivistin Greta Thunberg 2019 vor dem EU-Parlament in Straßburg – die Delegierten des Weltklimagipfels in Rio de Janeiro sprachlos machte.

Neben einer hängenden Baumschule zeigt Andreas Greiner eine mehrteilige Installation zum Thema Wald. Abbildungen sowie eine Videoarbeit wurden von einer künstlichen Intelligenz geschaffen. Die KI wurde dafür vom Künstler mit unzähligen Aufnahmen aus dem Hambacher Forst und dem nicht minder gefährdeten polnisch-weißrussischen Bialowieza-Urwald gefüttert. Greiner reiste mehrfach nach Nordrhein-Westfalen in die Nähe seiner Heimatstadt Aachen, um dort im Hambacher Forst zu kampieren, zu fotografieren und für das Überleben des Waldes vor der Braunkohlegrube zu demonstrieren. Einige der Arbeiten sind mehrschichtig aufgebaut und zeigen über der Fotografie Berechnungen zur Kompensation von CO₂-Ausstößen.

Maximilian Prüfer thematisiert in dieser Ausstellung die Auswirkungen des Menschen auf unser Ökosystem – anhand des Insektensterbens in einer hoch gelegenen Bergregion Sichuans. Hier sind Menschen in Folge eines massiven Pestizideinsatzes seit den 1980er Jahren in die Rolle der Bienen geschlüpft und bestäuben die Bäume bis heute mühsam von Hand. Prüfer reiste sowohl zur Zeit der Bestäubung als auch der Ernte in diese Region, um das Handwerk der Bauern zu erlernen. Er erwarb einen Baum, den er selbst bestäubte, und dessen Früchte er nach seiner Rückkehr im Herbst ernten konnte. Fotografien, Objekte wie Bestäubungswerkzeuge, Pollengefäße und Transportkörbe sowie der Abguss „seiner“ Birne führen uns die gesellschaftlichen und politischen Dimensionen der durch unser Handeln ausgelösten ökologischen Störungen vor Augen. Ergänzt wird dieser Zyklus mit Arbeiten die den derzeitigen Pestizideinsatz in unseren Breitengraden thematisieren.

Eigens gezogene Setzlinge hängen in Taschen von der Decke und erinnern damit an Gebinde, wie sie die NASA für ihre Weltraumforschung (plant pillow) nutzt. Bewässert werden sie durch kleine Schläuche und Gefäße, die an Infusionsflaschen erinnern.

Andreas Greiner
*1979, lebt und arbeitet in Berlin
www​.andreasgreiner​.com

Maximilian Prüfer
*1986, lebt und arbeitet in Augsburg
www​.maximilian​-pruefer​.com

Fotos
Gerald von Foris (1 – 3)