Wir freuen uns, bei der diesjährigen Open Art wieder mit dabei zu sein!
Ausstellung
‚U Can Take’
Öffnungszeiten während der Open Art Freitag, 24.9.2021, 18 bis 21 Uhr Samstag, 25.9.2021, 11 bis 18 Uhr Sonntag, 26.9.2021, 11 bis 18 Uhr
Performanceprogramm
Fr. 9.9.2022 18 Uhr Eröffnung 18.15 Uhr ‚In Search of Humanity‘ von Felix Helmut Wagner, Wien 19 Uhr ‚Tin Omen‘ von Max Weisthoff, München (Hinweis: Diese Performance enthält sensible Inhalte)
Sa. 10.9.2022 14 Uhr ‚Can You Take?‘ von Esther Abdelghani mit Diana Wöhrl, München 16 Uhr ‚Baby Blues’ von Haveit, Pristina (Kosovo)
So. 11.9.2022, 14 bis 16 Uhr ‚Interieur mit Frau in Rot‘ von Gabi Blum, München ,Whirling‘ von Lisa Stertz, Berlin
„Kirchen sind Prototypen öffentlicher Bauten“ (cheweitz). Sie waren gebaut als große Versammlungsräume. Mit sich verändernder Bevölkerungsstruktur und mit der Säkularisierung der Gesellschaft wurden sie zunehmend zu reinen Gottesdienstorten. Heute besinnen sich Gemeinden und Kirchen erneut auf ihr Potenzial als öffentliche Räume, oft als hybride öffentliche Räume: Sie behalten ihre gottesdienstliche Funktion und geben zusätzlichen Nutzungen Raum. „Wir haben eine Kirche – Haben Sie eine Idee?“ Mit Fragen wie dieser werden Prozesse der geistigen und realen Öffnung, der Partizipation und Neugestaltung initiiert. Der Bezug aufs Stadtviertel und die Fragen der Zeit werden Thema und Aufgabe. Wir stellen drei solcher Prozesse kultureller Öffnung vor und diskutieren beispielhaft an ihnen bauliche und personelle Voraussetzungen, Dynamiken und Herausforderungen im Umgestaltungsprozess und die Visionen, die sich mit ihnen verbinden. Welche Qualitäten an öffentlichem Raum entstehen hier?
Mi, 1. März 2023, 18.30 Uhr Auferstehungskirche München Gollierstraße 55, 80339 München
St. Maria als: „Wir haben eine Kirche – Haben Sie eine Idee?“ Der Prozess der Öffnung als Erfahrung PR Andréas Hofstetter-Straka, St. Maria als – Kirche des Dialogs und der Vernetzung, Stuttgart
Eine Kirche erfindet sich neu. Aus einem anfangs als vorübergehend gedachten Prozess der Suche wird ein neues Selbstverständnis: St. Maria wird „St. Maria als“. Sie öffnet sich für den Stadtraum und für vielfältige Nutzungs-Ideen der Menschen um sie herum. Ein kuratorisches Team gestaltet den Prozess, der nun auf Dauer angelegt ist: Öffnung und Ermöglichung. Wissenschaftlich und städteplanerisch begleitet. Und mit einem Umbau des Innenraums unterstützt.
Ein neuer Typus Kirche: Hybride öffentliche Räume Dr. Sonja Beeck und Jürgen Willinghöfer, chezweitz GmbH – museale und urbane Szenografie, Berlin
Das Berliner Büro chezweitz hat einen Prozess in Zusammenarbeit der Mitteldeutschen Kirche und der Internationalen Bauausstellung Thüringen 2012 – 2023 begleitet und gestaltet. Aus 500 neuen Ideen für neue Nutzung sakraler Räume wurden sieben Modellprojekte ausgewählt und professionell umgesetzt. Die vorgestellten Projekte zeigen, wie lebensnahe weltliche Nutzungen das ursprüngliche Angebot der Kirche ergänzen können. Mitten im Ort entsteht so ein neuer Typus Kirche als hybrider Raum und vielleicht neuer Kern. chezweitz ist ein in Berlin ansässiges Büro für museale und urbane Szenografie. Es gestaltet Kunst- und Themenausstellungen für Museen und entwickelt planerische Strategien für die veränderte Wahrnehmung und Nutzung des Stadtraumes.
Auferstehungskirche als „Kraftwerk Westend“: Eine Vision Bernd Berger, Pfarrer Auferstehungskirche München
Die denkmalsgeschützte Auferstehungskirche im Münchner Westend liegt in einer lebendigen und vielfältigen Nachbarschaft. Sie ist eine der größten Münchner Kirchen, doch die Bewohnerschaft im Westend hat sich verändert. Konzeptuell und baulich will sich die Kirche öffnen und zugleich neue Funktionen der heutigen Gesellschaft integrieren: Ein Migrationszentrum, Tafel und Vesperkirche, Kulturelle Öffnung. Westend Vibes kommen zum Klingen. Ein Kraftwerk für die Nachbarschaft. Konzeptionelle Herausforderungen für die Gemeinde und für Staab Architekten, die die bauliche Umsetzung leisten sollen.
Podiums- und Plenumsdiskussion Systematische Fragen zu den Projekten
eine Kooperation von Stiftung Weiter-Denken Auferstehungskirche München Westend und DG Kunstraum im Rahmen der Wanderausstellung ‚Kirche Raum Gegenwart‘ vom 20.1. bis 16.3.2023
Kirchenräume stellen für Stadt und Gesellschaft wertvolle öffentliche Räume dar. Kirchen sind identitätsstiftend und oft ortsbildprägend. Sie stellen einen unglaublichen bauhistorischen und kulturellen Schatz dar. Die Pflege und Wahrung von Grundstücken, Pfarrhäusern und eben Kirchengebäuden wird angesichts einer abnehmenden Zahl an Kirchenmitgliedern zunehmend schwieriger. Die Kirche ist mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen konfrontiert und steht nun durch innerkirchliche Themen selbst vor notwendigen Veränderungen.
Die Ausstellung widmet sich der Transformation von Kirchenräumen in Süddeutschland und nimmt Beispiele für konkrete Veränderungen und erweiterte Nutzungen in den Blick. In den Sommermonaten 2022 wurden ortsspezifische Projekte für vier Kirchengemeinden von jeweils einem Duo aus Kunstschaffenden oder Architekt*innen mit Bezugspersonen der Gemeinden vor Ort entwickelt. Es sind sehr unterschiedliche Ansätze, die jeder auf eigene Art und Weise dazu einladen über ‚aufgeschlossene Kirchenräume‘ nachzudenken – Kirchen, die liturgische Orte bleiben und sich gleichzeitig für Neues öffnen. Dabei steht eine nachhaltige Transformation der Räume im Zentrum, die sich nicht nur über architektonische Lösungen, sondern vor allem über inhaltliche Neubeschreibungen definiert.
Die Ergebnisse werden in Form von Renderings, Texten und Modellen in der Ausstellung vorgestellt. Darüber hinaus wird eine Auswahl von 14 bereits umgesetzten Transformationen von Kirchenräumen im süddeutschen Raum vorgestellt. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog im jovis Verlag, der unter anderem im Rahmen der Gesprächsreihe ‚Kirche Raum Zukunft‘ präsentiert wird.
Mit Arbeiten der folgenden Duos zu den ausgewählten Projektkirchen
Vernissage Donnerstag, 19. Januar 2023, 18 bis 21 Uhr im DG Kunstraum
19:30 Uhr Begrüßung mit Dr. Walter Zahner, 1. Vorsitzender der DG sowie Dr. Alexander Heisig, Vertreter des Vorstands Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst
Einführung Benita Meißner, Geschäftsführerin und Kuratorin des DG Kunstraums
Eine Zusammenarbeit mit der DFG-Forschungsgruppe Sakralraumtransformation (TRANSARA). In Kooperation mit dem Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst e.V.
Ruth Geiersberger untersucht, was bleibt, wenn man geht. Ein beweglicher Beichtstuhl, die Kirche St. Paul, ein Laden für Begräbniskultur, der DG Kunstraum und das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst sind die Orte, an denen – durchaus auch heiter – über das Memento mori sinniert wird.
Installation in St. Paul an der Theresienwiese St.-Pauls-Platz 11, 80336 München
begehbar vom 6. bis 27. November zu den Kirchenöffnungszeiten konzertante Andachten ebenda zur Tatort-Zeit um 20.15 Uhr
Idee, Konzept, Spiel, Stimme, Verrichtungen: Ruth Geiersberger Musik: Maria Reiter (Akkordeon), Evi Keglmaier (Bratsche, Stimme), Michel Watzinger (Hackbrett), Peter Gerhartz (Orgel) Film & Foto: Severin Vogl Textauswahl und dramaturgische Beratung: Andrea Kaufmann Beichtstuhlherrichterin: Kathi Schmidt Helfer: Simon Spehr Grafikdesign: Beate List PR: Pfau PR
Sonntag, 6. November und Sonntag, 27. November Diskurs über Stille und Jenseitiges Gras von hinten gelesen heißt Sarg
Performatives Gespräch im DG Kunstraum
Moderation: Ruth Geiersberger mit musikalischen Störungen Sonntag, 30. Oktober 2022, 11 Uhr DG Kunstraum, Finkenstr. 4, 80333 München
Die Bedeutung sakraler Räume mit Dr. Sylvia Schoske (Ägyptologin) und Rainer Hepler (Pfarrer)
Wir stellen ihn nun offiziell vor: unser neuer Name an der Tür (und auch sonst überall)!
Viele von Ihnen kennen unsere Räume in der Finkenstr. 4 als ‚Galerie der DG‘ oder trafen sich zu Ausstellungen, Künstler*innengesprächen, Performances und vieles mehr in ‚der DG‘.
In einem arbeitsamen Workshop 2020 über unsere gemeinsame Ausrichtung und durch einige Ideen und Austausch dazu, wie wir zukünftig das Programm gestalten wollen, haben wir unseren neuen Namen ‚DG Kunstraum‘ ins Lebens gerufen! Mithilfe von unseren kompetenten Gestaltern Bernd Kuchenbeiser und Simon Malz ist daraufhin unsere neue Website und das gesamte neue Erscheinungsbild inklusive einem wunderbaren Logo entstanden.
DG – erinnert an unseren alten Namen und dem Kunstraum zugrunde liegenden Verein Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V. und weist auf unsere Ausrichtung: Diskurs und Gegenwart. Mehr zu unserem Wirken können Sie in unserer DG Imagebroschüre erfahren, einfach hier anfragen!
Sie sind herzlichst eingeladen, in unseren Räumlichkeiten durch zeitgenössische Kunst aktuelle Gegenwartsthemen zu entdecken, neu zu sehen, zu besprechen und diskutieren.
Es freut uns ganz besonders, Ihnen in den kommenden Jahren neue Formate zu präsentieren und unseren Namen mit tollen Ausstellungen und Erfahrungen zu füllen.
Der Katalog 155 erscheint begleitend zum Kunstprojekt ‚kunst-netz-werk2. Dialog auf Distanz‘ der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst e.V., gemeinsam mit dem Fachbereich Kunstpastoral der Erzdiözese München und Freising sowie dem Kunstreferat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern im Jahr 2021 realisiert werden konnte.
Der Katalog ist für 7,50 Euro im DG Kunstraum zu erhalten oder bestellbar (plus Porto bei Versand) unter info@dg-kunstraum.de
1. Auflage 2022 ISBN 978–3‑932322–59‑4
Herausgeber: Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V Fachbereich Kunstpastoral der Erzdiözese München und Freising Kunstreferat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
Konzeption: Helmut Braun, Benita Meißner, Dr. Ulrich Schäfert Assistenz und Lektorat: Dr. Hanne Borchmeyer Gestaltung: Gabi Blum Druck: Scandinavian Books
Fotos: Lena Engel, S. 15 Christian Schnurer, S. 17 Brigitte Schwacke, S. 25 Angela Stauber, S. 27 Kristof Huf, S. 29 Sebastian Tröger, S. 31 Daniel Kiss, S. 33 Ugnius Gelguda, S. 39 Lina Augustin, S. 41 Christoph Lammers, S. 43 Bela Manuel Sobko, S. 45 Florian A. Betz, S. 47 Peter Kees, S. 51 Felix Rodewaldt, S. 53 Federico Delfrati, S. 57 Martin Weiand, S. 59 Leonie Felle, S. 61 Florian Tuercke, S. 63 Roland Krieg, S. 73 Fumie Ogura, S. 75
VG Bild-Kunst, Bonn 2022 für die Werke von: Isabel Haase, Monika Humm, Jochen Kitzbihler, Christian Schnurer, Lydia Daher, Angela Stauber, Christoph Lammers, Cristina Ohlmer
Katalog 156 der DG ist zugleich Katalog des Fachbereichs Kunstpastoral der Erzdiözese München und Freising und erscheint begleitend zur Kooperations-Ausstellung »Auf der Suche …«, im DG Kunstraum (12. Mai bis 22. Juli 2022), St. Paul München (15. Mai bis 3. Oktober 2022), Erlöserkirche München (15. Mai bis 24. Juli 2022), St. Markus München (11. Mai bis 22. Juli 2022), Nazareth Kirche München (12. Mai bis 22. Juli 2022), Heilig Geist München (18. Mai bis 2. Juni 2022), Akademiegalerie (7. Juni bis 17. Juni 2022).
Kuratorische Texte: Sabine Geyer (SG), Rasmus Kleine (rk), Benita Meißner (bm), Dr. Ulrich Schäfert (US), Schirin Kretschmann (Sk)
Herausgeber*innen: Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V. und Fachbereich Kunstpastoral der Erzdiözese München und Freising: Dr. Walter Zahner, Benita Meißner, Dr. Ulrich Schäfert
Lektorat: Hannah Griese, Nina Holm, Daria Pezzoli-Olgiati Gestaltung und Produktion: Sofarobotnik, Büro für Gestaltung, Augsburg & München Druck: DZA Druckerei zu Altenburg, Altenburg
Ausstellungsansichten: Gerald von Foris, Jayhyung Kim (21, 22, 23, 76, 77, 79, 99)
Copyright: Künstler*innen, Autor*innen und Fotografen der Ausstellung, Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V. sowie Fachbereich Kunstpastoral der Erzdiözese München und Freising
1. Auflage 2022 ISBN 978–3‑932322–60‑0
DG Kunstraum Diskurs Gegenwart Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V. Finkenstraße 4 · 80333 München Telefon 0049 89 282548 info@dg-kunstraum.de www.dg-kunstraum.de
Geschäftsführerin und Kuratorin: Benita Meißner Assistenz der Geschäftsführung: Manuela Baur Kuratorische Assistenz: Léa Manoussakis di-Bona Technik: Boris Maximowitz, Jonaid Khodabakhshi Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Daniela Lange
Erzdiözese München und Freising (KdöR) vertreten durch das Erzbischöfliche Ordinariat München Generalvikar Dr. Christoph Klingan Kapellenstraße 4 · 80333 München Verantwortlich: Ressort Seelsorge und kirchliches Leben
Fachbereich Kunstpastoral Fachbereichsleiter Dr. Ulrich Schäfert St.-Pauls-Platz 10 80336 München kunstpastoral@eomuc.de www.erzbistum-muenchen.de/kunstpastoral
Dank allen Mitwirkende und Autor*innen, im besonderen Prof. Dr. Daria Pezzoli-Olgiati (Lehrstuhl für Religionswissenschaft und Religionsgeschichte der Evangelisch- Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität), Prof. Schirin Kretschmann (Akademie der Bildenden Künste München), Jutta Höcht-Stöhr, Rasmus Kleine und Gerson Raabe (Erlöserkirche), Daniel Lerch und Judith Seipel (Heilig-Geist-Kirche), Rainer Hepler (Kunstpastoral der Erzdiözese München und Freising mit Sitz in St. Paul), Sabine Geyer und Gunter Schaumann (Markuskirche), Christian Seidler und dem Jane Goodall’s Library Choir sowie Markus Rhinow (Nazareth Kirche).
Wir bedanken uns für die großzügige Förderung beim Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst e.V., München, dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität.
Was für eine Open Art 2022…wir freuen uns über einen fulminantes Eröffnungswochenende von ‚U Can Take‘!
Neben dem Videoprogramm unserer Express-Ausstellung wurde der DG Kunstraum zur Bühne für unsere internationalen Performer*innen umfunktioniert.
Fotos: Gerald von Foris
Abbildungen: Haveit Felix Helmut Wagner Lisa Stertz Gabi Blum Esther Abdelghani mit Diana Wöhrl Lars Koepsels ‚You Can Take’ Max Weisthoff
Felix Helmut Wagner, In Search of Humanity, Fr. 9.9.2022
Für die Performance ‚In Search of Humanity‘ schlüpft der Künstler in ein Nikolaus-Kostüm, einem der bekanntesten Heiligen, der sein ererbtes Vermögen zu Lebzeiten unter den Notleidenden verteilte. In einer unbekannten Sprache wendet er sich an sein Publikum und vermittelt sich den Anwesenden trotzdem sehr eindrücklich. Laut Wagner versucht er auf absurde Weise Logik in den für uns manchmal unverständlichen Handlungen von Menschen zu finden. Er nutzt dafür neben Grafiken und Objekten auch ein Plakat, dass ein totes Rind im Schlachthof zeigt. Die Art und und Weise wie der Mensch mit anderen Lebewesen umgeht bringt die Performance Figur in Rage. Hat der Mensch den Auftrag die Erde Untertan zu machen falsch verstanden, da er auch nur ein Teil des Ganzen ist? Damit die komplexen Thematiken nicht nur über Gebärden und Bilder verständlich werden, nutzt der Künstler stellenweise einen grünen Übersetzer-Kopf, der die fremde Sprache für die Zuhörer*innen ins Deutsche und Englische übersetzt.
Max Weisthoff, Tin Omen, Fr. 9.9.2022
Das Video enthält sensible Inhalte.
Max Weisthoff sucht in ‚Tin Omen‘ (Song der Industrial-Band Skinny Puppy, das auf das Massaker auf dem Tiananmen Platz 1989 anspielt) eine situative Überlagerung von Mensch, Tier und Maschine im Raum, forscht nach dem Spannungsverhältnis zwischen körperlicher Gegenwart, Deprivation, wechselseitiger Übergriffigkeit und queerer Intimität. Der Performer ist nackt und trotzdem nicht zu erkennen: Eine genähte Hundemaske aus Echtfell deformiert den Kopf, ein Buttplug mit angesetzter Fellschwanz penetriert und extrudiert den Körper gleichermaßen von hinten. Die fetischaffine Alienation ist körperlich spürbar und verunsichert: Kein Augenpaar, das direkten Augenkontakt zuließe, keine echte Mimik. Auch die Körperhaltung, oft kauernd oder stark zentriert, und die langsamen, überdehnten zeitlichen Abläufe und Bewegungen verweigern sich dem Bedürfnis nach Greifbarkeit. Nach und nach erweitern skulpturale Elemente das Spiel: Dominant ist die Kette aus tierischen Oberschenkelknochen, die am Boden liegend den Raum als Diagonale kreuzt. Ein Ende hängt an einem Kofferobjekt, das einen unübersichtlichen Technikpark beheimatet; das andere Ende reicht zu einem Beamer, der hochkant eine Videoloop projiziert. Der nackte Körper ist hier abermals als technisches Bild präsent, wenn auch mit einer Fuchsmaske und schwarz-weiß gefilmt. In einer nächtlichen Außenszene reibt und stößt das Mischwesen, von hinten gefilmt, wiederholt ein tonnenförmiges Objekt aus blankem Stahlblech, im Hintergrund sind permanentes Grillenzirpen und ein in der Ferne vorbeifahrendes Auto hörbar. Aus der beinahe zärtlichen Reibung am Metall wird vehementes Stoßen: Fleisch auf Metall, irgendwo zwischen Erotik und Gewaltakt, dumpfes Poltern ist hörbar. Ausgehend von dieser Sound- und Bildkulisse entsteht durch eine komplexe Anordnung unterschiedlicher Soundeffekte im Koffer nach und nach ein rauschender Geräuschteppich – „Noise“. Ein Paar mit Sensoren versehene Lederhandschuhe bildet ein berührungsempfindliches Interface: Die einzelnen Knochen am Boden kommen ratternd in Bewegung, vibrieren und zerren an der Kette. Das Rauschen wird zunehmend lauter, die Knochen tanzen.
Esther Abdelghani mit Diana Wöhrl, Can You Take?, Sa. 10.9.2022
Esther Abdelghani und Diana Wöhrl nutzen für ihre Performance aufgehängte Gummibänder, die in Farbe und Anmutung an die Worte ‚You Can Take‘ in übergroßer Schrift von Lars Koepsel auf der gegenüberliegenden Wand erinnern. Die Performerinnen bewegen sich mit und in den bunten Bändern, wodurch ein spielerischer Umgang mit der Schrift entsteht, sie wird aufgelöst und neu geschrieben – oder kämpfen sie mit ihr? Mal ist es ein tänzerisches Spiel und der Körper dirigiert die Bänder, mal drückt die Kraft des Gummis den Körper an die Wand. Die Bänder stellen nicht nur formal, sondern auch inhaltlich eine Kommunikation zwischen den Körpern und Thematik her und reagieren auf die Wandarbeit. Im Laufe der Performance nehmen die Verschlingungen und Verdrehungen zu und die Bewegung wird in ihrem Aktionsradius gehemmt. Sie sind nun Gefangene ihres eigenen Spiels. Wie frei kann der Geist unabhängig vom Körper sein, wenn beide doch eine untrennbare Einheit bilden? Unser biologischer Körper als Organismus erzeugt durch chemische und elektrische Funktionsweisen unsere Wahrnehmung und inneres Erleben. Körperliche Erfahrungen prägen unsere Persönlichkeit, körperliche Unfreiheit kann großes Leid herbeiführen. Sich einen freien Geist zu bewahren, vor allem in Situationen der Unterdrückung, ist eine der stärksten menschlichen Eigenschaften, so Abdelghani.
Haveit, Baby Blues, Sa. 10.9.2022
Die vier Künstlerinnen, Alketa Sylaj, Hana Qena, Vesa Qena und Arbërore Sylaj, stehen regungslos vor vier Einkaufswägen, die leere Wassergläser enthalten. Nach einer kleinen Weile greifen die Frauen, eine um die andere, die Griffe der Einkaufswägen und schieben diese sanft vorwärts und rückwärts. Die Art der Bewegung erinnert an ein beruhigendes Wiegen von Säuglingen im Kinderwagen. Diese Bewegung wird abrupt von einem gefährlichen Hin-und Herstoßen der Einkaufswägen abgelöst. Eine davor nicht dagewesene Aggressivität entlädt sich. Die leeren Gläser werden durcheinandergeschleudert und zerbrechen mit großem Getöse. Die Künstlerinnen beruhigen sich erst, als auch das letzte Glas zerbrochen ist. Haveit spielt mit den tradierten Geschlechterrollen: sie wechseln von einer sorgenden, mütterlichen Bewegung zu einem Gestus, der ganz im Gegensatz dazu steht und nicht weiblich konnotiert ist.
Lisa Stertz, Assemble – A Whirling Perfomance, So. 11.9.2022
Lisa Stertz ist Performancekünstlerin und Tänzerin. Ihr Interesse an bewegungsbasierten Praktiken ließ sie zuletzt eine Ausbildung zur Derwisch-Wirbellehrerin absolvieren, womit sie ihr Wissen und ihre Tätigkeitsfelder bereicherte. Im DG Kunstraum bewegt sie sich mit ”assemble” in den bereits am Rande des Ausstellungsraums positionierten Leinwänden von Gabi Blum wie vor einer dreidimensionalen Bühne. Sie integriert die vorgefundene Architektur spielerisch in ihre Choreografie. Ihre Drehungen und Bewegungen richtet sie an einem Musikstück aus, welches für sie mit losem Bezug auf den Inspirationssong zu Koespels Wandmalerei (Rihannon Giddens – At The Purchaser’s Option) komponiert wurde. Somit verwebt ihre Performance verschiedene Inhaltspunkte der Ausstellung und ihr Körper wird im wahrsten Sinne des Wortes zum Dreh- und Angelpunkt im Raum.
Gabi Blum, Interieur mit/ohne Frau in Rot, So 11.9.2022
Gabi Blum interpretiert im Ausstellungsraum ein Gemälde von Félix Vallotton aus dem Jahr 1903. Die Künstlerin entwickelte dafür eine raumfüllende Installation aus Leinwänden und Objekten, die eine ungefähre Tiefe von 5 Metern erreicht. Das ausgewählte Werk trägt den Titel „Interieur mit/ohne Frau in Rot“ und zeigt den fast voyeuristischen Blick durch mondän eingerichtete Räume, bis zu einer Art Schlafraum mit gelber Wand. Im Zentrum des Bildes steht eine Frau in rotem Kleid, die von hinten zu sehen ist und die wiederum in die nächsten zwei Räume blickt. Live vor Publikum baut Gabi Blum die Installation auf, während ihre Videokamera den finalen Bildausschnitt schon mit aufzeichnet und auf einen Monitor überträgt. Die Kuratorin Benita Meißner verliest im Auftrag der Künstlerin zwei Texte zum Jahr 1903, die zum einen etwas über die Situation des Malers Vallotton erzählen und zum anderen über die Hutnadelvorfälle, die im gleichen Jahr weltweit für Furore sorgten. Vallotton hatte durch seine Heirat gesellschaftlichen Aufstieg erfahren und sich in private Räume zurückgezogen, wo er nun häufiger seine Frau Gabrielle malte, während weltweit Frauen begannen sich alleine in öffentlichen Räumen zu bewegen und sich gegen Übergriffe von Männern mit ihren Hutnadeln wehrten. Vielerorts wurden die Hutnadeln verboten, es gab Demonstrationen dagegen und auch Verhaftungen. Gabi Blum, namensverwandt mit der Frau des Künstlers, wurde an einem 19.03. geboren und begibt sich für dieses Tableaux vivant final als Model für 19.03 Minuten in die Installation, während das Lied, das an ihrem Geburtstag Nummer 1 der deutschen Singlecharts war, in Dauerschleife gespielt wird.