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Fast eine Tonne: Atemraum‘
Eröffnung
Donnerstag, 18. Juni 2026, 18 bis 21 Uhr

Programm
19 Uhr
Performance ‚Becoming‘
Alexander Gerner, Christoph Lammers, Jin Lee

19:30 Uhr
Begrüßung und Einführung
Dr. Uli Schäfert, Vorstand DG
Benita Meißner, Kuratorin

Performance
Alexander Gerner, Christoph Lammers, Jin Lee

Die Gruppenausstellung Fast eine Tonne: Atemraum reflektiert das Atmen als Ursprung und Grenze des Daseins durch künstlerische Setzungen. Als ewiges Symbol für Geist und Seele taucht der Atem seit jeher in Mythologie, Religion und Philosophie auf: Die antiken Götter erweckten damit Pygmalions Skulptur Galathea zum Leben, in der Schöpfungsgeschichte haucht Gott dem Menschen den Odem des Lebens ein, und auch Buddha nutzt den Atem als Weg zur Erleuchtung.

Auch die Kunst versucht seit Jahrhunderten, das Unsichtbare und Flüchtige der Luft sichtbar zu machen. Spätestens seit der Renaissance gehört ihre Darstellung zu den besonderen Herausforderungen der Kunst, insbesondere der Malerei. Luft selbst als Material einzusetzen, ist hingegen ein vergleichsweise junges Phänomen. Seit der Moderne wenden sich Künstler*innen der Luft nicht mehr nur als Motiv, sondern auch als Werkstoff zu. Sie erscheint nicht länger allein als Wind, Wolke, Nebel, Dampf, Rauch oder Atem, sondern wird selbst zum Medium künstlerischer Arbeit. Zeitgenössische Positionen machen diesen unsichtbaren Prozess auf unterschiedliche Weise erfahrbar und eröffnen mit dem Atem einen Denkraum zwischen Körper und Welt, Innen und Außen, Ich und Anderem.

Der Ausstellungstitel verweist zugleich auf die physische Präsenz der Luft. Obwohl unsichtbar, besitzt Luft Gewicht: Ihre Moleküle haben Masse. Ein Kubikmeter Luft wiegt rund 1,3 Kilogramm – auf das Volumen des Ausstellungsraums gerechnet ergibt das fast eine Tonne Luft.

Die Bandbreite der Möglichkeiten Atem oder Luft darzustellen in der Kunst ist groß und so sind von Videoarbeiten, über Installation, auch klassischen Medien wie Malerei und Zeichnung in der Ausstellung vertreten. Daiki Kimoto zog zu Beginn der Pandemie für sein Studium der Bildenden Kunst nach Deutschland. Herausfordernd für einen jungen Menschen, in einem fremden Land. In dieser Zeit entwickelte er einen eigenen künstlerischen Coronatest: So lange er den Atem anhalten konnte, zeichnete er Linien auf kleine Blätter. Je gesünder die Lunge, desto verspielter und freier wurden die Linien. Jedes Blatt versah er akribisch mit Datum und Uhrzeit.

Ob Klang, Bewegung oder Zeichnung – der Atemrhythmus und der Takt des Geschehens sind stets eng miteinander verwoben. Vor dem Hintergrund experimentieren Jin Lee, Alexander Gerner und Christoph Lammers damit, wie sie sich gegenseitig durch ihre Atmung beeinflussen, Rhythmen neu gestalten und sich im Raum begegnen. Der Atem, der uns ein Leben lang begleitet, vom ersten Atemzug bei der Geburt bis zum letzten Seufzer. Der Rhythmus ist und uns mit allem und allen verbindet. Es ist ein Spiel zwischen den Akteuren, das von Spontanität, Intuition, Vertrauen in dem Moment geprägt ist. Die Performance ‚Becoming‘ wurde in der Vorbereitung der Ausstellung aufgezeichnet und ist als Videoarbeit zu sehen.

Wie viel Luft passt in unsere Lungenflügel? Ausgehend von dieser Frage entwickelte Afra Dopfer eine partizipative Installation. Die Besucher*innen sind eingeladen schwarze Luftballons mit ihrem Atem zu füllen – jeder Ballon trägt ein Lungenvolumen in sich. Der ‚formlose‘ Atem erhält eine Grenze, eine Form, eine Farbe: eine Gestalt. Das Luftvolumen wird von außen ins Körperinnere, vom Körperinneren zurück nach Außen geatmet. Dazu sind assoziative Videosequenzen entstanden, die an die verschiedenen Eigenschaften des Atems spielerisch anknüpfen.

Im Zentrum des künstlerischen Schaffens von Carsten Fock steht die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Landschaftsmalerei. Landschaftsdarstellungen sind für Fock Projektionsflächen gesellschaftlicher und politischer Vorstellungen – von romantischen Naturbildern bis zu den Bildpolitiken des geteilten Deutschlands. Das Kunstwerk in der Ausstellung stammt aus dem Zyklus ‚Heaven Above‘ und lässt direkt Assoziationen an barocke Himmel zu. Farbwolken, teils mit den Fingern aufgetragen, türmen sich nebeneinander auf. Dabei sind die Wolken sind nicht nur heiter, sie wirken bedrohlich und frei nach dem Sprichwort, ‚da braut sich etwas zusammen‘ steht das Bild eher für eine Gefühls-als eine Wetterlage.

Sara Mayoral Jimenez absolvierte in diesem Jahr ihr Diplom an der Akademie der Bildenden Künste in München. Die Ausstellung zeigt eine Weiterentwicklung ihrer Installation ‚Ora‘. Die gezeigten Glasobjekte entstanden in traditioneller Glasbläserkunst – sie sind durch Atem geformt. In ihrer organischen Form erinnern sie an Verdauungsorgane und innere Körperlandschaften. Einige der Gefäße enthalten Flüssigkeiten, Früchte, Pflanzen und Blüten, die einem Gärungsprozess unterliegen und dabei Gase freisetzen. Durch dieses Zusammenspiel verbindet die Installation skulpturale Formen mit natürlichen Prozessen von Transformation, Verfall und Erneuerung.

Janna Jirkova beschäftigt sich in ihrer Kunst u.a. mit Wahrnehmung des eigenen Körpers. Oft verschwinden dabei die Grenzen zwischen Skulptur, Installation oder Videoarbeiten, aber auch zwischen organisch anmutenden Materialien und Technik. Seit längerem arbeitet sie an einer Art Körpererweiterung, die wiederum die Wahrnehmung des Körpers beeinflusst. In der Ausstellung ist die Abformung eines Oberkörpers zu sehen, der von myzelartigen Strukturen überzogen ist.

Benjamin Zuber hinterfragt in seiner Installation „We are the storm“ kritisch das Streben nach permanenter Selbstoptimierung. Im Inneren eines Pavillons hängen Handtücher, bedruckt mit den Titeln international erfolgreicher Selbstoptimierungsliteratur. Die Besucher*innen sind eingeladen, eine Handpumpe zu betätigen: Die erzeugte Luft strömt durch einen Schlauch in die sportliche Interpretation einer Bahre.

Susanne Wagner eignet sich in einem performativen Akt das ‚Hot Lips‘-Logo der The Rolling Stones an. Unter einem lebensgroßen Papier kauernd entfaltet sie durch die Streckung ihres Körpers ein gemaltes Bild: Sichtbar wird ein Mund, dem ein Ausatmen, ein ‚Ahh‘, entweicht. Das Logo wurde 1970 von John Pasche im Auftrag von Mick Jagger entworfen und bezog sich ursprünglich auf Eigenschaften der indischen Göttin Kali, die für weibliche Energie, Tod und radikale Erneuerung steht – ein Bezug, der über die Zeit weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

Die Ausstellung ‚Fast eine Tonne: Atemraum‘ wird von einem Begleitprogramm flankiert, das neben Einblicken in Atemmeditation und Bewegung auch den medizinischen Aspekt des ‚richtigen Atmens vorstellen wird. Wir laden zu partizipativen Stationen und thematischen Führungen ein.

Abb. 1–2: Aufnahmen Performance, Jin Lee, Alexander Gerner, Christoph Lammers

Fast eine Tonne: Atemraum‘
Wissenschaft und Kunst im Dialog
mit PD Dr. Hendrik Müller
Mittwoch, 24. Juni 2026, 19 Uhr

Lunge optional: wie atmen Tiere? – Ein Gesprächsabend mit Hendrik Müller

Wie atmen Tiere – und was lässt sich daran über Leben, Körper und Umwelt ablesen? Diesen Fragen widmet sich der Gesprächsabend mit Hendrik Müller im Rahmen der Reihe ‚Wissenschaft und Kunst im Dialog‘ zur Ausstellung ‚Fast eine Tonne: Atemraum‘. Als stellvertretender Leiter und Kustos der Zoologischen Sammlung der Universität Halle beschäftigt sich Hendrik Müller mit Tieratmung und eröffnet wissenschaftliche Perspektiven auf ein meist unbewusstes, aber grundlegendes Element des Lebens.

Die Ausstellung beschäftigt sich mit Luft und Atem als künstlerischem Motiv und Material. Der Gesprächsabend greift diese Themen auf und bringt wissenschaftliche und künstlerische Zugänge miteinander ins Gespräch.

Fast eine Tonne: Atemraum‘
Atemmeditationen
Freitag, 3./10./17. Juli 2026
8:30 bis 10 Uhr

Im Rahmen der Ausstellung ‚Fast eine Tonne: Atemraum‘ lädt der DG Kunstraum zu einer Atemmeditation mit dem Meditationsleiter Kurt Horz ein. Die Gruppenausstellung setzt sich mit Luft, Atem und körperlicher Wahrnehmung auseinander und fragt nach dem Verhältnis von Körper, Raum und Umgebung.

Die Meditation findet zwischen den ausgestellten Arbeiten statt und eröffnet einen besonderen Zugang zur Ausstellung. Durch Atem- und Wahrnehmungsübungen entsteht ein ruhiger gemeinsamer Erfahrungsraum, in dem sich die Themen der Ausstellung auf körperlicher Ebene erleben lassen.

Fast eine Tonne: Atemraum‘
DG Kunstpreis Verleihung an Susanne Wagner
Dienstag, 7. Juli 2026, 19 Uhr

Susanne Wagner, 1977 in München geboren und Absolventin der Akademie der Bildenden Künste München, wurde bereits mehrfach  ausgezeichnet, zuletzt mit dem Kunstpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. In einem vielgestaltigen Werk, das sich souverän zwischen Skulptur, Installation, Video und ortsspezifischen Arbeiten bewegt, hat sie insbesondere in kirchlichen und öffentlichen Räumen eine eigenständige künstlerische Sprache entwickelt.

Charakteristisch für Wagners Arbeiten ist die Verbindung formaler Präzision mit inhaltlicher Vielschichtigkeit. Themen wie Textilität, Körperlichkeit und gesellschaftliche Zuschreibungen durchziehen ihr Werk – etwa in der Keramikskulptur „Schwarzbild“ (2025), in der Installation „Mamma“, die auf eindringliche Weise Fragen von Verletzlichkeit, Gewalt und öffentlicher Inszenierung verhandeln. Auch im sakralen Kontext, wie zuletzt im „Maria Schutz Altar“ in München-Pasing, gelingt es ihr, traditionelle Bildwelten sensibel zu transformieren und zugleich aktuelle Perspektiven einzubringen. 

Susanne Wagners Kunst überzeugt durch ihre formale Kraft, ihre mediale Vielfalt und eine oft subtile, humorvolle Doppelbödigkeit. Gerade weil sie nicht laut auftritt, sondern ihre Themen mit leiser Konsequenz verfolgt, erscheint sie als besonders würdige Preisträgerin des Kunstpreises der DG 2026.

Fast eine Tonne: Atemraum‘
Kuratorinnenführung durch die Ausstellung
Dienstag, 22. Juli 2026, 19 Uhr
Dienstag, 4. August 2026, 19 Uhr

Im Rahmen der Ausstellung ‚Fast eine Tonne: Atemraum‘ lädt der DG Kunstraum zu einer Ausstellungsführung mit der Kuratorin Benita Meißner ein. Dabei gibt es die Möglichkeit, gemeinsam durch die Ausstellung zu gehen und über die gezeigten Arbeiten ins Gespräch zu kommen.

Die Gruppenausstellung reflektiert das Atmen als Ursprung und Grenze des Daseins durch künstlerische Setzungen. Zehn künstlerische Positionen setzen sich auf unterschiedliche Weise mit Luft, Atem und körperlicher Wahrnehmung auseinander.

Die Kunst versucht seit Jahrhunderten, das Unsichtbare und Flüchtige der Luft sichtbar zu machen. Während Luft lange vor allem als Motiv erschien – etwa als Wind, Wolke, Nebel, Dampf, Rauch oder Atem –, wird sie in der Moderne zunehmend selbst zum Material künstlerischer Arbeit. Zeitgenössische Positionen machen diesen unsichtbaren Prozess auf unterschiedliche Weise erfahrbar und eröffnen mit dem Atem einen Denkraum zwischen Körper und Welt, Innen und Außen, Ich und Anderem.

Fast eine Tonne: Atemraum‘
Lesung und Aperó
Eva-Maria Braun liest im DG Kunstraum
Samstag, 11. Juli 2026, 18 Uhr

Im Rahmen der Ausstellung ‚Fast eine Tonne: Atemraum‘ lädt der DG Kunstraum zu einer Lesung mit Aperó und Eva-Maria Braun ein.

Eva-Maria Braun (*1979) lebt und schreibt in Bamberg. Aufgewachsen in einem Haus voller Bücher und ausgestattet mit einer großen Liebe zur Literatur, studierte sie Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Augsburg und arbeitete später in Hörfunk und TV-Produktion. Als Texterin und Autorin schreibt sie heute Auftragstexte, Lyrik und Kurzprosa. Ihre Gedichte wurden in verschiedenen Anthologien, Magazinen und im Rahmen von Kunstprojekten veröffentlicht. Eva-Maria Braun war Teil des Projekts ‚Das Lyrische Foyer‘ um den Hamburger Lyriker Fritz Sebastian Konka und veröffentlichte gemeinsam mit ihm den Band ‚Vom Leben und anderen Unwägbarkeiten‘ (edition neje tieden). Im Verlag ruach​.jetzt erschien ihr Lyrischer Begleiter ‚Fragst Du, antworte ich‘. Derzeit arbeitet sie an einem Kurzprosa-Band über die weibliche Erinnerung, der 2027 erscheinen soll.

Kunstfreiheit aushalten – Was kann die Kirche von der Kunst lernen?‘
104. Katholikentag Würzburg

Freitag, 15. Mai 2026, ab 16:15 Uhr

Referent*innen:
Dr. Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter, Kulturbüro des Rates der EKD
Prof. Monika Grütters, Kulturstaatsministerin a.D. und ZdK-Mitglied, Münster
Sonya Schönberger, Künstlerin, Berlin
Susanne Wagner, Künstlerin, München

Moderation:
Dr. Ulrich Schäfert, 1. Vorsitzender der DG sowie
Dr. Guido Schlimbach, Kunststation St. Peter, Köln, Gesamtvorstand DG

Der Kunstverein Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst fördert seit 1893 den Austausch von Künstlerinnen, Theologinnen und Kunstbegeisterte so nun auch durch die Mitgestaltung des Programms der bildenden Kunst auf dem Katholikentag. Wo treffen sich die Suchbewegungen der freien Kunst und der Kirchen? Welche gesellschaftliche Bedeutung kann diese haben? Welche Rolle spielt die Freiheit dabei? Und was können die Kirchen dabei lernen? Die Künstlerinnen Susanne Wagner und Sonja Schönberger berichten von ihren Erfahrungen und Erwartungen. Kulturstaatsministerin a.D. Prof. Monika Grütters und der Kulturbeauftragter der EKD Johann Hinrich Claussen bringen die Perspektive der Kirchen und der Kulturpolitik ein.

Hab Mut, steh auf!‘
Performanceprogramm am Kiliansplatz
104. Katholikentag Würzburg

Maria Berauer…

…nimmt das Publikum auf eine eindringliche Reise rund um das Thema Mutterschaft mit. … „Maria, Maria, Maria…“ immer und immer wieder den eigenen Namen schreiben, mit roter Farbe auf weißem Tuch. Die Farbe enthält Menstruationsblut der Künstlerin, von ihren Freundinnen und deren Freundinnen. Eine Meditation über Identität, Sichtbarkeit und Sisterhood. 

Maria Berauer (*1982 ) lebt und arbeitet in München. Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Praxis ist der eigene Körper als Ressource für Selbstausdruck und Widerstand. In Performances, Videoinstallationen und Soundarbeiten wird dieser weibliche Körper zum Handlungs- und Erfahrungsraum an der Schnittstelle von biografischen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen nach Identität, Geschlechterrollen, Machtstrukturen und Tabus. Durch die unmittelbare Präsenz leiblicher und klanglicher Äußerungen bahnen sich Emotionen, Affekte, Unsagbares und implizites Wissen Wege und erzeugen spürbare Resonanzfelder. Seit ihrem Studium der Medienkunst an der Akademie der bildenden Künste München, der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und der Faculdad de Bellas Artes Granada, werden ihre Arbeiten international in unterschiedlichen Kontexten gezeigt. Sie ist Gründungsmitglied des Performance Kollektivs The Hercules and Leo Case und seit 2021 Stipendiatin der Erwin und Gisela von Steiner Stiftung in den Otto – Steidle – Ateliers München.

Judith Egger

…gestaltet eine performative Demonstrations-Aktion als Gründungsmitglied der fiktiven United Holobiontic Protection Alliance: In einer meist nonverbalen Manifest-Performance verleiht sie den Anliegen der Holobionten Ausdruck und wirbt für eine verantwortungsvolle, verbundene Beziehung zu allem Lebendigen. Das Motto ‚Hab Mut! Steh auf!‘ erscheint in diesem Kontext als besonders geeignet, da die Intention der Demonstrationsaktion darin besteht, einen künstlerischen Impuls zu setzen, der auf non-verbale, anarchische, ernste und zugleich humorvolle Weise aufrüttelt, berührt und Neugier weckt. Im Kern ihrer künstlerischen Auseinandersetzung steht die Frage danach, woher wir kommen, wie das Leben begann und was es ist, das alles Lebendige antreibt.

Egger (*1973) absolvierte eine Ausbildung zur Holzschnitzerin in Oberammergau und studierte Kommunikationsdesign an der FH Augsburg sowie am Royal College of Art in London. Unkontrolliertes organisches Wachstum, parasitäre Organismen und radikale Transformationsprozesse gehören zu ihren Forschungsgebieten – seit 2004 recherchiert sie unter anderem als Direktorin des parasitären Instituts für Hybristik und empirische Schwellkörperforschung die alles antreibende Lebenskraft, die Schwellkraft, die jedem Organismus innewohnt und die der Mensch in letzter Konsequenz nicht kontrollieren kann. Sie plädiert für eine neue Beziehung mit allem Lebendigen, welche nicht von Dominanz, Trennung und Unterwerfung geprägt ist, sondern vom Wissen über die gegenseitige Abhängigkeit und von tiefer Verbundenheit. Dabei bewegt sie sich mit Vorliebe in den Grenzbereichen von bildender Kunst, Installation und Performance. 

Ruth Geiersberger

…lädt Anwesende dazu ein mit dem ‚Andachtsquadrat‘, gemeinsam ins Schweigen zu finden und vom Zuhören ins bewusste Horchen überzugehen – gelegentlich begleitet von Tönen und Jodeln. „Was sollen wir tun und wohin tragen wir unsere Fragen?“ – Ein Zitat aus dem Gedicht von Hilde Domin, welches die Herangehensweise der Künstlerin einfängt. In ihrem einzigartigen Stil verbindet sie Performance, Gesang und Beobachtung, um eine Mischung aus Nachdenklichkeit, Traurigkeit, Wahnsinn, Humor und Schönheit zu schaffen.

Sie lebt und arbeitet in München. Performerin, Sprecherin, Schauspielerin, Beobachterin. Ausbildung in München, Berlin und Paris. Sie lenkt ihren Blick auf die kleinen Dinge des Lebens und entdeckt darin absurde Zusammenhänge. Seit vielen Jahren ist sie als umtriebige Performerin an den merkwürdigsten Orten anzutreffen. Seit 1990 entwickelt sie Projekte, die sie auch Verrichtungen nennt, im Bereich theatraler Performance und szenischer Installation, die sie mit Hilfe von Projektförderungen und Stipendien vor allem des Kulturreferates der LH München realisieren konnte und kann. 2023 ausgezeichnet mit dem Theaterpreis 2023 der Stadt München. www​.verrichtungen​.de

Béla Juttner

…verbindet in seiner Kunst den Werdegang als Tänzer, Choreograph und Modedesigner zu einer Art Gesamtkunstwerk. Thematisch setzt er sich in seinen Arbeiten mit Machtverhältnissen, gesellschaftlichen Strukturen und der Freiheit des Einzelnen auseinander. 

(*1997 in München ) Er absolvierte 2021 seinen Master in Modedesign an der Royal Academy of Fine Arts Antwerpen und schloss 2025 sein Kunststudium bei Peter Kogler in München ab. 2024 erhielt er den Leonhard-und-Ida-Wolf-Preis, 2025 den Debütantenpreis sowie den Preis Junge Kunst. Ausgestellt wurden seine Arbeiten u. a. in München, Belgien und Paris. In seiner künstlerischen Arbeit spielen Gattungsgrenzen kaum noch eine Rolle; die Übergänge von Installation, Performance, Mode, Design, Malerei und Film sind fließend. Seine Performances thematisieren Körperverwandlungen, Häutung und Auflösung von Geschlechtsidentitäten. Die Erfahrungen der Arbeit am und mit dem eigenen Körper durch seine Ballettausbildung sowie während des Modedesignstudiums verschränkt Béla Juttner in seinem Kunststudium mit gesellschaftlichen Fragestellungen.

Abb. 1–2: Maria Berauer, “Maria, Maria, Maria…“, 2026, Fotos: Team DG
Abb. 3–4: Judith Egger, Performance: United Holobiontic Protection Alliance, 2026, Fotos: Team DG
Abb. 5–6: Ruth Geiersberger, Andachtsquadrat, 2026, Fotos: Team DG
Abb. 7–8: Béla Jutter, Tanzperformance, 2026, Fotos: Team DG

Sonya Schönberger
Nägel. Vergangenheit erinnern
Kunstinstallation in Stift Haug
104. Katholikentag Würzburg

Ausgangspunkt der Installation sind 13.000 Nägel, die aus Baracken der Zwangsarbeiter*innen in Berlin-Tempelhof stammen und bei einer archäologischen Grabung gefunden wurden. Sie stehen metaphorisch für die Anonymität der ausgebeuteten Menschen, deren Namen und Geschichten wir nicht kennen, die aber in allen deutschen Städten in der Zeit des Nationalsozialismus eingesetzt wurden. Auch in Würzburg wurden circa 9.000 Zwangsarbeiter*innen in Lagern inhaftiert und ausgebeutet.

Im Altarraum von Stift Haug entsteht ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Kirchenraum, der Leiden, Opfer, Schuld und Verantwortung in eine lebendige Erinnerung ruft. Die Besucher*innen sind eingeladen, sich auf den Nägeln zu bewegen.

Abb. 1–3: Sonya Schönberger, Nägel, 2026, Fotos: Team DG

Susanne Wagner
Schmerzpunkt
Kunstinstallation in Würzburg
104. Katholikentag Würzburg

Mit einer Vernissage am Kiliansdom ist am Donnerstag, 14. Mai, im Rahmen des 104. Deutschen Katholikentags die Kunstintervention Schmerzpunkt der Künstlerin Susanne Wagner eröffnet worden. Das Projekt wurde im Rahmen eines Kunstwettbewerbs des 104. Deutschen Katholikentags ausgewählt. Zahlreiche Besucher*innen und Vertreter*innen des lokalen Betroffenenbeirats, des ZdK sowie des Bistums nahmen an der Eröffnung teil. Die Künstlerin setzt sich in ihrem Werk mit sexualisierter Gewalt und dem Missbrauch geistlicher Autorität in der katholischen Kirche auseinander. Die Intervention versteht sich als eindrückliche Unterbrechung im Dienst einer aktiven Erinnerungskultur.

Die Installation arbeitet mit einem einfachen, eindrücklichen Bild: Ein roter Punkt markiert Schmerz. Er bleibt bewusst im Unbestimmten. So entsteht eine symbolische Verdichtung, die Raum für individuelle Erfahrungen lässt und zugleich die Kirche als Institution in die Verantwortung nimmt. Dort, wo zuvor ein Umhängekreuz angebracht war, bleibt eine Leerstelle zurück. Auf diese Weise wird sichtbar, was oft unsichtbar bleibt oder unsichtbar gemacht wird.

Schmerzpunkt versteht sich nicht als abgeschlossenes Kunstwerk, sondern als offene Intervention. Während des Katholikentags werden Schmerzpunkte als Hinterglasobjekte an Kirchen und Orten des Katholikentags in Würzburg sichtbar sein. Susanne Wagner: „Mir ist der dezentrale Charakter wichtig: Erinnerung und Verantwortung sind nicht an einen einzigen Ort gebunden. Zugleich wird die Verantwortung der Institution sichtbar.“

Das Konzept ist bewusst so angelegt, dass es weitergetragen werden kann – in Gemeinden, Einrichtungen mit dem jeweiligen konkreten Kontext. Für die Weiternutzung der Objekte nach dem Katholikentag haben sich bereits verschiedene Verbände und Gemeinden deutschlandweit gemeldet. „Meine Hoffnung ist, dass diese Intervention nicht elegant integriert wird in das große Narrativ vom Weg nach vorn. Denn der Schmerzpunkt bleibt. Vielleicht beginnt Trost genau dort: im Nicht-Wegsehen“, so Kai Christian Moritz, Mitglied des Arbeitskreises Kultur des 104. Deutschen Katholikentags und Betroffener.

Die Vernissage wurde einfühlsam von der Cellistin Milena Milatinova Ivanova musikalisch umrahmt.

Abb. 1 ‑3: Schmerzpunkte, Susanne Wagner, 2026, Fotos: Team DG