DG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum DiskursGegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs Gegenwart

Gespräch mit den Künstler*innen
und PD Dr. Matthias Pöhlmann
Mittwoch, 28. Oktober 2026, 18 Uhr

Im Rahmen der Ausstellung ‚Doppelpass VIII. Erdanziehung‘ lädt der DG Kunstraum zu einem Gespräch mit Judith Neunhaeuserer und Lukas Kindermann sowie PD Dr. Matthias Pöhlmann, Beauftragter für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, ein. Es wird über die Entstehung der Arbeiten und der künstlerischen Methoden gesprochen sowie die gedanklichen Hintergründe der Ausstellung reflektiert.

Matthias Pöhlmann, Dr. theol. habil., Theologe und Publizist, Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Privatdozent für Religionswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität sowie Lehrbeauftragter an der Universität der Bundeswehr in München. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Religions- und Weltanschauungsfragen, zuletzt „Freimaurerei, Neuoffenbarungen und die moderne Esoterik. Religiös-weltanschauliche Gegenwartskulturen, Nomos Verlag (2025) und „Gefährliche Bildung. Rechte Esoterik im Klassenzimmer“ (mit Rita Nikolai), Verlag Herder 2026.

Im Anschluss führt ein gemeinsamer Gang zum Digital Art Space, wo ein zweiter Teil der Ausstellung zu sehen ist.

Zur Ausstellung

Die Schwerkraft hält uns auf der Erde – und doch sind wir Teil eines größeren Kosmos. Diesen Zusammenhang versucht der Mensch seit jeher zu deuten und begreifbar zu machen: mit naturwissenschaftlichen Berechnungen, philosophischen Überlegungen und spirituellen Vorstellungen. ‚Doppelpass VIII. Erdanziehung‘ bringt die künstlerischen Positionen von Judith Neunhaeuserer und Lukas Kindermann zusammen. Beide verhandeln die Erdanziehung als physikalische wie poetische Kraft. Unser Sonnensystem wird dabei zum künstlerischen Experimentierfeld. 

Ort: Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V., Finkenstraße 4, 80333 München

Eröffnung Doppelpass VIII
Donnerstag, 17. September 2026
18 bis 21 Uhr

Der DG Kunstraum lädt herzlich zur Eröffnung der Ausstellung ‚Doppelpass VIII. Erdanziehung‘ ein. Die Erdanziehung hält uns auf der Erde – und doch sind wir Teil eines größeren Kosmos. Diesen Zusammenhang versucht der Mensch seit jeher zu deuten und begreifbar zu machen: mit naturwissenschaftlichen Berechnungen, philosophischen Überlegungen und spirituellen Vorstellungen.‚Doppelpass VIII. Erdanziehung‘ bringt die künstlerischen Positionen von Judith Neunhaeuserer und Lukas Kindermann zusammen. Beide verhandeln die Schwerkraft als physikalische wie poetische Kraft. Unser Sonnensystem wird dabei zum künstlerischen Experimentierfeld. 
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Digital Art Space und wird an beiden Ausstellungsorten nacheinander eröffnet: um 18:30 Uhr im Digital Art Space und anschließend um 19:30 Uhr im DG Kunstraum.

Digital Art Space 
Eröffnung Do, 17. September 2026, 18 bis 21 Uhr
18:30 Uhr
Begrüßung und Einführung
Dr. Karin Wimmer

DG Kunstraum
Eröffnung Donnerstag, 17. September 2026, 18 bis 21 Uhr
19:30 Uhr
Begrüßung und Einführung
Dr. Uli Schäfert, Vorstand DG
Benita Meißner, Kuratorin

Ort: DG Kunstraum Diskurs Gegenwart, Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V., Finkenstraße 4, 80333 München

Ausstellungsrundgang
Dienstag, 29. September 2026, 19 Uhr
Dienstag, 20. Oktober 2026, 19 Uhr

Der DG Kunstraum lädt herzlich zur Kuratorenführung durch die Ausstellung „Doppelpass VIII. Erdanziehung“ ein. Benita Meißner, Kuratorin des DG Kunstraums, führt durch die Ausstellung und gibt Einblicke in ihre Entstehung. Dabei gibt es Raum für Fragen, eigene Beobachtungen und ein gemeinsames Gespräch.

Die Erdanziehung hält uns auf der Erde – und doch sind wir Teil eines größeren Kosmos. Diesen Zusammenhang versucht der Mensch seit jeher zu deuten und begreifbar zu machen: mit naturwissenschaftlichen Berechnungen, philosophischen Überlegungen und spirituellen Vorstellungen. ‚Doppelpass VIII. Erdanziehung‘ bringt die künstlerischen Positionen von Judith Neunhaeuserer und Lukas Kindermann zusammen. Beide verhandeln die Schwerkraft als physikalische wie poetische Kraft. Unser Sonnensystem wird dabei zum künstlerischen Experimentierfeld. 

Ort: Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V., Finkenstraße 4, 80333 München

Nachruf David Barbarino aka Tony Stella (1980–2026)

Mit David Barbarino ist ein Künstler gegangen, der sich nie mit dem Gefälligen zufriedengab. Er suchte das Bild als Gegenüber, als Widerstand, als Ort der Konzentration. Malerei war für ihn keine Behauptung einer Oberfläche, sondern ein Ringen um Licht, Raum, Schönheit und Transzendenz.

2015 durfte ich David Barbarino mit seiner ersten Münchner Einzelausstellung‚Paramount‘ in der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst ausstellen. Gezeigt wurde damals ein Zyklus großformatiger silberfarbener Gemälde, deren Bildgeschehen sich erst im Zusammenspiel mit ihrer Umgebung entfaltete. Das einfallende Licht wurde bei ihm nicht lediglich dargestellt: Es wurde zum Mitspieler. Je nach Standort, Tageszeit und Blickwinkel veränderten sich Farbe, Tiefe und Erscheinung der Bilder. Sie waren nie abgeschlossen, sondern in Bewegung.

Barbarinos Weg war von Beginn an ein eigenständiger. Während seines Studiums am Central Saint Martins College in London entschied er sich für die Malerei, gerade als diese im akademischen Umfeld als überholt galt. Gegen solche Vorgaben setzte er eine entschiedene, unironische Bildsprache. Seine frühen Auseinandersetzungen mit barocken Heiligenbildern und mythologischen Figuren zeugen von einem Blick, der keine Hierarchie zwischen religiöser Überlieferung, Kindheitserinnerung und populärer Bildwelt kannte.

Er wusste um die Tradition: Tintoretto, Matisse, Goya, Cézanne und die Frage nach dem Licht standen als ferne, anspruchsvolle Gesprächspartner im Raum. Doch David Barbarino suchte keine kunsthistorische Absicherung. Er prüfte seine Bilder in der Natur, auf Bergen, im Schnee oder am Meer – dort, wo sich zeigen musste, ob ein gemaltes Bild neben der überwältigenden Gegenwart der Welt bestehen kann. 

Unter dem Namen Tony Stella erreichte er ein anderes Publikum. Seine Filmplakate waren eigenständige Bilder: konzentriert, poetisch und geprägt von einer besonderen Aufmerksamkeit für Figur, Stimmung und Bewegung. Filmgeschichte wurde bei ihm nicht reproduziert, sondern neu gesehen. Seine Plakatkunst bewahrte die Aura des Kinos, ohne sich dem Nostalgischen hinzugeben.

David Barbarino konnte mit großer Entschiedenheit für sein Werk eintreten. Diese Kraft war spürbar – im Gespräch ebenso wie in der Malerei. Seine Bilder tragen die Spuren eines intensiven inneren und äußeren Kampfes: das wiederholte Ansetzen, Verwerfen, Verdichten; den Glauben daran, dass ein Bild am Ende mehr sein kann als seine materielle Oberfläche.

Sein Werk bleibt als Einladung, genauer hinzusehen. Es erinnert daran, dass Licht nicht nur Sichtbarkeit schafft, sondern auch Geheimnis; dass Malerei ein Wagnis bleibt; und dass ein Bild, wenn es gelingt, den Raum über sich hinaus öffnen kann.

https://​www​.tony​-stella​.com

Abb. David Barbarino, Maloja I, 2012, Mixed media on canvas, 250 x 300 cm

Dokumentation der Performance
‚Becoming‘ 18.6.2026
Alexander Gerner, Christoph Lammers, Jin Lee

Ob Klang, Bewegung oder Zeichnung – der Atemrhythmus und der Takt des Geschehens sind stets eng miteinander verwoben. Vor dem Hintergrund experimentieren Jin Lee, Alexander Gerner und Christoph Lammers damit, wie sie sich gegenseitig durch ihre Atmung beeinflussen, Rhythmen neu gestalten und sich im Raum begegnen. Der Atem, der uns ein Leben lang begleitet, vom ersten Atemzug bei der Geburt bis zum letzten Seufzer. Der Rhythmus ist und uns mit allem und allen verbindet. Es ist ein Spiel zwischen den Akteuren, das von Spontanität, Intuition, Vertrauen in dem Moment geprägt ist. Die Performance ‚Becoming‘ wurde in der Vorbereitung der Ausstellung aufgezeichnet und ist als Videoarbeit zu sehen.

Der DG Kunstraum zeigt die Gruppenausstellung „Fast eine Tonne: Atemraum“ vom 19. Juni bis 13. August 2026 in der Finkenstraße 4 in München.

Vid. : Dokumentation der Performance „becoming“ im Rahmen der Eröffnung von „Fast eine Tonne: Atemraum“ im DG Kunstraum, Performer: Alexander Gerner, Christoph Lammer, Jin Lee. Video: Oliver Tataru

DG Kunstpreis Verleihung an Susanne Wagner
Dienstag, 7. Juli 2026, 19 Uhr

Laudatio und Preisverleihung
Dr. Ulrich Schäfert, 1. Vorsitzende der DG

im Anschluss

Künstlergespräch 
Dr. Alexander Heisig, 1. Vorsitzende VAH und Benita Meißner im Gespräch mit Susanne Wagner

Susanne Wagners künstlerische Arbeit setzt sich in kreativer, überraschender und immer tiefgründiger Weise mit den sozialen und existentiellen Fragen unserer Zeit auseinander und findet dafür innovative Umsetzungen mit großer Stimmigkeit und formaler Kraft. 

In einem vielgestaltigen Werk, das sich souverän zwischen Skulptur, Installation, Video und ortsspezifischen Arbeiten bewegt, hat sie insbesondere in kirchlichen und öffentlichen Räumen eine eigenständige künstlerische Sprache entwickelt. Ihre Arbeit wurde entsprechend mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Kunstpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Charakteristisch für Wagners Arbeiten ist die Verbindung formaler Präzision mit inhaltlicher Vielschichtigkeit. Themen wie Textilität, Körperlichkeit und gesellschaftliche Zuschreibungen durchziehen ihr Werk – etwa in der Rauminstallation ‚Sigrid‘, 2019 in St. Paul, München, in der Keramikskulptur ‚Schwarzbild‘ (2015 und 2025), in der Installation ‚Mamma‘ (2025), die auf eindringliche Weise Fragen von Verletzlichkeit, Gewalt und öffentlicher Inszenierung verhandeln oder in der Arbeit ‚Schmerzpunkt‘, die im Rahmen des Kunstwettbewerbs des 104. Deutschen Katholikentags Würzburg 2026 zu sexualisierter Gewalt und Missbrauch geistlicher Autorität in der katholischen Kirche ausgewählt und an vielen Orten in Deutschland umgesetzt wurde und wird. 

Auch im sakralen Kontext, beginnend mit der innovativen Gestaltung der liturgischen Orte 2011bis 2013 in keramischer Technik für St. Johann Baptist Eching bei Landshut bis zuletzt 2023 bis 2025 in Sichtbeton für ‚Maria Schutz Altar‘ in München-Pasing, gelingt es ihr, traditionelle Bildwelten sensibel zu transformieren und zugleich aktuelle Perspektiven einzubringen. 

Susanne Wagners Kunst überzeugt durch ihre formale Kraft, ihre mediale Vielfalt und eine oft subtile, humorvolle Doppelbödigkeit. Gerade weil sie nicht laut auftritt, sondern ihre Themen mit leiser Konsequenz verfolgt, erscheint sie als besonders würdige Preisträgerin des Kunstpreises der DG 2026.

Ort: Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V., Finkenstraße 4, 80333 München
Wann: 7. Juli 2026, 19 Uhr

Abb. Susanne Wagner, Installation „MAMMA“ in der Rathausgalerie, 2025, Foto: Johannes Seyerlein

Wissenschaft und Kunst im Dialog
mit PD Dr. Hendrik Müller
Mittwoch, 24. Juni 2026, 19 Uhr

Lunge optional: wie atmen Tiere? – Ein Gesprächsabend mit Hendrik Müller

Wie atmen Tiere – und was lässt sich daran über Leben, Körper und Umwelt ablesen? Diesen Fragen widmet sich der Gesprächsabend mit Hendrik Müller im Rahmen der Reihe ‚Wissenschaft und Kunst im Dialog‘ zur Ausstellung ‚Fast eine Tonne: Atemraum‘. Als stellvertretender Leiter und Kustos der Zoologischen Sammlung der Universität Halle beschäftigt sich Hendrik Müller mit Tieratmung und eröffnet wissenschaftliche Perspektiven auf ein meist unbewusstes, aber grundlegendes Element des Lebens.

Die Ausstellung beschäftigt sich mit Luft und Atem als künstlerischem Motiv und Material. Der Gesprächsabend greift diese Themen auf und bringt wissenschaftliche und künstlerische Zugänge miteinander ins Gespräch.

Zeigt euch eure Wunde
Debatten um die Kunstfreiheit
Dokumentation

Im Rahmen der Veranstaltung ‚Zeigt euch eure Wunde. Debatten um die Kunstfreiheit‘ im Januar 2026 berichten Gäste aus Kunst, Wissenschaft, Politik und Kulturförderung von ihren beruflichen und persönlichen Erfahrungen mit der Kunstfreiheit.

Im ersten von zwei Podien kamen der Kunsthistoriker Dr. Wolfgang Ullrich, die Künstlerinnen Angela Stiegler und Cana Bilir-Meier sowie der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Christoph Möllers miteinander ins Gespräch.

Im zweiten von zwei Podien trafen die Künstlerin Melisa Kujević, Ralf Homann, Mitglied des Vorstands des Deutschen Künstlerbundes sowie der Münchner Stadtrat David Süß aufeinander.

Durch den gesamten Nachmittag führte Moritz Holfelder, Kulturjournalist, Autor und langjähriger Radioredakteur

Veranstaltet von der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst e.V. und dem BBK München und Oberbayern am 31. Januar 2026 in der Galerie der Künstler*innen in München.

Videoaufnahme und Schnitt: Yannic Kiefer

Website: https:/www.dg-kunstraum.de/

Instagram: https://​www​.instagram​.com/​d​g​_​k​u​n​s​t​r​a​um/

Ausstellungsführung, Di. 2. Juni 2026, 18 Uhr

Die Kuratorin Annika Schoenmann führt am Dienstag, den 2. Juni um 18 Uhr durch die Ausstellung ‚sichtbar. verknüpft. frei.‘.

‚sichtbar. verknüpft. frei.‘ ist eine Einladung, das 100 jährige Jubiläum der GEDOK zu feiern und aktuelle Künstlerinnen aus München und ganz Deutschland zu entdecken. An drei Orten entsteht ein vielschichtiger Resonanzraum für weibliche Perspektiven in der Kunst: Die Rathausgalerie zu Gast im DG Kunstraum, das MaximiliansForum und die galerieGEDOKmuc zeigen 30 Künstlerinnen – und eine Geschichte, die Zukunft schreibt – zeitgenössisch, interdisziplinär, mit Haltung. 

Zwischen Netzwerken und Nadelspitzen, Klangkörpern und Körperbildern, Performance und Poesie geht es um Sichtbarkeit und die Freiheit im Denken, im Machen, im Zeigen. Neun Wochen lang trifft künstlerische Energie auf Öffentlichkeit – mit Ausstellungen, Kunstspaziergängen, Gesprächen, Performances und offenen Formaten.

Weitere Informationen oder Anmeldung zur Führung erhalten Sie unter info@dg-kunstraum.de

‚Fast eine Tonne: Atemraum‘
Eröffnung
Donnerstag, 18. Juni 2026, 18 bis 21 Uhr

Programm
19 Uhr
Performance ‚Becoming‘
Alexander Gerner, Christoph Lammers, Jin Lee

19:30 Uhr
Begrüßung und Einführung
Dr. Uli Schäfert, Vorstand DG
Benita Meißner, Kuratorin

Performance
Alexander Gerner, Christoph Lammers, Jin Lee

Die Gruppenausstellung Fast eine Tonne: Atemraum reflektiert das Atmen als Ursprung und Grenze des Daseins durch künstlerische Setzungen. Als ewiges Symbol für Geist und Seele taucht der Atem seit jeher in Mythologie, Religion und Philosophie auf: Die antiken Götter erweckten damit Pygmalions Skulptur Galathea zum Leben, in der Schöpfungsgeschichte haucht Gott dem Menschen den Odem des Lebens ein, und auch Buddha nutzt den Atem als Weg zur Erleuchtung.

Auch die Kunst versucht seit Jahrhunderten, das Unsichtbare und Flüchtige der Luft sichtbar zu machen. Spätestens seit der Renaissance gehört ihre Darstellung zu den besonderen Herausforderungen der Kunst, insbesondere der Malerei. Luft selbst als Material einzusetzen, ist hingegen ein vergleichsweise junges Phänomen. Seit der Moderne wenden sich Künstler*innen der Luft nicht mehr nur als Motiv, sondern auch als Werkstoff zu. Sie erscheint nicht länger allein als Wind, Wolke, Nebel, Dampf, Rauch oder Atem, sondern wird selbst zum Medium künstlerischer Arbeit. Zeitgenössische Positionen machen diesen unsichtbaren Prozess auf unterschiedliche Weise erfahrbar und eröffnen mit dem Atem einen Denkraum zwischen Körper und Welt, Innen und Außen, Ich und Anderem.

Der Ausstellungstitel verweist zugleich auf die physische Präsenz der Luft. Obwohl unsichtbar, besitzt Luft Gewicht: Ihre Moleküle haben Masse. Ein Kubikmeter Luft wiegt rund 1,3 Kilogramm – auf das Volumen des Ausstellungsraums gerechnet ergibt das fast eine Tonne Luft.

Die Bandbreite der Möglichkeiten Atem oder Luft darzustellen in der Kunst ist groß und so sind von Videoarbeiten, über Installation, auch klassischen Medien wie Malerei und Zeichnung in der Ausstellung vertreten. Daiki Kimoto zog zu Beginn der Pandemie für sein Studium der Bildenden Kunst nach Deutschland. Herausfordernd für einen jungen Menschen, in einem fremden Land. In dieser Zeit entwickelte er einen eigenen künstlerischen Coronatest: So lange er den Atem anhalten konnte, zeichnete er Linien auf kleine Blätter. Je gesünder die Lunge, desto verspielter und freier wurden die Linien. Jedes Blatt versah er akribisch mit Datum und Uhrzeit.

Ob Klang, Bewegung oder Zeichnung – der Atemrhythmus und der Takt des Geschehens sind stets eng miteinander verwoben. Vor dem Hintergrund experimentieren Jin Lee, Alexander Gerner und Christoph Lammers damit, wie sie sich gegenseitig durch ihre Atmung beeinflussen, Rhythmen neu gestalten und sich im Raum begegnen. Der Atem, der uns ein Leben lang begleitet, vom ersten Atemzug bei der Geburt bis zum letzten Seufzer. Der Rhythmus ist und uns mit allem und allen verbindet. Es ist ein Spiel zwischen den Akteuren, das von Spontanität, Intuition, Vertrauen in dem Moment geprägt ist. Die Performance ‚Becoming‘ wurde in der Vorbereitung der Ausstellung aufgezeichnet und ist als Videoarbeit zu sehen.

Wie viel Luft passt in unsere Lungenflügel? Ausgehend von dieser Frage entwickelte Afra Dopfer eine partizipative Installation. Die Besucher*innen sind eingeladen schwarze Luftballons mit ihrem Atem zu füllen – jeder Ballon trägt ein Lungenvolumen in sich. Der ‚formlose‘ Atem erhält eine Grenze, eine Form, eine Farbe: eine Gestalt. Das Luftvolumen wird von außen ins Körperinnere, vom Körperinneren zurück nach Außen geatmet. Dazu sind assoziative Videosequenzen entstanden, die an die verschiedenen Eigenschaften des Atems spielerisch anknüpfen.

Im Zentrum des künstlerischen Schaffens von Carsten Fock steht die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Landschaftsmalerei. Landschaftsdarstellungen sind für Fock Projektionsflächen gesellschaftlicher und politischer Vorstellungen – von romantischen Naturbildern bis zu den Bildpolitiken des geteilten Deutschlands. Das Kunstwerk in der Ausstellung stammt aus dem Zyklus ‚Heaven Above‘ und lässt direkt Assoziationen an barocke Himmel zu. Farbwolken, teils mit den Fingern aufgetragen, türmen sich nebeneinander auf. Dabei sind die Wolken sind nicht nur heiter, sie wirken bedrohlich und frei nach dem Sprichwort, ‚da braut sich etwas zusammen‘ steht das Bild eher für eine Gefühls-als eine Wetterlage.

Sara Mayoral Jimenez absolvierte in diesem Jahr ihr Diplom an der Akademie der Bildenden Künste in München. Die Ausstellung zeigt eine Weiterentwicklung ihrer Installation ‚Ora‘. Die gezeigten Glasobjekte entstanden in traditioneller Glasbläserkunst – sie sind durch Atem geformt. In ihrer organischen Form erinnern sie an Verdauungsorgane und innere Körperlandschaften. Einige der Gefäße enthalten Flüssigkeiten, Früchte, Pflanzen und Blüten, die einem Gärungsprozess unterliegen und dabei Gase freisetzen. Durch dieses Zusammenspiel verbindet die Installation skulpturale Formen mit natürlichen Prozessen von Transformation, Verfall und Erneuerung.

Janna Jirkova beschäftigt sich in ihrer Kunst u.a. mit Wahrnehmung des eigenen Körpers. Oft verschwinden dabei die Grenzen zwischen Skulptur, Installation oder Videoarbeiten, aber auch zwischen organisch anmutenden Materialien und Technik. Seit längerem arbeitet sie an einer Art Körpererweiterung, die wiederum die Wahrnehmung des Körpers beeinflusst. In der Ausstellung ist die Abformung eines Oberkörpers zu sehen, der von myzelartigen Strukturen überzogen ist.

Benjamin Zuber hinterfragt in seiner Installation „We are the storm“ kritisch das Streben nach permanenter Selbstoptimierung. Im Inneren eines Pavillons hängen Handtücher, bedruckt mit den Titeln international erfolgreicher Selbstoptimierungsliteratur. Die Besucher*innen sind eingeladen, eine Handpumpe zu betätigen: Die erzeugte Luft strömt durch einen Schlauch in die sportliche Interpretation einer Bahre.

Susanne Wagner eignet sich in einem performativen Akt das ‚Hot Lips‘-Logo der The Rolling Stones an. Unter einem lebensgroßen Papier kauernd entfaltet sie durch die Streckung ihres Körpers ein gemaltes Bild: Sichtbar wird ein Mund, dem ein Ausatmen, ein ‚Ahh‘, entweicht. Das Logo wurde 1970 von John Pasche im Auftrag von Mick Jagger entworfen und bezog sich ursprünglich auf Eigenschaften der indischen Göttin Kali, die für weibliche Energie, Tod und radikale Erneuerung steht – ein Bezug, der über die Zeit weitgehend in Vergessenheit geraten ist.

Die Ausstellung ‚Fast eine Tonne: Atemraum‘ wird von einem Begleitprogramm flankiert, das neben Einblicken in Atemmeditation und Bewegung auch den medizinischen Aspekt des ‚richtigen Atmens vorstellen wird. Wir laden zu partizipativen Stationen und thematischen Führungen ein.

Abb. 1–2: Aufnahmen Performance, Jin Lee, Alexander Gerner, Christoph Lammers