Die Gruppenausstellung ‚ Fast eine Tonne. Atemraum‘ erforscht das Atmen als Ursprung und Grenze des Daseins durch künstlerische Setzungen. Jedes Einatmen ist ein Beginn, jedes Ausatmen ein Loslassen. Ausgewählte künstlerische Setzungen machen diesen unsichtbaren Prozess auf unterschiedliche Weise erfahrbar.
Benjamin Zuber
(*1982 in Bamberg) studierte bis 2012 an den Kunstakademien in Nürnberg und Wien und lebt seit 2014 in Berlin. In seinen vielfältigen Installationen erprobt er immer wieder neue intermediale Formate und eignet sich neue Materialfelder und Verarbeitungstechniken an. Dabei eröffnen seine Arbeiten oft gesellschaftlich relevante Fragen aus einer dezidiert subjektiven Perspektive – und verhandeln gerade aus diesem dialektischen Verhältnis heraus die Grenzen eines individuellen Blickfeldes auf die Welt. Seine Arbeiten waren zuletzt unter anderem im Neuen Museum Nürnberg, im Neuen Kunstverein Aschaffenburg, im Museum Penzberg und in der Pinakothek der Moderne München zu sehen. Zu seinen Auszeichnungen zählen das INITIAL-Stipendium der Akademie der Künste, die Sonderförderung Neustart Kultur der Stiftung Kunstfonds und der Bayerische Staatsförderpreis.
„Meine intermedialen Arbeiten entstehen in einem performativen Prozess von Konstruktion und Dekonstruktion. Dabei suche ich nach Formen, die diesen Prozess abbilden und interessiere mich besonders für die Nicht-Wiederholbarkeit eines ersten Versuchs – den Moment also, in dem Idee und Material erstmals aufeinandertreffen.
Ausgelöst von einem Arbeitsunfall und weiter sensibilisiert durch die Pandemie habe ich mich inhaltlich einige Jahre primär mit der Fragilität körperlicher Unversehrtheit und dem schöpferischen Potential physischer Verletzung auseinandergesetzt. Auch in meinen jüngeren Arbeiten knüpfe ich an diese Formensprache an, der inhaltliche Fokus hat sich in Reaktion auf die eskalierenden globalen Krisen allerdings verschoben: vom versehrten Körper auf ein versehrtes System.“



Afra Dopfer
(*1962 in Starnberg) Nach einer Holzbildhauerlehre und Tätigkeit als Theaterplastikerin, studierte sie Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Leo Kornbrust und Cristina Iglesias am ‚Lehrstuhl für Bildhauerei in Verbindung mit Architektur‘. Sie arbeitet Multimedial und immer bezogen auf den architektonischen Raum. Ihre Kunst am Bau Projekte und ihre freien Arbeiten versteht sie als sich ergänzende Komponenten im Werk, genauso wie ihre Bewegungsarbeit (bei Amos Hetz) und die Lehre (Architekturfakultät Hochschule München). Zunehmend bezieht sie auch das Verhältnis des Körpers zum Raum und der Bewegung darin, ein. Sie lebt und arbeitet in München
„Als Bildhauerin beobachte ich Beziehungen zwischen Körper, Raum und Bewegung, die Formen und die Schönheit, die aus dieser Beziehung ergeben. Mich interessiert das Naheliegende, Offensichtliche und Alltägliche. Ich verwende einfache Materialien und Gegenstände, wie Papier, Luftballons, Stecknadeln, Stoff, die ich aus ihrem Kontext löse, anders verwende, abstrahiere. Der Einsatz unterschiedlicher Medien ist dabei ein wichtiger Faktor im Arbeitsprozess.“





Susanne Wagner
Susanne Wagner (*1977 in München) lebt und arbeitet in München. Nach Bildhauereistudien an der Akademie der Bildenden Künste in München und Wien, war sie von 2005 – 2011 Assistentin von Prof. Hermann Pitz an der Akademie der Bildenden Künste München. In ihren Videoarbeiten und bildhauerischen Arbeiten setzt sie sich mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft auseinander. Ihre Videoarbeiten wurden unter anderem innerhalb der Ausstellung „Body Media 2“ in der Powerstation of Art, Shanghai sowie in der Ausstellung Dimensions“ in den Pittlerwerken in Leipzig gezeigt. Sie erhielt den bayerischen Kunstförderpreis sowie den Kunstpreis der Bayerischen Akademie der schönen Künste München. Neben ihren freien künstlerischen Arbeiten realisiert sie seit 2013 bildhauerische Arbeiten in sakralen Räumen.
„Die Rolle der Frau und ihre Stellung in der Gesellschaft beschäftigt mich seit Beginn meiner künstlerischen Arbeit. Bildliche Werkzeuge von Frauenrechtsdemonstrationen – wie nackte Brüste, Zerplatzte Tomaten oder rote schreiende Münder – sollen auf Missstände bezüglich der Gleichberechtigung der Geschlechter aufmerksam machen. Diese plakativen Bilder verarbeite ich in meinen bildhauerischen und medialen Arbeiten.“


Daiki Kimoto
Daiki Kimoto (2000 in Osaka, Japan) lebt und arbeitet in München. Von 2022 bis 2025 studierte er an der Muthesius Kunsthochschule Kiel bei Andreas Greiner, seit 2025 setzt er sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Alexandra Pirici fort. In seinen Arbeiten – insbesondere in Performance und Malerei – untersucht er anhand von Informationssystemen im Internet und persönlicher Erinnerung grundlegende Fragen nach dem Wesen der Zeit und der Konstruktion von Erinnerung. Ein zentrales Merkmal seiner Praxis ist die Fokussierung auf den Akt des Linienziehens selbst: Eine einzelne Linie fungiert sowohl als Spur einer andauernden körperlichen Handlung als auch als Metapher für die Akkumulation von Daten und Erinnerung. In jüngerer Zeit zeigte er eine Einzelausstellung in der Kunststation Sankt Peter (Köln, 2023) und war unter anderem an einer Duo-Ausstellung im the pool | Kunst- und Ausstellungsraum (Düsseldorf, 2025) sowie an einer Gruppenausstellung in der Neuen Nationalgalerie (Berlin, 2025) beteiligt.
„Ich untersuche den Fluss der Zeit und die Entstehung von Erinnerung im Verhältnis zwischen körperlicher Handlung und der Akkumulation von Information. Der Akt des Linienziehens stellt dabei eine Spur gelebter Dauer dar und fungiert zugleich als Symbol für die Ansammlung von Daten und Erinnerung. In meinen Performances integriere ich Eingriffe und Entscheidungen anderer, wodurch sich individuelle Handlungen überlagern und vielschichtige Zeitschichten entstehen. Durch diese Prozesse versuche ich, die Beziehungen zwischen Individuum und Kollektiv sowie zwischen Erinnerung und System sichtbar zu machen.“




Sara Mayoral Jimenez
Sara Mayoral Jiménez (*1993 in Madrid) lebt und arbeitet in München. Sie studierte Bildende Kunst an der Universidad Complutense in Madrid und an der Akademie der Bildenden Künste in München, wo sie 2025 in der Klasse von Alexandra Pirici mit Auszeichnung abschloss.
In ihrer künstlerischen Praxis untersucht sie Prozesse der Transformation, Vergänglichkeitund Erinnerung. Unter Verwendung von Ton, organischen Materialien, Video und fermentationsbasierten Techniken entwickelt sie Installationen, die zu Langsamkeit, Intimität und Achtsamkeit einladen und oft aus alltäglichen Gesten, überliefertem Wissen und persönlichen Landschaften entstehen.Ihre Arbeiten wurde kürzlich für den Preis PERSPEKTIVEN 2026 München nominiert, und ihre Werke wurden unter anderem im Galerie der Künstler, Kunstverein München und im Rahmen der Ausstellungsreihe Varios Others mit dem Projekt Zimmer frei im Hotel Mariandl ausgestellt.
„Mich interessiert, wie Sterblichkeit als transformierende Kraft wirkt. In meiner Arbeit verwende ich Materialien und Verfahren, die sich verändern, zersetzen und zeitlichen Prozessen unterliegen. Oft arbeite ich mit Praktiken wie Sammeln, Fermentieren oder Konservieren, alltäglichen Handlungen, die zwischen Pflege, Ritual und traditionellem Wissen angesiedelt sind. Mich interessiert, dass meine Werke Räume der Aufmerksamkeit bieten, in denen die fragilen Beziehungen zwischen Körper, Materie und Zeit sichtbar werden.“



Christoph Lammers
Christoph Lammers (*1969, Heidelberg) lebt und arbeitet in München. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste München. Er ist Zeichner und Performancekünstler. Der menschliche Körper und der Klang der Linie auf Papier und im Raum sind seine Forschungsfelder. Er schöpft aus der Natur und verlässt zeichnerisch immer wieder sicheres Terrain.
Seit 2011 zeichnet er live in kollaborativen Dialogen bei Performances mit Musikern, Tänzern, Schauspielern … . Projektförderung des Kulturreferats München erhielt er für das inklusive Performanceprojekt ‚Herz Raum‘. Auf der Suche nach der Kraft reiste er in die Stadsgalerij Breda in Holland, ins mexikanische Hochland und an den Kochelsee. Seine Arbeiten und Performances waren unter anderem zu sehen beim CARPA Festival Helsinki, Middlesex University London, Michaeliskirche Erfurt, Städt. Galerie Rosenheim, Karolinenkirche, STENT Festival Augsburg, Staatl. Museum Ägyptische Kunst München.
„Es ist ein Abenteuer zusammen eine Bühne zu betreten.“


Jin Lee
Jin Lee (1993, Südkorea) ist Performerin und Choreografin und arbeitet in München und Seoul. Ihre Tanzausbildung begann sie 2012 an der Dongduk Women’s University in Seoul, die sie 2016 mit Auszeichnung abschloss. Von 2017 bis 2019 studierte sie am SEAD – Salzburg Experimental Academy of Dance – in Österreich und vertiefte dort ihre künstlerische Praxis in der Zusammenarbeit mit internationalen Lehrenden und Choreografinnen.
Als Performerin arbeitete sie unter anderem mit Milla Koistinen, Ceren Oran, Anna Konjetzky, Leonard Engel, Rosana Ribeiro, Georges Maikel, Django Bates, Jasmine Ellis, Natalia Castaneira, Pilgyun Jeong, Eulalia Ayguadé Farro, Ingri Fiksdal und Julyen Hamilton. Sie ist Co-künstlerische Leiterin des Performancekollektivs ZINADA.
„Meine künstlerische Praxis verhandelt durch Tanz Fragen von Empathie, menschlicher Verbundenheit und Zusammenleben. Anstelle einer festen Methode folgt jedes Projekt einem eigenständigen, offenen Entwicklungsprozess, der sich aus Recherche und dem Austausch mit unterschiedlichen Perspektiven und Gemeinschaften speist. In meinen choreografischen Arbeiten entstehen Räume, in denen individuelle Geschichten und kollektive Emotionen in Resonanz treten.“



Alexander Gerner
Alexander Gerner (*1971 in Schwäbisch Gmünd) lebt und arbeitet als Hydrologe und Musiker in München. Seine aktive Auseinandersetzung mit improvisierter Musik und genreübergreifender Improvisation begann 1998 in Dresden im Umfeld des Blaue Fabrik e.V. Von 2003 bis 2007 war er Mitglied des sächsischen Improvisationsensembles S.I.E. 2009 begleitete er im Rahmen von „Hellerau 100“ eine Lichtinstallation von Heike Herzog. An diese Erfahrungen knüpft er seit Herbst 2024 mit Akteur*innen der Münchner und Salzburger Szene an. Zusammen mit Jin Lee (Tanz) gestaltete er 2025 im DG_Kunstraum die Finissage zur Ausstellung ‚Ressource, Research, Reset‘.
„Von klein auf mache ich Musik in unterschiedlichsten Besetzungen. Mit Mitte 20 entdeckte ich die Improvisation als Weg, mit mir selbst ins Gespräch zu kommen. Bald folgte die Gruppenimprovisation – erst rein musikalisch, dann auch genreübergreifend in Verbindung mit Tanz oder Lichtinstallationen. Neuerdings musiziere ich auch mit Menschen mit Demenz, was ich als bereichernd für alle Beteiligten empfinde.
Mein Motto: Musik ist Begegnung.“


Carsten Fock
Carsten Fock (1968) lebt und arbeitet in Bamberg und Wien. Im Zentrum seines künstlerischen Werks steht die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Landschaftsmalerei. Über viele Jahre hinweg untersuchte er in Gemälden und Malereiinstallationen dieses traditionsreiche Sujet als historisch und ideologisch aufgeladenes Bildfeld. Ausgangspunkt seiner Arbeit ist die Frage, inwiefern Landschaftsdarstellungen Projektionsflächen gesellschaftlicher und politischer Vorstellungen sind. Landschaft erscheint dabei daher weniger als Naturdarstellung denn als kulturell geprägter Raum, in dem sich Geschichte, Machtverhältnisse und kollektive Erinnerung einschreiben. Fock verbindet diese Reflexionen mit biografischen, malerischen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Seine jüngeren Arbeiten bewegen sich zunehmend an der Schnittstelle von Zeichnung und Malerei und richten den Blick stärker auf Wahrnehmung, Atmosphäre und die elementaren Bedingungen des Bildes selbst.
Seine Arbeiten wurden unter anderem im Frankfurter Kunstverein, im Museum für Moderne Kunst Frankfurt, im Museum Städtische Galerie Wolfsburg, sowie in der Bundeskunsthalle Bonn gezeigt. Ebenfalls war er bereits mit einer Einzelausstellung im DG Kunstraum Diskurs Gegenwart München zu sehen.
„Meine künstlerische Praxis entwickelte sich aus der Auseinandersetzung mit Malerei und Zeichnung als offenen, prozessualen Medien. Über viele Jahre hinweg beschäftigte ich mich mit der deutschen Landschaftsmalerei als historisch und ideologisch aufgeladenem Bildraum, in dem sich Fragen von Geschichte, Identität und Macht spiegeln. Landschaft erscheint in meinen Arbeiten daher weniger als Naturdarstellung denn als kulturelle Konstruktion und Projektionsfläche politischer Narrative.
Seit einem Werkzyklus gegenstandsloser Papierarbeiten, der 2020/21 im dänischen Vejby entstand, hat sich meine Arbeit zunehmend von motivischen Bezügen gelöst und auf elementare Wahrnehmungen von Licht, Farbe und Atmosphäre konzentriert. Malerei verstehe ich dabei als offenen Denkraum, in dem sich historische, politische und persönliche Dimensionen miteinander verschränken.“
























