DG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum DiskursGegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs Gegenwart

Focus On: Künstler*innen
‚Fast eine Tonne: Atemraum‘ 

Die Gruppenausstellung ‚ Fast eine Tonne. Atemraum‘ erforscht das Atmen als Ursprung und Grenze des Daseins durch künstlerische Setzungen. Jedes Einatmen ist ein Beginn, jedes Ausatmen ein Loslassen. Ausgewählte künstlerische Setzungen machen diesen unsichtbaren Prozess auf unterschiedliche Weise erfahrbar.

Benjamin Zuber

(*1982 in Bamberg) studierte bis 2012 an den Kunstakademien in Nürnberg und Wien und lebt seit 2014 in Berlin. In seinen vielfältigen Installationen erprobt er immer wieder neue intermediale Formate und eignet sich neue Materialfelder und Verarbeitungstechniken an. Dabei eröffnen seine Arbeiten oft gesellschaftlich relevante Fragen aus einer dezidiert subjektiven Perspektive – und verhandeln gerade aus diesem dialektischen Verhältnis heraus die Grenzen eines individuellen Blickfeldes auf die Welt. Seine Arbeiten waren zuletzt unter anderem im Neuen Museum Nürnberg, im Neuen Kunstverein Aschaffenburg, im Museum Penzberg und in der Pinakothek der Moderne München zu sehen. Zu seinen Auszeichnungen zählen das INITIAL-Stipendium der Akademie der Künste, die Sonderförderung Neustart Kultur der Stiftung Kunstfonds und der Bayerische Staatsförderpreis.

Meine intermedialen Arbeiten entstehen in einem performativen Prozess von Konstruktion und Dekonstruktion. Dabei suche ich nach Formen, die diesen Prozess abbilden und interessiere mich besonders für die Nicht-Wiederholbarkeit eines ersten Versuchs – den Moment also, in dem Idee und Material erstmals aufeinandertreffen.
Ausgelöst von einem Arbeitsunfall und weiter sensibilisiert durch die Pandemie habe ich mich inhaltlich einige Jahre primär mit der Fragilität körperlicher Unversehrtheit und dem schöpferischen Potential physischer Verletzung auseinandergesetzt. Auch in meinen jüngeren Arbeiten knüpfe ich an diese Formensprache an, der inhaltliche Fokus hat sich in Reaktion auf die eskalierenden globalen Krisen allerdings verschoben: vom versehrten Körper auf ein versehrtes System.“

Afra Dopfer

(*1962 in Starnberg) Nach einer Holzbildhauerlehre und Tätigkeit als Theaterplastikerin, studierte sie Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Leo Kornbrust und Cristina Iglesias am ‚Lehrstuhl für Bildhauerei in Verbindung mit Architektur‘. Sie arbeitet Multimedial und immer bezogen auf den architektonischen Raum. Ihre Kunst am Bau Projekte und ihre freien Arbeiten versteht sie als sich ergänzende Komponenten im Werk, genauso wie ihre Bewegungsarbeit (bei Amos Hetz) und die Lehre (Architekturfakultät Hochschule München). Zunehmend bezieht sie auch das Verhältnis des Körpers zum Raum und der Bewegung darin, ein. Sie lebt und arbeitet in München

Als Bildhauerin beobachte ich Beziehungen zwischen Körper, Raum und Bewegung, die Formen und die Schönheit, die aus dieser Beziehung ergeben. Mich interessiert das Naheliegende, Offensichtliche und Alltägliche. Ich verwende einfache Materialien und Gegenstände, wie Papier, Luftballons, Stecknadeln, Stoff, die ich aus ihrem Kontext löse, anders verwende, abstrahiere. Der Einsatz unterschiedlicher Medien ist dabei ein wichtiger Faktor im Arbeitsprozess.“

Susanne Wagner

Susanne Wagner (*1977 in München) lebt und arbeitet in München. Nach Bildhauereistudien an der Akademie der Bildenden Künste in München und Wien, war sie von 2005 – 2011 Assistentin von Prof. Hermann Pitz an der Akademie der Bildenden Künste München. In ihren Videoarbeiten und bildhauerischen Arbeiten setzt sie sich mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft auseinander. Ihre Videoarbeiten wurden unter anderem innerhalb der Ausstellung „Body Media 2“ in der Powerstation of Art, Shanghai sowie in der Ausstellung Dimensions“ in den Pittlerwerken in Leipzig gezeigt. Sie erhielt den bayerischen Kunstförderpreis sowie den Kunstpreis der Bayerischen Akademie der schönen Künste München. Neben ihren freien künstlerischen Arbeiten realisiert sie seit 2013 bildhauerische Arbeiten in sakralen Räumen.

Die Rolle der Frau und ihre Stellung in der Gesellschaft beschäftigt mich seit Beginn meiner künstlerischen Arbeit. Bildliche Werkzeuge von Frauenrechtsdemonstrationen – wie nackte Brüste, Zerplatzte Tomaten oder rote schreiende Münder – sollen auf Missstände bezüglich der Gleichberechtigung der Geschlechter aufmerksam machen. Diese plakativen Bilder verarbeite ich in meinen bildhauerischen und medialen Arbeiten.“

Daiki Kimoto

Daiki Kimoto (2000 in Osaka, Japan) lebt und arbeitet in München. Von 2022 bis 2025 studierte er an der Muthesius Kunsthochschule Kiel bei Andreas Greiner, seit 2025 setzt er sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Alexandra Pirici fort. In seinen Arbeiten – insbesondere in Performance und Malerei – untersucht er anhand von Informationssystemen im Internet und persönlicher Erinnerung grundlegende Fragen nach dem Wesen der Zeit und der Konstruktion von Erinnerung. Ein zentrales Merkmal seiner Praxis ist die Fokussierung auf den Akt des Linienziehens selbst: Eine einzelne Linie fungiert sowohl als Spur einer andauernden körperlichen Handlung als auch als Metapher für die Akkumulation von Daten und Erinnerung. In jüngerer Zeit zeigte er eine Einzelausstellung in der Kunststation Sankt Peter (Köln, 2023) und war unter anderem an einer Duo-Ausstellung im the pool | Kunst- und Ausstellungsraum (Düsseldorf, 2025) sowie an einer Gruppenausstellung in der Neuen Nationalgalerie (Berlin, 2025) beteiligt.

Ich untersuche den Fluss der Zeit und die Entstehung von Erinnerung im Verhältnis zwischen körperlicher Handlung und der Akkumulation von Information. Der Akt des Linienziehens stellt dabei eine Spur gelebter Dauer dar und fungiert zugleich als Symbol für die Ansammlung von Daten und Erinnerung. In meinen Performances integriere ich Eingriffe und Entscheidungen anderer, wodurch sich individuelle Handlungen überlagern und vielschichtige Zeitschichten entstehen. Durch diese Prozesse versuche ich, die Beziehungen zwischen Individuum und Kollektiv sowie zwischen Erinnerung und System sichtbar zu machen.“

Sara Mayoral Jimenez

Sara Mayoral Jiménez (*1993 in Madrid) lebt und arbeitet in München. Sie studierte Bildende Kunst an der Universidad Complutense in Madrid und an der Akademie der Bildenden Künste in München, wo sie 2025 in der Klasse von Alexandra Pirici mit Auszeichnung abschloss.

In ihrer künstlerischen Praxis untersucht sie Prozesse der Transformation, Vergänglichkeitund Erinnerung. Unter Verwendung von Ton, organischen Materialien, Video und fermentationsbasierten Techniken entwickelt sie Installationen, die zu Langsamkeit, Intimität und Achtsamkeit einladen und oft aus alltäglichen Gesten, überliefertem Wissen und persönlichen Landschaften entstehen.Ihre Arbeiten wurde kürzlich für den Preis PERSPEKTIVEN 2026 München nominiert, und ihre Werke wurden unter anderem im Galerie der Künstler, Kunstverein München und im Rahmen der Ausstellungsreihe Varios Others mit dem Projekt Zimmer frei im Hotel Mariandl ausgestellt.

Mich interessiert, wie Sterblichkeit als transformierende Kraft wirkt. In meiner Arbeit verwende ich Materialien und Verfahren, die sich verändern, zersetzen und zeitlichen Prozessen unterliegen. Oft arbeite ich mit Praktiken wie Sammeln, Fermentieren oder Konservieren, alltäglichen Handlungen, die zwischen Pflege, Ritual und traditionellem Wissen angesiedelt sind. Mich interessiert, dass meine Werke Räume der Aufmerksamkeit bieten, in denen die fragilen Beziehungen zwischen Körper, Materie und Zeit sichtbar werden.“

Christoph Lammers

Christoph Lammers (*1969, Heidelberg) lebt und arbeitet in München. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste München. Er ist Zeichner und Performancekünstler. Der menschliche Körper und der Klang der Linie auf Papier und im Raum sind seine Forschungsfelder. Er schöpft aus der Natur und verlässt zeichnerisch immer wieder sicheres Terrain. 

Seit 2011 zeichnet er live in kollaborativen Dialogen bei Performances mit Musikern, Tänzern, Schauspielern … . Projektförderung des Kulturreferats München erhielt er für das inklusive Performanceprojekt ‚Herz Raum‘. Auf der Suche nach der Kraft reiste er in die Stadsgalerij Breda in Holland, ins mexikanische Hochland und an den Kochelsee. Seine Arbeiten und Performances waren unter anderem zu sehen beim CARPA Festival Helsinki, Middlesex University London, Michaeliskirche Erfurt, Städt. Galerie Rosenheim, Karolinenkirche, STENT Festival Augsburg, Staatl. Museum Ägyptische Kunst München.

Es ist ein Abenteuer zusammen eine Bühne zu betreten.“

Jin Lee

Jin Lee (1993, Südkorea) ist Performerin und Choreografin und arbeitet in München und Seoul. Ihre Tanzausbildung begann sie 2012 an der Dongduk Women’s University in Seoul, die sie 2016 mit Auszeichnung abschloss. Von 2017 bis 2019 studierte sie am SEAD – Salzburg Experimental Academy of Dance – in Österreich und vertiefte dort ihre künstlerische Praxis in der Zusammenarbeit mit internationalen Lehrenden und Choreografinnen.
Als Performerin arbeitete sie unter anderem mit Milla Koistinen, Ceren Oran, Anna Konjetzky, Leonard Engel, Rosana Ribeiro, Georges Maikel, Django Bates, Jasmine Ellis, Natalia Castaneira, Pilgyun Jeong, Eulalia Ayguadé Farro, Ingri Fiksdal und Julyen Hamilton. Sie ist Co-künstlerische Leiterin des Performancekollektivs ZINADA.

Meine künstlerische Praxis verhandelt durch Tanz Fragen von Empathie, menschlicher Verbundenheit und Zusammenleben. Anstelle einer festen Methode folgt jedes Projekt einem eigenständigen, offenen Entwicklungsprozess, der sich aus Recherche und dem Austausch mit unterschiedlichen Perspektiven und Gemeinschaften speist. In meinen choreografischen Arbeiten entstehen Räume, in denen individuelle Geschichten und kollektive Emotionen in Resonanz treten.“

Alexander Gerner

Alexander Gerner (*1971 in Schwäbisch Gmünd) lebt und arbeitet als Hydrologe und Musiker in München. Seine aktive Auseinandersetzung mit improvisierter Musik und genreübergreifender Improvisation begann 1998 in Dresden im Umfeld des Blaue Fabrik e.V. Von 2003 bis 2007 war er Mitglied des sächsischen Improvisationsensembles S.I.E. 2009 begleitete er im Rahmen von „Hellerau 100“ eine Lichtinstallation von Heike Herzog. An diese Erfahrungen knüpft er seit Herbst 2024 mit Akteur*innen der Münchner und Salzburger Szene an. Zusammen mit Jin Lee (Tanz) gestaltete er 2025 im DG_Kunstraum die Finissage zur Ausstellung ‚Ressource, Research, Reset‘.

Von klein auf mache ich Musik in unterschiedlichsten Besetzungen. Mit Mitte 20 entdeckte ich die Improvisation als Weg, mit mir selbst ins Gespräch zu kommen. Bald folgte die Gruppenimprovisation – erst rein musikalisch, dann auch genreübergreifend in Verbindung mit Tanz oder Lichtinstallationen. Neuerdings musiziere ich auch mit Menschen mit Demenz, was ich als bereichernd für alle Beteiligten empfinde.

Mein Motto: Musik ist Begegnung.“

Carsten Fock

Carsten Fock (1968) lebt und arbeitet in Bamberg und Wien. Im Zentrum seines künstlerischen Werks steht die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Landschaftsmalerei. Über viele Jahre hinweg untersuchte er in Gemälden und Malereiinstallationen dieses traditionsreiche Sujet als historisch und ideologisch aufgeladenes Bildfeld. Ausgangspunkt seiner Arbeit ist die Frage, inwiefern Landschaftsdarstellungen Projektionsflächen gesellschaftlicher und politischer Vorstellungen sind. Landschaft erscheint dabei daher weniger als Naturdarstellung denn als kulturell geprägter Raum, in dem sich Geschichte, Machtverhältnisse und kollektive Erinnerung einschreiben. Fock verbindet diese Reflexionen mit biografischen, malerischen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Seine jüngeren Arbeiten bewegen sich zunehmend an der Schnittstelle von Zeichnung und Malerei und richten den Blick stärker auf Wahrnehmung, Atmosphäre und die elementaren Bedingungen des Bildes selbst.
Seine Arbeiten wurden unter anderem im Frankfurter Kunstverein, im Museum für Moderne Kunst Frankfurt, im Museum Städtische Galerie Wolfsburg, sowie in der Bundeskunsthalle Bonn gezeigt. Ebenfalls war er bereits mit einer Einzelausstellung im DG Kunstraum Diskurs Gegenwart München zu sehen.

Meine künstlerische Praxis entwickelte sich aus der Auseinandersetzung mit Malerei und Zeichnung als offenen, prozessualen Medien. Über viele Jahre hinweg beschäftigte ich mich mit der deutschen Landschaftsmalerei als historisch und ideologisch aufgeladenem Bildraum, in dem sich Fragen von Geschichte, Identität und Macht spiegeln. Landschaft erscheint in meinen Arbeiten daher weniger als Naturdarstellung denn als kulturelle Konstruktion und Projektionsfläche politischer Narrative. 

Seit einem Werkzyklus gegenstandsloser Papierarbeiten, der 2020/21 im dänischen Vejby entstand, hat sich meine Arbeit zunehmend von motivischen Bezügen gelöst und auf elementare Wahrnehmungen von Licht, Farbe und Atmosphäre konzentriert. Malerei verstehe ich dabei als offenen Denkraum, in dem sich historische, politische und persönliche Dimensionen miteinander verschränken.“

Der DG Kunstraum zeigt die Gruppenausstellung „Fast eine Tonne: Atemraum“ vom 19. Juni bis 13. August 2026 in der Finkenstraße 4 in München.

Abb. 1: Benjamin Zuber, Foto: Daniel Kiss
Abb. 2–3: „We are the Storm“, 2026, Benjamin Zuber, Foto: Gerald von Foris
Abb. 4: Afra Dopfer, Foto: Afra Dopfer
Abb. 5–6: „fiato umano“, partizipative Installation, Afra Dopfer, Ausstellungsansichten, Foto: Gerald von Foris
Abb. 7–8: „Breeze“, Videoarbeit, Afra Dopfer, Videostills: Afra Dopfer
Abb. 9–10: „Ahh“, Videoarbeit, 2026, Susanne Wagner, Videostills: Susanne Wagner
Abb. 11: Daiki Kimoto, Foto: Daiki Kimoto
Abb. 12–14: „Atem“, Installation, 2026, Daiki Kimoto, Ausstellungsansichten, Foto: Gerald von Foris
Abb. 15: Sara M. Jimenez, Foto: Thomas Dashuber
Abb. 16–17: „Ora“, Ausstellungsansichten, DG Kunstraum Diskurs Gegenwart, 2026, Foto: Gerald von Foris
Abb. 18: Christoph Lammers, Foto: Eric Pankow
Abb. 19: „Becoming“, Ausstellungsansicht, DG Kunstraum Diskurs Gegenwart, 2026, Zusammenarbeit von Alexander Gerner, Jin Lee und Christoph Lammers, Foto: Fiona Pinnow
Abb. 20: Jin Lee, Foto: Drago Videmšek
Abb. 21–22: „Becoming“, Videoarbeit und Performance, 2026, Zusammenarbeit von Alexander Gerner, Jin Lee und Christoph Lammers, Foto: Benita Meißner
Abb. 23: Alexander Gerner, Foto: Jago Schulan
Abb. 24: „Becoming“, Videoarbeit und Performance, 2026, Zusammenarbeit von Alexander Gerner, Jin Lee und Christoph Lammers
Abb. 25: Carsten Fock, Foto: Neven Alleiner
Abb. 26: „Ohne Titel [Holløselund, nach Cranach dem Älteren]“, 2026, Carsten Fock, Foto: Gerald von Foris

Kuratorinnenführung durch die Ausstellung
Mittwoch, 22. Juli 2026, 19 Uhr
Dienstag, 4. August 2026, 19 Uhr

Im Rahmen der Ausstellung ‚Fast eine Tonne: Atemraum‘ lädt der DG Kunstraum zu einer Ausstellungsführung mit der Kuratorin Benita Meißner ein. Dabei gibt es die Möglichkeit, gemeinsam durch die Ausstellung zu gehen und über die gezeigten Arbeiten ins Gespräch zu kommen.

Die Gruppenausstellung reflektiert das Atmen als Ursprung und Grenze des Daseins durch künstlerische Setzungen. Zehn künstlerische Positionen setzen sich auf unterschiedliche Weise mit Luft, Atem und körperlicher Wahrnehmung auseinander.

Die Kunst versucht seit Jahrhunderten, das Unsichtbare und Flüchtige der Luft sichtbar zu machen. Während Luft lange vor allem als Motiv erschien – etwa als Wind, Wolke, Nebel, Dampf, Rauch oder Atem –, wird sie in der Moderne zunehmend selbst zum Material künstlerischer Arbeit. Zeitgenössische Positionen machen diesen unsichtbaren Prozess auf unterschiedliche Weise erfahrbar und eröffnen mit dem Atem einen Denkraum zwischen Körper und Welt, Innen und Außen, Ich und Anderem.

Abb.: Ausstellungsansicht ‚Fast eine Tonne‘, DG Kunstraum 2026, Foto: Gerald von Foris

Finissage mit Wolfrik Fischer
Donnerstag, 13. August 2026
18 bis 20 Uhr

Der DG Kunstraum lädt herzlich zur Finissage von ‚Fast eine Tonne: Atemraum‘ ein. Bei kühlen Getränken und Musik lassen wir die vergangenen Ausstellungswochen gemeinsam ausklingen.

Die Ausstellung ‚Fast eine Tonne: Atemraum‘ widmete sich dem Atmen als Ursprung und Grenze des Daseins. Unterschiedliche künstlerische Positionen setzten sich mit Luft, Atem und körperlicher Wahrnehmung auseinander und machten diesen meist unsichtbaren Prozess auf vielfältige Weise erfahrbar.

AUS-ATEM‘
Zum Abschluss der Ausstellung präsentiert Wolfrik Fischer eine besondere Klangperformance, die das Atmen – insbesondere das Ausatmen – in den Mittelpunkt stellt. Der interdisziplinäre Künstler arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnten im multimedialen Bereich und ist stets auf der Suche nach neuen Perspektiven. Er entwickelt ein musikalisches Ritual des Übergangs: Während das Einatmen den Auftakt der Ausstellung markierte und den Beginn eines Zyklus symbolisierte, wird das Ausatmen nun zum Moment des Loslassens – all dessen, was sich im Verlauf der vergangenen Wochen angesammelt hat.

Ausatmen lässt Altes zurück und schafft Raum für Neues – ohne Ausatmen ist kein weiteres Einatmen möglich. Die Besucher*innen der Finissage sind eingeladen, sich zu Beginn des Stückes aktiv zu beteiligen und gemeinsam mit Wolfrik Fischer den Atem als gemeinsames Medium der Erfahrung zu erkunden.

Ort: DG Kunstraum Diskurs Gegenwart, Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V., Finkenstraße 4, 80333 München

Abb. Ausstellungsansicht: ‚Fast eine Tonne: Atemraum‘
Abb. Kachel: Stefan Ehrlich, 2021

Vorschau
Erdanziehung
Judith Neunhaeuserer & Lukas Kindermann
in Kooperation mit dem Digital Art Space

Ausstellung von Fr, 18. September bis Do, 12. November 2026
Eröffnung Do, 17. September 2026

Die Ausstellung ‚Erdanziehung‘ bringt zwei künstlerische Positionen zusammen, die Schwerkraft als poetische wie physikalische Kraft verhandeln. Lukas Kindermann arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Natur und nutzt 3D-Duplikate, maschinelle Zeichnungen, Video und installative Setzungen, um scheinbar stabile Ordnungen ins Schweben zu bringen. In Vitrinen verknüpft der Künstler Archivalien sowie künstlerische Werke und schafft ein ungewöhnliches Narrativ.

Judith Neunhäuserer legt naturwissenschaftliche Ansätze und mythische Anteile unterschiedlicher historischer Kosmologien frei und arbeitet medienübergreifend mit Installation, Video, Zeichnung und Text. Ausgehend von Erdgeschichte, Expeditionen und geologischen Spuren fragt sie nach der Verletzlichkeit des Planeten und der zeitlichen Tiefe des Bodens, auf dem wir stehen. 

 In ‚Erdanziehung‘ begegnen sich Kindermanns spekulative Bildräume und Neunhäuserers forschende Materialstudien als dialogische Versuchsanordnung: Zwischen Fall und Schwebe, Gewicht und Leere, Vermessung und Fiktion entsteht ein Raum, in dem Schwerkraft als existenzielles Erfahrungsfeld neu verhandelt wird.

Programm
Eröffnung 
Donnerstag, 17. September 2026, 18 bis 21 Uhr
19:30 Uhr
Begrüßung und Einführung
Dr. Manuela Klauser, Vorstand DG
Benita Meißner, Kuratorin

Digital Art Space 
Eröffnung Do, 17. September 2026, 18 bis 21 Uhr
18:30 Uhr
Begrüßung und Einführung
Dr. Karin Wimmer

Ausstellungsrundgang
Dienstag, 6. Oktober 2026, 19 Uhr
Dienstag, 20. Oktober 2026, 19 Uhr

Open Art Munich
16. bis 18. Oktober 2026

Wissenschaft und Kunst im Dialog
mit Dr. Patrick Stoffel, Leuphana Universität Lüneburg
Studium der Literaturwissenschaften und Philosophie in Bochum, Bonn, Paris und Florenz. Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt »Urzeit und Umwelt« an der Universität Lüneburg
Freitag, 16. Oktober 2026, 19 Uhr

Lange Nacht der Museen
Samstag, den 17. Oktober 2026, von 18 bis 1 Uhr

Gespräch mit den Künstler*innen
Mittwoch, 28. Oktober 18 Uhr
mit Gang zum Digital Art Space

Finissage mit Musik
Donnerstag, 17. September 2026

Ort: Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V., Finkenstraße 4, 80333 München

Fast eine Tonne: Atemraum
Gruppenausstellung mit Performances
19. Juni bis 13. August 2026

Künstler*innen
Afra Dopfer
Carsten Fock
Alexander Gerner 
Janna Jirkova
Sara Mayoral Jimenez
Daiki Kimoto
Christoph Lammers
Jin Lee
Susanne Wagner
Benjamin Zuber

Lesung 
Eva-Maria Braun

Die Gruppenausstellung ‚ Fast eine Tonne. Atemraum‘ erforscht das Atmen als Ursprung und Grenze des Daseins durch künstlerische Setzungen. Jedes Einatmen ist ein Beginn, jedes Ausatmen ein Loslassen. Zeitgenössische Künstler*innen aus Bayern machen diesen unsichtbaren Prozess auf unterschiedliche Weise erfahrbar. Der Atem wird zum Denkraum, in dem Körper und Welt, Innen und Außen, Ich und Anderes unaufhörlich ineinander übergehen. Der Atem ist ein ewig währendes Symbol für Geist und Seele. Die antiken Götter machten damit Pygmalions Skulptur Galathea lebendig, auch in der Schöpfungsgeschichte hat Gott dem Menschen den Odem des Lebens eingehaucht, aber auch Buddha nutzte den Atem, um durch Meditation Erleuchtung zu erlangen. Atem ist auch eine Metapher für Vergänglichkeit, Leben und Tod – denn er kann erlöschen. Aber wie kann so etwas Flüchtiges, Feinmaterielles dargestellt werden?

Luft ist existenziell für alles Lebendige auf der Welt. Sie ist überall, dabei unsichtbar und flüchtig, buchstäblich nicht zu begreifen. Die Darstellung von Luft gehört spätestens seit der Renaissance zu den künstlerischen Herausforderungen. Ihr stellte sich besonders die Malerei. Luft als Werkstoff hingegen ist ein relativ junges Phänomen in der Kunst. Seit der Moderne streben Künstlerinnen die künstlerische Aneignung der Welt wie auch ihre Entgrenzung und Transformation an. Es erscheint deshalb nur folgerichtig, dass sie sich der Luft nicht nur als Idee, sondern auch als Material zuwandten. Luft wird nicht mehr nur als Wind, Wolken, Nebel, Dampf, Rauch oder Atem abgebildet, sondern bewusst als Medium eingesetzt. 

Die Ausstellung Fast eine Tonne. Atemraum wird von einem Begleitprogramm flankiert, das neben Einblicken in Atemmeditation und Bewegung auch den medizinischen Aspekt des ‚richtigen Atmens vorstellen wird. Das Team des DG Kunstraums lädt zu einem buchbaren Kinderworkshop ein und thematischen Führungen durch die Ausstellung.

Programm

Eröffnung
Donnerstag, 18. Juni 2026, 18 bis 21 Uhr
19 Uhr
Performance ‚Becoming‘
Alexander Gerner, Christoph Lammers, Jin Lee
19:30 Uhr
Begrüßung und Einführung
Dr. Uli Schäfert, Vorstand DG
Benita Meißner, Kuratorin

Atemmeditation 
Kurt Horz, Anmeldung unter info@dg-kunstraum.de
Freitag, 3./10./17. Juli 2026, 8:30 bis 10 Uhr

Wissenschaft und Kunst im Dialog
PD Dr. Hendrik Müller
Mi. 24. Juni 2026, 19 Uhr

DG Kunstpreis Verleihung an Susanne Wagner
Dienstag, 7. Juli 2026, 19 Uhr

Lesung und Aperó
Eva-Maria Braun
Samstag, 11. Juli 2026, 18 Uhr

Ausstellungsführung 
Dienstag, 22. Juli 2026, 19 Uhr
Dienstag, 4. August 2026, 19 Uhr

Finissage mit Musik
Donnerstag, 13. August 2026, 19 Uhr

Ort:
DG Kunstraum Diskurs Gegenwart
Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e.V.
Finkenstraße 4
80333 München

Öffnungszeiten:
Di. bis Fr. 12 bis 18 Uhr


Weitere Informationen finden Sie unter www​.dg​-kunstraum​.de. Bitte kontaktieren Sie uns bei Nachfragen zu Text- oder Bildmaterial telefonisch unter +49 89 282548 oder per E‑Mail unter presse@dg-kunstraum.de

Abb.1–8.: Ausstellungsansicht ‚Fast eine Tonne‘, DG Kunstraum 2026, Fotos: Gerald von Foris

Zeigt euch eure Wunde
Debatten um die Kunstfreiheit
Dokumentation

Im Rahmen der Veranstaltung ‚Zeigt euch eure Wunde. Debatten um die Kunstfreiheit‘ im Januar 2026 berichten Gäste aus Kunst, Wissenschaft, Politik und Kulturförderung von ihren beruflichen und persönlichen Erfahrungen mit der Kunstfreiheit.

Im ersten von zwei Podien kamen der Kunsthistoriker Dr. Wolfgang Ullrich, die Künstlerinnen Angela Stiegler und Cana Bilir-Meier sowie der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Christoph Möllers miteinander ins Gespräch.

Im zweiten von zwei Podien trafen die Künstlerin Melisa Kujević, Ralf Homann, Mitglied des Vorstands des Deutschen Künstlerbundes sowie der Münchner Stadtrat David Süß aufeinander.

Durch den gesamten Nachmittag führte Moritz Holfelder, Kulturjournalist, Autor und langjähriger Radioredakteur

Veranstaltet von der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst e.V. und dem BBK München und Oberbayern am 31. Januar 2026 in der Galerie der Künstler*innen in München.

Videoaufnahme und Schnitt: Yannic Kiefer

Website: https:/www.dg-kunstraum.de/

Instagram: https://​www​.instagram​.com/​d​g​_​k​u​n​s​t​r​a​um/

Im Taumel der Gegenwart – Fragmente der Hoffnung
DG Kunstraum 2026

Wir erleben eine Zeit, die gleichzeitig müde und aufgewühlt ist. Zwischen Krisen und Neubeginn, zwischen Rückblick und dem Drang nach vorn stellt sich eine einfache, aber grundlegende Frage: 

Wie wollen wir leben?

Die Ausstellungen 2026 im DG Kunstraum verbinden unterschiedliche künstlerische Positionen durch ein gemeinsames Nachdenken über Verantwortung, Fürsorge und Widerstandskraft. Sie fragen, wie Heilung aussehen kann und untersuchen, was wir dem Zerstörerischen entgegensetzen können.

Es geht nicht um große Parolen, sondern um kleine Verschiebungen: Care statt Kontrolle, Wertschätzung statt bloßer Bewertung, Verbundenheit statt Verwertung. Fragmente der Hoffnung meint nicht fertige Lösungen. Es meint Versuche und Skizzen eines neuen Miteinanders. 

Im Taumel der Gegenwart halten wir inne und suchen nach Formen von Zukunft.

Hab Mut, steh auf!‘
Performanceprogramm am Kiliansplatz
104. Katholikentag Würzburg

Maria Berauer…

…nimmt das Publikum auf eine eindringliche Reise rund um das Thema Mutterschaft mit. … „Maria, Maria, Maria…“ immer und immer wieder den eigenen Namen schreiben, mit roter Farbe auf weißem Tuch. Die Farbe enthält Menstruationsblut der Künstlerin, von ihren Freundinnen und deren Freundinnen. Eine Meditation über Identität, Sichtbarkeit und Sisterhood. 

Maria Berauer (*1982 ) lebt und arbeitet in München. Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Praxis ist der eigene Körper als Ressource für Selbstausdruck und Widerstand. In Performances, Videoinstallationen und Soundarbeiten wird dieser weibliche Körper zum Handlungs- und Erfahrungsraum an der Schnittstelle von biografischen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen nach Identität, Geschlechterrollen, Machtstrukturen und Tabus. Durch die unmittelbare Präsenz leiblicher und klanglicher Äußerungen bahnen sich Emotionen, Affekte, Unsagbares und implizites Wissen Wege und erzeugen spürbare Resonanzfelder. Seit ihrem Studium der Medienkunst an der Akademie der bildenden Künste München, der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und der Faculdad de Bellas Artes Granada, werden ihre Arbeiten international in unterschiedlichen Kontexten gezeigt. Sie ist Gründungsmitglied des Performance Kollektivs The Hercules and Leo Case und seit 2021 Stipendiatin der Erwin und Gisela von Steiner Stiftung in den Otto – Steidle – Ateliers München.

Judith Egger

…gestaltet eine performative Demonstrations-Aktion als Gründungsmitglied der fiktiven United Holobiontic Protection Alliance: In einer meist nonverbalen Manifest-Performance verleiht sie den Anliegen der Holobionten Ausdruck und wirbt für eine verantwortungsvolle, verbundene Beziehung zu allem Lebendigen. Das Motto ‚Hab Mut! Steh auf!‘ erscheint in diesem Kontext als besonders geeignet, da die Intention der Demonstrationsaktion darin besteht, einen künstlerischen Impuls zu setzen, der auf non-verbale, anarchische, ernste und zugleich humorvolle Weise aufrüttelt, berührt und Neugier weckt. Im Kern ihrer künstlerischen Auseinandersetzung steht die Frage danach, woher wir kommen, wie das Leben begann und was es ist, das alles Lebendige antreibt.

Egger (*1973) absolvierte eine Ausbildung zur Holzschnitzerin in Oberammergau und studierte Kommunikationsdesign an der FH Augsburg sowie am Royal College of Art in London. Unkontrolliertes organisches Wachstum, parasitäre Organismen und radikale Transformationsprozesse gehören zu ihren Forschungsgebieten – seit 2004 recherchiert sie unter anderem als Direktorin des parasitären Instituts für Hybristik und empirische Schwellkörperforschung die alles antreibende Lebenskraft, die Schwellkraft, die jedem Organismus innewohnt und die der Mensch in letzter Konsequenz nicht kontrollieren kann. Sie plädiert für eine neue Beziehung mit allem Lebendigen, welche nicht von Dominanz, Trennung und Unterwerfung geprägt ist, sondern vom Wissen über die gegenseitige Abhängigkeit und von tiefer Verbundenheit. Dabei bewegt sie sich mit Vorliebe in den Grenzbereichen von bildender Kunst, Installation und Performance. 

Ruth Geiersberger

…lädt Anwesende dazu ein mit dem ‚Andachtsquadrat‘, gemeinsam ins Schweigen zu finden und vom Zuhören ins bewusste Horchen überzugehen – gelegentlich begleitet von Tönen und Jodeln. „Was sollen wir tun und wohin tragen wir unsere Fragen?“ – Ein Zitat aus dem Gedicht von Hilde Domin, welches die Herangehensweise der Künstlerin einfängt. In ihrem einzigartigen Stil verbindet sie Performance, Gesang und Beobachtung, um eine Mischung aus Nachdenklichkeit, Traurigkeit, Wahnsinn, Humor und Schönheit zu schaffen.

Sie lebt und arbeitet in München. Performerin, Sprecherin, Schauspielerin, Beobachterin. Ausbildung in München, Berlin und Paris. Sie lenkt ihren Blick auf die kleinen Dinge des Lebens und entdeckt darin absurde Zusammenhänge. Seit vielen Jahren ist sie als umtriebige Performerin an den merkwürdigsten Orten anzutreffen. Seit 1990 entwickelt sie Projekte, die sie auch Verrichtungen nennt, im Bereich theatraler Performance und szenischer Installation, die sie mit Hilfe von Projektförderungen und Stipendien vor allem des Kulturreferates der LH München realisieren konnte und kann. 2023 ausgezeichnet mit dem Theaterpreis 2023 der Stadt München. www​.verrichtungen​.de

Béla Juttner

…verbindet in seiner Kunst den Werdegang als Tänzer, Choreograph und Modedesigner zu einer Art Gesamtkunstwerk. Thematisch setzt er sich in seinen Arbeiten mit Machtverhältnissen, gesellschaftlichen Strukturen und der Freiheit des Einzelnen auseinander. 

(*1997 in München ) Er absolvierte 2021 seinen Master in Modedesign an der Royal Academy of Fine Arts Antwerpen und schloss 2025 sein Kunststudium bei Peter Kogler in München ab. 2024 erhielt er den Leonhard-und-Ida-Wolf-Preis, 2025 den Debütantenpreis sowie den Preis Junge Kunst. Ausgestellt wurden seine Arbeiten u. a. in München, Belgien und Paris. In seiner künstlerischen Arbeit spielen Gattungsgrenzen kaum noch eine Rolle; die Übergänge von Installation, Performance, Mode, Design, Malerei und Film sind fließend. Seine Performances thematisieren Körperverwandlungen, Häutung und Auflösung von Geschlechtsidentitäten. Die Erfahrungen der Arbeit am und mit dem eigenen Körper durch seine Ballettausbildung sowie während des Modedesignstudiums verschränkt Béla Juttner in seinem Kunststudium mit gesellschaftlichen Fragestellungen.

Abb. 1–2: Maria Berauer, “Maria, Maria, Maria…“, 2026, Fotos: Team DG
Abb. 3–4: Judith Egger, Performance: United Holobiontic Protection Alliance, 2026, Fotos: Team DG
Abb. 5–6: Ruth Geiersberger, Andachtsquadrat, 2026, Fotos: Team DG
Abb. 7–8: Béla Jutter, Tanzperformance, 2026, Fotos: Team DG

Frank Bölter
Think Tank
Partizipatives Kunstprojekt am Kiliansplatz
104. Katholikentag Würzburg

Aus dem Geschützrohr dieses Panzers wird nie ein Schuss fallen. Nachdem 2012 auf dem Gelände der Bundeswehr in Dresden der erste Panzer „LeORIGAMIpard 3“ als Kunstprojekt gefaltet wurde, unterstützt vom Bundesministerium der Verteidigung, taucht nun erneut ein Panzer aus Papier auf. Die Idee dazu stammt von Frank Bölter, Jahrgang 1969, ehem. Absolvent der Kunstakademie Münster, mit einem Papierschiff bereiste er schon Seen und Flüsse. Zuletzt hat er beim 375. Augsburger Hohen Friedensfest 2025 mit vielen Menschen das Haus des Friedens gebaut. Nun lädt er im Rahmen des Katholikentags Passant*innen dazu ein gemeinsam einen Panzer zu falten und dabei ins Gespräch zu kommen.

Was können wir tun, außer nach Gründen zu suchen und Anlässe zu kreieren, uns wieder auf den Plätzen und auf den Straßen zu versammeln, um uns wieder in die Augen zu schauen, um uns gemeinsam kräftebündelnd zu fragen, ob es miteinander vielleicht ganz anders gehen kann und um dies dann ebenso einfach zu versuchen? So kann dieses waghalsige, beinah unmögliche Vorhaben, gemeinsam diesen Papierpanzer zu falten, nur helfen, uns wieder in die Augen zu blicken und miteinander zu reden, anstatt übereinander bereits alles zu wissen. 

Bestellen Sie einen Teil unseres Falt-Projekts ‚Think tank‘ zusammen mit einer Falt-Anleitung für einen Mini-Panzer nach dem Katholikentag. Mit etwas Glück finden Sie in Ihrem Umschlag auch einen kleinen persönlichen Gruß des Künstlers Frank Bölter – lassen Sie sich überraschen!

Abb. 1–2: Frank Bölter, Think Tank, 2026, Fotos: Team DG

Susanne Wagner
Schmerzpunkt
Kunstinstallation in Würzburg
104. Katholikentag Würzburg

Mit einer Vernissage am Kiliansdom ist am Donnerstag, 14. Mai, im Rahmen des 104. Deutschen Katholikentags die Kunstintervention Schmerzpunkt der Künstlerin Susanne Wagner eröffnet worden. Das Projekt wurde im Rahmen eines Kunstwettbewerbs des 104. Deutschen Katholikentags ausgewählt. Zahlreiche Besucher*innen und Vertreter*innen des lokalen Betroffenenbeirats, des ZdK sowie des Bistums nahmen an der Eröffnung teil. Die Künstlerin setzt sich in ihrem Werk mit sexualisierter Gewalt und dem Missbrauch geistlicher Autorität in der katholischen Kirche auseinander. Die Intervention versteht sich als eindrückliche Unterbrechung im Dienst einer aktiven Erinnerungskultur.

Die Installation arbeitet mit einem einfachen, eindrücklichen Bild: Ein roter Punkt markiert Schmerz. Er bleibt bewusst im Unbestimmten. So entsteht eine symbolische Verdichtung, die Raum für individuelle Erfahrungen lässt und zugleich die Kirche als Institution in die Verantwortung nimmt. Dort, wo zuvor ein Umhängekreuz angebracht war, bleibt eine Leerstelle zurück. Auf diese Weise wird sichtbar, was oft unsichtbar bleibt oder unsichtbar gemacht wird.

Schmerzpunkt versteht sich nicht als abgeschlossenes Kunstwerk, sondern als offene Intervention. Während des Katholikentags werden Schmerzpunkte als Hinterglasobjekte an Kirchen und Orten des Katholikentags in Würzburg sichtbar sein. Susanne Wagner: „Mir ist der dezentrale Charakter wichtig: Erinnerung und Verantwortung sind nicht an einen einzigen Ort gebunden. Zugleich wird die Verantwortung der Institution sichtbar.“

Das Konzept ist bewusst so angelegt, dass es weitergetragen werden kann – in Gemeinden, Einrichtungen mit dem jeweiligen konkreten Kontext. Für die Weiternutzung der Objekte nach dem Katholikentag haben sich bereits verschiedene Verbände und Gemeinden deutschlandweit gemeldet. „Meine Hoffnung ist, dass diese Intervention nicht elegant integriert wird in das große Narrativ vom Weg nach vorn. Denn der Schmerzpunkt bleibt. Vielleicht beginnt Trost genau dort: im Nicht-Wegsehen“, so Kai Christian Moritz, Mitglied des Arbeitskreises Kultur des 104. Deutschen Katholikentags und Betroffener.

Die Vernissage wurde einfühlsam von der Cellistin Milena Milatinova Ivanova musikalisch umrahmt.

Abb. 1 ‑3: Schmerzpunkte, Susanne Wagner, 2026, Fotos: Team DG