DG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum DiskursGegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs GegenwartDG Kunstraum Diskurs Gegenwart

Ausstellungen 2025

2025 verspricht ein Jahr voller inspirierender Begegnungen mit zeitgenössischer Kunst im DG Kunstraum. Die Ausstellungen greifen Themen der persönlichen und gesellschaftlichen Transformation auf, untersuchen das Zusammenspiel von Kunst, Architektur und Religion und stellen die Frage nach der Verantwortung des Menschen für seine Umwelt. Ein vielseitiges Begleitprogramm mit Führungen, Künstler*innengesprächen, Performances, Vorträgen sowie und Kinderworkshops bietet für jede und jeden etwas.

Das Jahr beginnt mit ‚Dazwischensein +’ (9.1.–16.1.2025), einer Präsentation der zeichnerischen Tagebücher von Manfred Mayerle. Mayerle, langjähriges Mitglied des DG Kunstraums, hat für das Jahresprogramm 2024 täglich eine Zeichnung angefertigt. Diese Momentaufnahmen dokumentieren Zeitgeschehen und persönliche Reflexionen gleichermaßen.

Ende Januar folgt mit ‚Himmelsstürmer’ (30.1.–27.3.2025) die siebte Ausgabe der Reihe ‚Doppelpass’. Die Künstler*innen Frenzy Höhne und Peter Kees reflektieren darin mit Humor und Gesellschaftskritik den Drang nach Wachstum und Fortschritt. Während Höhne in ihrer Installation ‚Bessermenschen-Babbel’ mit Porzellanfiguren und Werbeslogans das Ideal der Selbstoptimierung hinterfragt, zeigt Kees mit seiner monumentalen Flugzeugskulptur die Ambivalenz zwischen Aufbruch und Absturz. Parallel dazu widmet sich die Ausstellung ‚DG 33 bis 55’ auf der Empore der Geschichte des Vereins und seiner Rolle im Kunstgeschehen.

Im Frühjahr eröffnet die Ausstellung ‚Ressource, Research, Reset’ (10.4.–5.6.2025), eine Kooperation mit dem Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten der TU München. Im Mittelpunkt steht die architektonische Transformation sakraler Räume: Welche Strategien gibt es, Kirchenräume neu zu nutzen, und wie verändert sich ihre Wahrnehmung durch künstlerische Eingriffe?

Die Sommer-Ausstellung ‚Zunder und Zartheit’ (26.6.–18.9.2025) vereint unterschiedliche künstlerische Positionen von unseren männlichen Mitgliedern und verspricht einen spannenden Querschnitt zeitgenössischer Kunst. Während der Sommerpause vom 18. bis 29. August bleibt die Ausstellung geschlossen.

Den Abschluss des Jahres bildet die große Kooperation und Gruppenausstellung ‚Together Forever – Macht euch die Erde untertan?’ (9.10.–19.12.2025). Sie setzt sich mit dem menschlichen Einfluss auf die Umwelt auseinander und stellt die Frage, welche Verantwortung Kunst in Zeiten ökologischer und gesellschaftlicher Krisen übernehmen kann.

Mit diesem Programm laden wir 2025 erneut dazu ein, über Kunst neue Perspektiven auf Gegenwart und Zukunft zu gewinnen – und dabei ins Gespräch zu kommen, zu staunen und sich inspirieren zu lassen. 

Mit einer Mitgliedschaft in der DG können Sie das Programm aktiv unterstützen und profitieren von zahlreichen Vorteilen, darunter:

Eine exklusive Jahresgabe
Einladungen zu allen Veranstaltungen
Freier Eintritt in zahlreiche Kunstinstitutionen deutschlandweit (ADKV-Verbund)

Wir freuen uns auf ein spannendes Jahr und laden Sie ein, Teil dieses vielseitigen Programms zu sein. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Abb. 1: Ausstellungsansicht Dazwischensein + Manfred Mayerle, DG Kunstraum 2025, Foto: Gerald von Foris
Abb. 2: Plakat Dazwischensein +, Gestaltung: Bernd Kuchenbeiser
Abb. 3: Frenzy Höhne, Bessermenschen, 2024 © VG-Bild Kunst Bonn 2025 / Frenzy Höhne, Gestaltung: Bernd Kuchenbeiser
Abb. 4: Peter Kees, Liberté © VG Bild-Kunst Bonn 2025, Gestaltung: Bernd Kuchenbeiser
Abb. 5: Ausstellungsansicht Doppelpass VII – Himmelsstürmer, DG Kunstraum 2025, Foto: Gerald von Foris
Abb. 6: Katrin Schneyer, Pauline Ludwig, TUM
Abb. 8: Günter Nosch, Skizzenbuch 1992, Kreide, Tusche auf Papier, 16 x 22 cm
Abb. 9: Bruno Wank ‚Bienenwabenblume‘, Flos favi, Botanischer Druck, 2024
Abb. 10: Olaf Otto Becker, Point 660 2, Greenland 08/2008 
Abb. 11: Herman De Vries, Holy Days 2008, Detail

Mitgliederausstellung
Zunder und Zartheit
4. Juli bis 18. September 2025

Ausstellung von 4. Juli bis 18. September 2025
Sommerpause, 18. bis 29. August 2025

Mit der Ausstellung ‚Zunder und Zartheit‘ stellt der Kunstverein Werke ausgewählter Mitglieder verschiedener Generationen vor. Während die letzte Mitgliederausstellung ‚Notre Dame‘ ausschließlich Künstlerinnen gewidmet war, richten wir den Blick nun auf die männlichen Kollegen. Was bewegt sie? Wie reflektieren sie sich selbst in einer Kunstwelt, in der vieles im Umbruch ist?
In einer Zeit, in der feministische Debatten und Forderung nach Gleichberechtigung zum Alltag gehören, klingt es fast ein bisschen provokant, sich in einer Ausstellung nur auf Männer zu konzentrieren. Mit Beginn der Epoche von Sturm und Drang (1765 bis 1785) wurde der Mann als Genie und Urbild des höheren Menschen verherrlicht. Davon hat sich vor allem die Kunstwelt lange nicht erholt. Die Frau gebar die Kinder, der Mann gebar die Kunst. Aber lässt sich ‚männliche‘ Kunst von ‚weiblicher‘ unterscheiden? Jede*r Künstler*in drückt etwas anderes aus, je nach sozialem, politischem, kulturellem und wirtschaftlichem Kontext, in dem er oder sie aufgewachsen ist, je nach seinen oder ihren Erfahrungen.
Die Werke in der Ausstellung lassen sich nicht in einfache Kategorien pressen – sie sind poetisch, fragend, manchmal rau, manchmal sanft. Und vielleicht öffnen sie einen Raum für ein Gespräch, das wir so noch nicht geführt haben.

Friedrich Koller (*1939 in Salzburg) lebt und arbeitet in Laufen, Oberbayern. Bereits 1956 wurde er an der Akademie der Bildenden Künste in München aufgenommen. Er studierte bei Prof. Josef Henselmann. Kollers Werke entwickeln sich oft aus Ur- bzw. Grundformen wie Würfel und Zylinder. Koller hat in seinem künstlerischen Schaffen rasch die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils Anfang der sechziger Jahre umgesetzt, die eine neue Liturgie einführten und dies insbesondere mit der Schaffung von ‚Volksaltären‘ zum Ausdruck brachten.
In der Ausstellung wird die Skulptur ‚Up and Down‘ präsentiert. Es handelt sich um einen runden, metallenen Tisch mit vier Stühlen. Auf der Tischplatte erhebt sich eine Skulptur, die aus fünf übereinander gestapelten Würfeln besteht, deren Boden durch Treppenstufen erreichbar sind. Der Künstler versteht diese Skulptur als ein Angebot für Kommunikation. Die beiden Werke ‚Schiffstein‘ sowie ‚Treibholz aus dem Mittelmeer‘, erworben von der Heilig-Kreuz-Kirche in München als Vortragskreuz, widmen sich der anhaltenden Flüchtlingskatastrophe. Das ins Paddel eingefräste Symbol des Kreuzes weist den Weg der Menschlichkeit und erinnert uns an die Not derer, die im Mittelmeer ihr Leben gelassen haben.

Manfred Mayerle (*1939 in München) lebt und arbeitet in München, in der Jachenau und Establiments, Mallorca. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste von 1959 bis 1964 bei Josef Oberberger, Hermann Kaspar und Anton Marxmüller. 1963 wurde er Meisterschüler und legte in der Folge das 1. und 2. Staatsexamen ab, er war Assistent und Lehrbeauftragter. Mayerle ist seit 1970 freischaffender Bildender Künstler. Er ist Mitglied im Deutschen Werkbund, Mitglied im Baukunstausschuss sowie im Kuratorium der Bayerischen Einigung.
Der Ausgangspunkt seiner Arbeiten war anfangs das Gegenständliche, die Figur, der Torso. Über die Jahre hat sich die Linie zunehmend verselbständigt und ist seit Beginn der 1990er-Jahre neben der Farbe sein zentrales Thema. Manfred Mayerle arbeitet kontinuierlich an unterschiedlichen Serien, die mit den Orten an denen sie entstehen verbunden sind. Die für die Ausstellung ausgewählten ‚Aschequadrate‘, aus dem Zeitraum von 1988 bis 2025, sind alle auf Mallorca entstanden. Der Künstler siebt die Asche und vermischt diese mit Pigmenten und Acryl. Die ersten Arbeiten entstanden aus Asche verbrannter, noch gegenständlicher Werke.

Günter Nosch (*1956 in Ulm) lebt und arbeitet in Weilheim, Oberbayern. 1987 absolvierte er sein Diplom an der Akademie der Bildenden Künste in München. Sein „spielerisches Verhältnis zur Sprache“ (Nosch) reicht bis in seine künstlerischen Anfänge zurück, als er sich mit der Konkreten Poesie beschäftigte, ehe er sich einer gestischen Malerei zuwandte. Mit Farbe und Rakel schuf er in einem kontemplativen, nahezu kalligraphischen Prozess ungegenständliche Kompositionen, die zugleich die Farbe und deren Struktur als Spuren dieses Prozesses untersuchten. Seit einigen Jahren nun widmet er sich schwerpunktmäßig der dinglichen Welt und deren Verbindung mit Sprache.
In der Ausstellung sind zwei Vitrinen zu sehen: die eine zeigt eine Auswahl künstlerischer Tagebücher, die die Sprache verhandeln, in der zweiten wird eine neue Werkserie mit Schriftsetzungen auf weißen Porzellantellern erstmalig vorgestellt.

Peter Paul Rast (*1952 in Aigeltshofen/Isny i.A.) lebt und arbeitet in München, Oberbayern. Von 1973 bis 1975 studierte er Kunstgeschichte und Philosophie an der LMU München. Ab 1975 bis 1981 war er an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Prof. Dr. Thomas Zacharias. 1981 schloss er sein Kunststudium mit dem 1. Staatsexamen und 1984 folgte das 2. Staatsexamen und danach langjährige Unterrichtstätigkeit unter anderem an der Akademie für Gestaltung und Design.
Peter Rast präsentiert erstmalig ein Werkkomplex aus Fotografien mit dem Titel ‚Feldbett und Rosen‘. Die Videoarbeit zeigt den Text des Gedichtes ‚Heidenröslein‘ (1789) von Johann Wolfgang von Goethe sowie eine musikalische Interpretation von Franz Schuhbeck des von Franz Schubert komponierten Volkslieds (1815). Der Text begleitet verschiedene Situationen, die der Künstler im Atelier inszeniert. Zu sehen ist vor allem ein Feldbett in militärischem Tarnstoff. Die beklemmende Atmosphäre der Videoarbeit und der musikalischen Interpretation entlarven die zugrundliegende Gewalt des vordergründig romantischen ‚Heidenrösleins‘ von Goethe und Schubert. Der neue Charakter der Musik in der hinzugefügten vierten Strophe lädt ein, den Text neu zu schreiben.

Camill von Egloffstein (*1988 in München) lebt und arbeitet in München. Er studierte von 2010 bis 2013 Kunstgeschichte und Kunstpädagogik an der LMU München. Von 2013 bis 2020 studierte er an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Franz Wanner, bei Prof. Jorinde Voigt und ab 2017 bei Prof. Olaf Metzel. Dort wurde er 2020 Meisterschüler. Seine ortsbezogenen Arbeiten untersuchen die Spannung von Raumstruktur und Materialität. Neben Ausstellungsbeteiligungen in München stellte er bislang auch international in Budapest, Wien und Tel Aviv aus.
Für die Ausstellung entstehen drei neue großformatige Messermalereien, die sich mit dem Thema der männlichen Seilschaften beschäftigen. Dabei sind nicht die Seilschaften gemeint, die durch ein Kletterseil verbunden sind, sondern Männer, die sich gegenseitig stützen um ihr berufliches Vorankommen zu sichern. Vom Egloffstein nutzt die Technik der Papierintarsie, um zwei malerische Motive miteinander zu verweben.

Bruno Wank (*1961 in Marktoberdorf) lebt und arbeitet in Görisried und München. Er studierte Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München, wo er 1992 als Meisterschüler bei Olaf Metzel abschloss. Wank war langjähriger Leiter der Studienwerkstätte für Bronzeguss und Vizepräsident der Akademie. Zudem lehrte er an der Helwan-Universität in Kairo und war Kommissionsmitglied des Kunst-am-Bau-Programms QUIVID der Stadt München.
Es werden zwei Werkgruppen präsentiert, die unterschiedliche Facetten seines künstlerischen Schaffens aufzeigen. Die drei Pastellzeichnungen wurden vom Künstler in einem experimentellen Ansatz gezeichnet: beidhändig und mit geschlossenen Augen. Die Zeichnungen spiegeln seine intuitive Geste wider, in der sich Unsicherheit und innere Bewegung visuell verdichten. Den Raum dominieren drei überlebensgroße schwarze Figuren aus der neunteiligen Serie ‚Allies‘. Die Skulpturen wirken wie Wächter, die in stummer Einigkeit miteinander verbunden sind – eine Art fragile Seilschaft. Ihre Form basiert auf kleinen, handtellergroßen Wachsfiguren, die Wank in der Hand modellierte. Diese wurden mithilfe von 3D-Technik um ein Vielfaches vergrößert, im Sanddruckverfahren hergestellt und mit Epoxidharz gehärtet. Trotz ihrer massiven Präsenz bleibt die Geste der Hand, ihr Ursprung im Haptischen, spürbar.


Eröffnung 
Donnerstag, 3. Juli 2025, 18 bis 21 Uhr (sic!)
19 Uhr
Begrüßung und Einführung
Dr. Ulrich Schäfert, 1. Vorsitzender
Benita Meißner, Kuratorin

Öffnungszeiten zum Open Art Gallery Weekend
Freitag, 4. Juli 2025, 12 bis 18 Uhr
Samstag, 5. Juli 2025, 11 bis 18 Uhr, Rundgang 5 mit Sibylle Oberschelp 14 bis 16 Uhr
Sonntag, 6. Juli 2025, 11 bis 18 Uhr

Programm zum Open Art Gallery Weekend:
Meet The Artist
Programm Meet the Artist:
Freitag, 4. Juli 2025
15 bis 17 Uhr Manfred Mayerle

Samstag, 5. Juli 2025
12 bis 13 Uhr Friedrich Koller
15 bis 16 Uhr Bruno Wank & Peter Paul Rast

Sonntag, 6. Juli 2025
13 bis 14 Uhr Günter Nosch
15 bis 16 Uhr Peter Paul Rast
16 bis 17 Uhr Camill von Egloffstein

Sonntag, 6. Juli 2025, 12 Uhr
‚Outline‘
Musikalische Performance
Studentinnen des Fachs Konzertdesign (Klasse: Hanni Liang, Hochschule für Musik und Theater München) mit Mira Foron, Sophia Nussbichler, Hanyu Xiao, Jana Förster, Emma Longo Valente

Lyrik-Abend mit Pauline Fusban
Donnerstag, 17. Juli 2025, 19 Uhr

Künstlergespräch
Dienstag, 16. September 2025, 19 Uhr

Finissage mit Musik
Udo Schindler (Blasinstrumente) mit Ardhi Engl (selbstgebaute Instrumente)
Donnerstag, 18. September 2025, 19 Uhr

Mit freundlicher Unterstützung des Bezirk Oberbayern und des Vereins Ausstellungshaus für christliche Kunst e.V., München.

Abb. 1–15: Ausstellungsansichten ‚Zunder und Zartheit‘, DG Kunstraum 2025, Fotos: Gerald von Foris
Abb. 16: Poster Zunder und Zartheit, Gestaltung: Bernd Kuchenbeiser

Ausstellung
Dazwischensein +
Manfred Mayerle
10. bis 16. Januar 2025

Dazwischensein +

Manfred Mayerle
Zeichnerische Tagebücher

Eröffnung Donnerstag, 9. Januar 2025
Ausstellung bis Donnerstag, 16. Januar 2025

Im Jahr 2024 setzte ‚Dazwischensein’ den gedanklichen Überbau für neun kurze, künstlerische Einzelpräsentationen, die dieses große Thema in seinen verschiedenen Aspekten untersuchten. Das Jahresprogramm wurde von einem aufwendig gestalteten Kalender angekündigt und begleitet. Der Münchner Künstler Manfred Mayerle, langjähriges Mitglied des Kunstvereins, ließ sich von diesem Druckprodukt dazu inspirieren ein neues Zeichenbuch zu initiieren und füllte dieses täglich mit einer Zeichnung. Die Vielfalt der Arbeiten wird durch ein Video ablesbar, welches durch den Kalender und die Zeichnungen des vergangenen Jahres führt.

Das tägliche, kontinuierliche Zeichnen im kleinen Format ist Ausgangspunkt und Grundlage für viele seiner Arbeiten. So verfasst der Künstler schon immer auch zeichnerische Tagebücher. Akribisch hält er sich dabei an die von ihm gewählten Vorgaben zu Uhrzeit, Format oder Medium. Im DG Kunstraum wird eine Auswahl dieser Bücher einsehbar sein. Diese Präsentation wird gerahmt von der Werkserie ‚Kaiser Suite‘ an der Manfred Mayerle ebenfalls seit vielen Jahren arbeitet.

Anfangs war der Ausgangspunkt der Zeichnungen das Gegenständliche, die Figur, der Torso. Über die Jahre hat sich die Linie zunehmend verselbständigt und ist seit Beginn der 1990er-Jahre neben der Farbe sein zentrales Thema. Oft sind die Serien mit den Orten an denen sie entstehen verbunden und über die Titel noch ablesbar, wie zum Beispiel ‚Im Ziebland‘, sein Münchner Wohnort, oder ‚Djerassy‘ die während eines Studienaufenthalts in der Djerassy Foundation in Kalifornien entstanden sind.

Manfred Mayerle (*1939 in München) lebt und arbeitet in München, in der Jachenau sowie auf Mallorca. Nach seiner Jugend in München studierte er an der Akademie der Bildenden Künste München, wo er als Meisterschüler, Assistent und von 1965 bis 1969 als Lehrbeauftragter tätig war. Studienaufenthalte führten ihn unter anderem nach Florenz, New York und Mexiko. Seit 1970 arbeitet Mayerle als freischaffender Bildender Künstler. Seine Werke befinden sich unter anderem in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München. Sein vielseitiges Œuvre umfasst Zeichnungen, Malerei und Arbeiten im Kontext von Architektur und bewegt sich im Spannungsfeld zwischen freier künstlerischer Tätigkeit und raumbezogenen Projekten. Mayerles zeichnerisches und malerisches Werk entwickelte sich von den figurativen und erzählerischen Inhalten der 1960er-Jahre hin zu Körpern und Torsi, die in den 1980er- und 1990er-Jahren zunehmend abstrakter wurden. Darauf folgten farbige, grafische Zeichnungen, Bildkörper und Architekturinterpretationen, bei denen die Auseinandersetzung mit Linie, Farbe und Strukturen im Mittelpunkt steht.

Programm
Eröffnung mit Neujahrsempfang
Donnerstag, 9. Januar 2025, 18 bis 21 Uhr
19 Uhr
Begrüßung
Dr. Ulrich Schäfert
Einführung in die Ausstellung
Benita Meißner

Abendöffnung
Donnerstag, 16. Januar 2025, bis 20 Uhr

Mit freundlicher Unterstützung des Vereins Ausstellungshaus für christliche Kunst e.V., München.

Hier geht es zur Jahresprogramm Kalenderpublikation Dazwischensein.

Abb.: Ausstellungsansichten Dazwischensein + Manfred Mayerle, DG Kunstraum 2025, Fotos: Gerald von Foris

Schöne Ferien
Sommerpause
18. bis 29. August 2025


Liebe Freund*innen und Kunstinteressierte,

wir verabschieden uns im August in die Sommerpause und freuen uns, Sie und Euch im September in der DG Mitgliederausstellung ‚Zunder und Zartheit‘ wieder zu begrüßen.

SAVE THE DATE

Di, 16.9.2025, 19 Uhr
Künstlergespräch und Katalogpräsentation ‚Dazwischensein‘

Do, 18.9.2025, 19 Uhr
Finissage mit Musik
Udo Schindler (Blasinstrumente) mit Ardhi Engl (selbstgebaute Instrumente)

Wir wünschen Ihnen und Euch eine erholsame Sommerzeit und freuen uns auf ein Wiedersehen im Herbst!

Das DG Kunstraum Team

Wir sind immer und überall …dazwischen‘
DG Kunstraum bei der
 7. KloHäuschen Biennale
13. Juli bis 3. August 2024

DG Kunstraum X 7. KloHäuschen Biennale 2024

Eröffnung
Samstag, 13. Juli 2024, 20 Uhr
Beim KloHäuschen, Thalkirchner Str. 81, München

Künstler*innen:
Michael von Brentano
Judith Egger
Katharina Gaenssler
Susanne Hanus
Lioba Leibl
Werner Mally
Sabine Straub

Kuratorin:
Benita Meißner

Dazwischensein wollen wir als Möglichkeit begreifen, mehr zu sehen und verschiedene Sichtweisen gleichzeitig in sich zu erfassen. Die Künstler*innen im Vorstand des Kunstvereins haben einen Moment des Dazwischenseins auf den Kacheln festgehalten.

Von Brentano präsentiert eine in Epoxydharz festgehaltene Komposition angefressener Lorbeerblätter. Es ist ein Spiel zwischen Körper und Nichtkörper, Zufall und Spuren des Lebens. Judith Egger spielt mit Unkontrolliertem organischen Wachstum: Auf ihrer Kachel trohnt eine Collage aus organisch-anmutenden Elementen. Aus zwei fingerförmigen Ausstülpungen ergießen sich Flüssigkeiten. Katharina Gaenssler zeigt eine authentische Momentaufnahme. Die Arbeitsebenen des Computers entsprechen den vielen unterschiedlichen Projekten und Aufgaben eines Tages. Susanne Hanus verknüpft das in die Kachel geritzte Bild einer Figur mit ihren typischen Verstrickungen aus roten und grünen Wollfäden. Die Figur befindet sich in einem Spiel aus haltenden Verbindungen und einem Balanceakt. Lioba Leibl schafft einen komplexen zerklüfteten Raum, der sich aus aktuellen Themen der Zeit aufbaut und sich der Idee des Mengerschwamms, einer Figur der fraktalen Geometrie, annähert. Werner Mally hält mittels tschechisch-deutschen Tagebuchnotizen seine künstlerischen Aktivitäten in einem 10-tägigen Zeitraum fest. Sabine Straub rückt der Kachel zu Leibe und verändert ihre Oberfläche, verlängert die 2D Fläche in die Tiefe durch Rillen und füllt diese mit Gips wieder auf.

www​.das​-klohaeuschen​.de
www​.kh​-biennale​.world 

Zu den Künstler*innen
Michael von Brentano (*1960 in Augsburg) lebt und arbeitet in Seeshaupt. Nach seiner Ausbildung zum Schreiner absolvierte er 1984 bis 1990 das Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Hans Ladner. Zwischen 1997 und 2018 war von Brentano Fachlehrer für Bildhauerei an Schulen für Holz und Gestaltung in Garmisch–Partenkirchen. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Installation, Skulptur und Interventionen im öffentlichen Raum. Immer wieder geht es in seinen Arbeiten auch um die Rezeption von Natur. Von Brentano fügt Polaritäten des Lebens zusammen: Das Innen des Organs, des Sinns, des Glücks, als künstlich gestaltetes Gebilde mit dem Außen der Welt, der Natur, dem Gewachsenen. Er konserviert Vergangenes und stellt es in neuem Zusammenhang in die Gegenwart.
https://​www​.michaelvonbrentano​.com

Judith Egger (*1973) lebt und arbeitet in München. Egger absolvierte eine Ausbildung zur Holzschnitzerin in Oberammergau und studierte Kommunikationsdesign an der FH Augsburg sowie am Royal College of Art in London. Unkontrolliertes organisches Wachstum, parasitäre Organismen und radikale Transformationsprozesse gehören zu ihren Forschungsgebieten – seit 2004 recherchiert sie unter anderem als Direktorin des parasitären Instituts für Hybristik und empirische Schwellkörperforschung die alles antreibende Lebenskraft, die Schwellkraft, die jedem Organismus innewohnt und die der Mensch in letzter Konsequenz nicht kontrollieren kann.
https://​www​.judithegger​.de

Katharina Gaenssler (*1974 in München) lebt und arbeitet in München. Nach einer Ausbildung zur Silberschmiedin studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste in München. Ihre Arbeiten werden international gezeigt. Gaenssler erhielt den Bayerischen Kunstförderpreis für Bildende Kunst, das USA-Reisestipendium des Bayerischen Staatsministeriums und ein Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds, Bonn. Von 2013 bis 2015 lehrte sie im Rahmen einer Gastprofessur an der HFBK Hamburg.
http://​www​.katharinagaenssler​.de

Susanne Hanus (*1975 Berlin) lebt und arbeitet in Penzberg. Von 1996 bis 2002 studierte sie Malerei, Grafik und Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, der Hochschule der Künste Berlin und der Glasgow School of Art in Schottland. Nach dem Diplom war sie von 2002 bis 2004 Meisterschülerin von Prof. Martin Honert an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. 2008 erhielt sie den Leonhard und Ida Wolf Gedächtnispreis München und 2009 die Debütant*innenförderung des BBK München. Hanus arbeitet konzeptuell, aber auch mit den Medien Holzschnitt, Zeichnung und Installation.
https://​www​.susannehanus​.de

Lioba Leibl (*1960 Straubing) lebt und arbeitet in Hebertshausen, München. Von
1981 bis 1987 studierte sie Bildhauerei bei Prof. Hubertus von Pilgrim und Prof. Sir Eduardo Paolozzi an der Akademie der Bildenden Künste München sowie Ethnologie von 1984 bis 1989 an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1989 erhielt sie ihr Diplom an der Akademie der bildenden Künste München.
http://​www​.liobaleibl​.de

Werner Mally (*1955 in Karlovy Vary, CZ) lebt und arbeitet in München. Von 1975 bis 1980 studierte er visuellen Kommunikation an der FHS München. Von 1980 bis 1984 studierte er Bildhauerei an den Akademie der bildenden Künste München sowie von 1984 bis 1985 an den Akademie der bildenden Künste Wien. 1987 erhielt er sein Diplom an der Akademie der bildenden Künste München.
http://​www​.wernermally​.de

Sabine Straub (*1963 in Köln) lebt und arbeitet in München. Von 1984 bis 1988 studierte sie an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien.1987 studierte sie an der School of Art, Architecture and Design (vormals St. John Cass) in London. Von 1988 bis 1991 studierte sie an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim. Mit einem Auge die spontane Skizze, mit dem anderen den räumlichen Kontext im Blick, so entwickelt sie meist großformatigen Skulpturen. Die Transformation von der Idee zum gültigen Werk ist fließend. Das Wachsen der Objekte erscheint wie eine Metamorphose über viele, manchmal völlig überraschende Stadien. Der architektonische Kontext entscheidet immer wieder neu über Material, Dimension und Form.
http://​sabinestraub​.com

Abb 1–2: Ausstellungsansichten KloHäuschen Biennale 2024, Fotos: Stefan Hagen
Abb 3: Ansicht Kacheln vom Vorstand der DG, Foto: Daniela Lange

Ausstellung
Dazwischensein 9
Cana Bilir-Meier
15. November bis 12. Dezember 2024

Dazwischensein 9
Cana Bilir-Meier
(Möglichkeitsraum)

Cana Bilir-Meier
Talya Feldman
Yulia Lokshina
Initiative in Remembrance of Yaya Jabbi
(Filmprogramm)

Ausstellung von 15. November bis 12. Dezember 2024

Programm
Eröffnung mit Performanceprogramm
Donnerstag, 14. November 2024, 18 bis 21 Uhr
19 bis 20 Uhr
Begrüßung und Einführung in die Ausstellung, Benita Meißner
Performatives Programm:
Cana Bilir-Meier (Einführung)
İlayda Akbaba (Spoken Word)
Serdar Yolcu (Tanz)
Sezgin İnceel (Gitarre, Gesang) & Sasha Agranov (Cello)
Nihan Devecioğlu (Gesang) & Sasha Agranov (Cello)

Tanzworkshop mit Serdar Yolcu
Mittwoch, 20. November 2024, 16 bis 17.30 Uhr
Cana Bilir-Meier im Gespräch mit Serdar Yolcu, 18 Uhr

Künstleringespräch
Cana Bilir-Meier im Gespräch mit Simon Biallowons
Dienstag, 26. November 2024, 19 Uhr

Abendöffnung
Donnerstag, 12. Dezember 2024, bis 20 Uhr

Im Jahr 2024 setzt ‚Dazwischensein’ den gedanklichen Überbau für neun kurze, künstlerische Einzelpräsentationen, die das Thema in seinen verschiedenen Aspekten untersuchen. Dazwischensein kann ein Gedanke, Zustand oder auch ein Gefühl sein. Wir wollen Dazwischensein als Möglichkeit begreifen, mehr zu sehen und verschiedene Sichtweisen gleichzeitig in sich zu erfassen.

Cana Bilir-Meier stellt das vermeintlich Normale in Frage und schafft mit ihrer Arbeit einen frischen Blick auf festgefahrene Gewohnheiten. So ist ihre erste künstlerische Handlung im DG Kunstraum den Möglichkeitsraum und den Diskursraum zu tauschen. Mittels eines Stempels kreiert sie eine großformatige Wandarbeit, die auf dem Symbol der Gemeinschaftsstruktur alevitischer Familien basiert, aber weit darüber hinaus erfahrbar macht, wie wir als Individuen über Familien, Freund*innen mit so vielen Menschen in Beziehung sind. In ihrer Bespielung des Möglichkeitsraumes erinnert sie das türkische Theaterstück ‚Düşler Ülkesi‘ (Land der Träume), welches am Theater der Jugend in München 1982 uraufgeführt wurde. Im Stück werden Alltagserfahrungen, Hoffnungen und Wünsche von migrantisierten Menschen in Deutschland betrachtet. Die Mutter der Künstlerin, Zühal Bilir-Meier, gründete in den 1980er Jahren gemeinsam mit Erman Okay, dem Autor des Theaterstückes, das Türkische Theater München. Die Aufführungen von ‚Düşler Ülkesi‘ fanden großen Anklang und das Stück wurde weit über die Grenzen Münchens gezeigt und besprochen.

Die Arbeit Cana Bilir-Meiers mit Bild- und Archivmaterialien aus familiärem Bestand ist ein Erinnern-Wollen, das zugleich den Weg, die Arbeit an der Erinnerung und den Umgang mit ihr offenlegt. Wie können wir unsere eigenen Geschichten erzählen und weiterschreiben durch Gedichte, Körperbewegungen, Rituale, Tanz und Musik? Lässt sich Erinnerung im Körper speichern und wie können wir diese an die nächsten Generationen weitergeben? Wie auch im Biennale Beitrag ‚Monument eines unbekannten Menschen‘ von Ersan Mondtag geht es um die Offenlegung der Wunden in der Vergangenheit ihrer Familien und die Frage, wie sich Versöhnung erreichen lässt. Auch Bilir-Meier involviert andere Menschen, mit ähnlichen Familiengeschichten, um die Installation zu aktivieren. Im Filmprogramm wird auf Anregung der Künstlerin ‚The Life of Yaya Jabbi’ gezeigt, ein Film der in Form von animierten Zeichnungen das Leben eines jungen Schwarzen Mannes erzählt, der durch Polizeigewalt in Hamburg umgekommen ist.

Auf Einladung der Künstlerin werden zur Eröffnung Münchner Akteuer*innen Sasha Agranov, İlayda Akbaba, Nihan Devecioğlu, Sezgin İnceel und Serdar Yolcu in unterschiedlichen Performances mittels Spoken Word, Tanz, Musik und Sound ihre Perspektiven auf das Erinnern, Resilienz und das Nicht-Vergessen-Lassens mit dem Publikum teilen.

Cana Bilir-Meier (*1986 in München) lebt und arbeitet in München und Wien. Sie studierte Kunst und Digitale Medien sowie Film und Kunstpädagogik an der Akademie der bildenden Künste in Wien und an der Sabancı-Universität in Istanbul. Sie arbeitet als Filmemacherin und Künstlerin sowie in Kunst- und Kulturvermittlungsprojekten. Ihre filmischen, performativen und textbasierten Arbeiten bewegen sich an den Schnittstellen zwischen Archivarbeit, Textproduktion, historischer Forschung, zeitgenössischer Medienreflexivität und Archäologie. Sie ist Mitbegründerin der Initiative zum Gedenken an Semra Ertan und Co-Herausgeberin des Gedichtbandes „Mein Name ist Ausländer – Benim Adım Yabancı“. 2021 war sie Vertretungsprofessorin für Kunstpädagogik an der Akademie der Bildenden Künste München.

Gesprächspartner: Simon Biallowons (*1984) ist studierter Philosoph, Journalist und Buchautor. Als Reporter war er weltweit tätig, seine Bücher beschäftigen sich in erster Linie mit philosophischen und religiös-spirituellen Themen. Er arbeitete als Korrespondent in Rom, lebte im Nahen Osten und berichtete als Reporter für verschiedene Medien aus vielen Ländern. Biallowons ist Verfasser mehrerer Bestseller und derzeit Geschäftsführer und Cheflektor des Herder Verlages.

Talya Feldman (*1990, Denver, Colorado) ist eine zeitbasierte Medienkünstlerin aus Denver, Colorado. Sie erwarb einen BFA an der School of the Art Institute of Chicago und ist derzeit Doktorandin an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Sie hat in Chicago, New York, Hamburg, Halle (Saale), Frankfurt und Berlin ausgestellt. Feldman wurde 2021 mit dem DAGESH-Kunstpreis für ihre Klanginstallation ‚The Violence We Have Witnessed Carries a Weight on Our Hearts‘ im Jüdischen Museum in Berlin ausgezeichnet und hat für ihre Projekte gegen rechten Terror in Zusammenarbeit mit aktivistischen und forschungsbasierten Netzwerken weltweite Anerkennung erhalten.

Yulia Lokshina (*1986 in Moskau, Russland) studierte Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Ihre Film- und Videoarbeiten beschäftigen sich mit der Interferenz sozialer Umgebungen und ihrer Protagonist*innen. Ihr Abschlussfilm – gleichsam künstlerisches wie politisches Projekt – ‚Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit‘ befasst sich mit Leiharbeit und Arbeitsmigration aus dem europäischen Osten in Deutschland, Fragen der gesellschaftlichen Teilhabe und des Klassenbewusstseins und wurde mit dem Max Ophüls Preis für den besten Dokumentarfilm 2020 ausgezeichnet. Ihre Arbeit fragt kritisch: Wie sprechen wir über Dinge, die uns angehen? Wer trägt für was Verantwortung? Was wird zu einem Thema? Sie arbeitet im Grenzbereich von Film und Wissenschaft am Forum Internationale Wissenschaft Bonn, sowie in offenen Formationen mit befreundeten Künstler*innen.

Initiative in Remembrance of Yaya Jabbi: Die Initiative in Gedenken an Yaya Jabbi setzt sich für eine lückenlose Aufklärung der Umstände seines Todes ein und fordert aktives Erinnern, öffentliche Wahrnehmung und Anerkennung des Todes von Yaya Jabbi ein und setzt sich zusammen aus Freund*innen und Familie von Yaya Jabbi und Aktivist*innen aus verschiedenen antirassistischen und antifaschistischen Zusammenhängen.

Dazwischensein ist ein Projekt in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem Urner Institut Kulturen der Alpen und der Stiftung Lucerna. Mit freundlicher Unterstützung der Curt Wills-Stiftung und der Förderung des Vereins Ausstellungshaus für christliche Kunst e.V., München. Das Projekt wurde ermöglicht durch das Förderprogramm BBK – Verbindungslinien aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Die Ausstellungsarchitektur wird in Kooperation mit der treibgut Materialinitiative erstellt.

Abb 1 bis 8.: Ausstellungsansichten Dazwischensein 9 – Cana Bilir-Meier, DG Kunstraum 2024, Fotos: Gerald von Foris
Abb. 9: Poster Dazwischensein 9 – Cana Bilir-Meier, Gestaltung: Bernd Kuchenbeiser

Ausstellung
Dazwischensein 8
Judith Egger
11. Oktober bis 7. November 2024

Dazwischensein 8
Judith Egger
(Möglichkeitsraum)

Mareike Bernien & Alex Gerbaulet
Minhye Chu
kuratiert von Fabian Hesse & Mitra Wakil
(Filmprogramm)

Ausstellung von 11. Oktober bis 7. November 2024

Programm
Eröffnung
Donnerstag, 10. Oktober 2024, 18 bis 21 Uhr
Einführung 19.30 Uhr

Künstleringespräch
Judith Egger im Gespräch mit Roland Wenninger
Donnerstag, 17. Oktober 2024, 19 Uhr

Finissage mit Musik

Magdalena Geiger und Lukas Schrüfer im Duo mit Hackbrett und Klarinette
Donnerstag, 7. November 2024, 19 Uhr

Im Jahr 2024 setzt ‚Dazwischensein’ den gedanklichen Überbau für neun kurze, künstlerische Einzelpräsentationen, die das Thema in seinen verschiedenen Aspekten untersuchen. Dazwischensein kann ein Gedanke, Zustand oder auch ein Gefühl sein. Wir wollen Dazwischensein als Möglichkeit begreifen, mehr zu sehen und verschiedene Sichtweisen gleichzeitig in sich zu erfassen.

In Dazwischensein 8 lädt Judith Egger dazu ein, den Möglichkeitsraum ganz neu zu erfahren. Über die Installation ‚Hemdchen‘ von Bettina Khano findet man Zugang zu einem niedrigen Gang, der in eine künstliche Höhle mit kleinen Nischen führt, die Wände sind im Halbdunkel nur schwer zu sehen. Es riecht nach Erde und getrockneten Blättern. Die Künstlerin hat die Nischen mit verschiedenen Videoarbeiten bestückt. Wir entdecken mit Licht gezeichnete Wesen, die an Höhlenmalerei erinnern und uns vom Jagen und Sammeln berichten. Zu sehen ist aber auch der Prozess des Grabens eines echten Erdlochs. Die physische Anstrengung wird ablesbar, man sieht wie viel Material abgetragen werden muss, damit man sich mit dem ganzen Körper in dieses Loch begeben kann. Es ist ein prozessuales Vorgehen. In einem dritten Video wird ein brennender Ast zum Kronleuchter der Höhle installiert über einer Art Altar aus frischem Ton, der bei genauerem Betrachten die Form eines Muttermunds hat.

Für die Entwicklung von Kunst oder Organismen ist Energie nötig, dies bringt uns zum zentralen Thema der Installation. Egger bezieht sich auf die Entdeckung des Feuers, die es dem Menschen ermöglichte, bedeutende evolutionäre Entwicklungsschritte zu vollziehen. Energie in Form von Wärme ist für viele Wachstums- und Wandlungsprozesse zentral und daher ein sehr passendes Element im Prozess des ‚Dazwischensein‘. Die Höhle kann als größerer Beutel, Schutzraum, ja menschliches Organ gelesen werden, auf jeden Fall wird in dieser Erdstätte gesammelt, verdaut und gebrütet. Ein Gefäß ob Beutel, Höhle oder auch der menschliche Magen, ermöglicht uns Nahrung aufzunehmen, zu sammeln oder wichtige Gegenstände aufzubewahren – dies ist eine große Errungenschaft am Anfang des Menschwerdens. In diesem Beutel nährt die Kunst. Damit knüpft die Künstlerin an die These von Ursula K. Le Guin in ‚Am Anfang war der Beutel‘ an, dass der Speer – also die Waffe – nicht die erste Technologie des Menschen war. Diese Perspektive hebt das Kooperative, das Sammeln und das Pflegen über das Heroische und Gewalttätige. Für Le Guin ist der Beutel ein Symbol für Geschichten, die nicht auf Macht und Eroberung basieren, sondern auf zyklischen Prozessen, Fürsorge und Verbindung.

Eine weitere wichtige Überlegung, die in die Arbeit einfließt, ist die ‚cooking hypothesis‘ des Anthropologen und Harvard Forschers Richard Wrangham. In seinem Buch ‚Feuer fangen‘ versucht er nachzuweisen, dass die Aufnahme von gekochter Nahrung, dazu führte, dass sich die körperliche Gestalt unserer Vorfahren veränderte, das Gebiss und der Verdauungstrakt schrumpften und das Gehirn zu wachsen begann. Dies bedeutet, dass der Homo sapiens nur existiert, weil er das Feuer beherrschte und das Kochen entwickelte. Seitdem besteht eine Abhängigkeit von energieerzeugenden Substanzen. „Wir sind an die für uns adäquate Nahrung in gekochter Form gebunden, und die Folgen dieses Faktums durchdringen unser ganzes Dasein, vom Körper bis zum Denken. Wir Menschen sind (…) Geschöpfe des Feuers.“ R. Wrangham

Eggers Installation zeigt die Entstehung des Neuen aus der Kombination der dunklen Höhle und Wärme, die uns mit unseren Ursprüngen verbindet. Die Höhle ist weniger als Grube zu sehen, sondern als Keimzelle oder Transformationsraum, wobei natürlich im zyklischen Denken der Tod und der Verfall immer mitgedacht wird und ebenfalls die Basis bildet für das Neue.

Wir befinden uns in einer Zeit, in der Menschen sowie andere Lebewesen darauf angewiesen sind, sich in kollaborativen Netzwerken zusammenfinden, um den Herausforderungen des Anthropozäns zu begegnen. Judith Egger plädiert für eine neue Beziehung mit allem Lebendigen, welche nicht von Dominanz, Trennung und Unterwerfung geprägt ist, sondern vom Wissen über die gegenseitige Abhängigkeit und von tiefer Verbundenheit und Verantwortung. Damit möchte sie auch an unsere Wurzeln als Lebewesen erinnern – durch die zunehmende Digitalisierung, das Internet und alle dazugehörenden Medien leben die meisten Menschen parallel oder abwechselnd in zwei Welten – der digitalen, körperlosen und der analogen, materiellen Welt. In zunehmendem Maß verschiebt sich das Leben in den digitalen Raum, in dem unsere Körperlichkeit keine Rolle mehr spielt. So groß und aufregend die Vorteile dieser ‚Entkörperlichung‘ sein mögen, sind wir doch immer noch körperlich mit der einen Erde verbunden. Körper, die sich in ihrer Grundausstattung nicht stark von denen der ersten Menschen unterscheiden. Wir sind immer noch auf die Erdkrume, die Nahrung und die Witterung angewiesen und leben in Koexistenz mit allen anderen Organismen. Wir sind zutiefst mit dieser Basis verbunden. Nur im Bewusstsein darüber können wir neue Wege beschreiten, denn zum Menschsein gehört das vollständige Bewohnen unserer Körper.


Judith Egger (*1973 in Gräfelfing) lebt und arbeitet in München. Sie schloss ihre Studien 2001 mit einem Masters am Royal College of Art in London ab und erhielt seitdem zahlreiche Stipendien und Förderpreise, darunter ein einjähriges DAAD-Stipendium für London, ein Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds, sowie 2015 den erstmals verliehenen interdisziplinären Kunstpreis ‚zwei:eins‘, bei dem sie das Projekt ‚Ursprung/Origins – eine Versuchsannäherung über die Selbstorganisation der Materie und die Entstehung ersten Lebens auf der Erde‘ realisieren konnte. 2018 wurde sie eingeladen, die Ergebnisse dieser Erfahrung beim TEDxTUM Salon ‚Tiny Superpowers‘ im Deutschen Museum zu präsentieren. Unkontrolliertes organisches Wachstum, parasitäre Organismen und radikale Transformationsprozesse gehören zu ihren Forschungsgebieten – seit 2004 recherchiert sie unter anderem als Direktorin des parasitären Instituts für Hybristik und empirische Schwellkörperforschung die alles antreibende Lebenskraft, die Schwellkraft, die jedem Organismus innewohnt und die der Mensch in letzter Konsequenz nicht kontrollieren kann.

Filmprogramm
Mareike Bernien & Alex Gerbaulet
Sonne Unter Tage, 2022

Minhye Chu
Fair Grounds, 2018/2019
Starchitectures, 2022

Mareike Bernien & Alex Gerbaulet leben und arbeiten als Künstler*innen und Filmemacher*innen in Berlin. Ihren Arbeitsweisen ist gemeinsam, dass sie häufig von Objekten oder Orten ausgehen und sich für die darin lagernden gesellschaftspolitischen Formationen und Konflikte interessieren. Das kann zu einer bio-fiktionalen Auseinandersetzung mit der Geschichte einer deutschen Industriestadt führen wie im Cine-Poem ‚Schicht‘ (2015) von Alex Gerbaulet oder zu einer medienarchäologischen Untersuchung des Farbfilmmaterials der Agfa im Nationalsozialismus wie in ‚Rainbow’s Gravity‘ (2014) von Mareike Bernien und Kerstin Schroedinger. Seit 2015 sind verschiedene gemeinsame Projekte entstanden, wie der Kurzfilm ‚Tiefenschärfe‘ (2017), oder das Film- und Webprojekt ‚Spots‘ (2017). Der gemeinsame Film ‚Sonne Unter Tage‘ (2022) wurde von ihnen im Rahmen des Berliner Förderprogramms Künstlerische Forschung /gkfd realisiert. Gerbaulet und Bernien sind beide Teil der Produktionsplattform pong film in Berlin.

Minhye Chu lebt und arbeitet als Medienkünstlerin in Leipzig. Ihre Arbeiten umfassen Videos, Installationen und Skulpturen. In den letzten Jahren hat sie sich intensiv mit experimentellen Verfahren des 3D-Druck beschäftigt (Serie ‚Cocoons‘ 2023). Sie untersucht das Zusammenspiel von menschlichen und nicht-menschlichen Akteur*innen in konstruktiven Prozessen. Das Nicht-Menschliche meint hier nicht nur Roboter, Maschinen und Werkzeuge, sondern auch die Materialien und Rohstoffe selbst, die oft ein Eigenleben haben und eigenen Gesetzen folgen (,Starchitectures‘ 2022). Ein wiederkehrendes Thema ist das Verhältnis von körperlicher Arbeit und Architektur, wie etwa bei der Demontage eines Riesenrads im Film ‚Fair Grounds‘ 2019. Wiederholungen, Routinen und Prozesse sind der Fokus von Minhye Chus Arbeiten und bestimmen gleichzeitig auch die jeweilige Form.

Fabian Hesse & Mitra Wakil (*1980 in Augsburg und *1975 Kabul) sind ein Kunst-Duo, die sich mit den Tech-Knowledgies der digitalen Fabrikation beschäftigen, sie leben und arbeiten in München, Berlin, Leipzig. In ihrer künstlerischen Praxis nutzen sie 3D-Druck, (post-)digitale Modellierverfahren sowie die Lücken und Leerstellen neuer Technologien, um deren Potenzial für alternative Realitäten zu erforschen. Sie verwenden Modi der Verfremdung als spekulative Formen des Weltenbauens in Skulptur, Installation und performativen Szenarien. In kollektiven Situationen und Plattformen auch an der Schnittstelle zur Mediation, schaffen Wakil und Hesse Ausgangspunkte für eigenwillige und selbstbestimmte Veränderungen, um emanzipatorischen Perspektiven und Nutzungen digitaler Fabrikationstechnologien Raum zu geben. Hesse & Wakils Werke waren u.a. in der Pinakothek der Moderne, dem Haus der Kunst München, dem Kunstmuseum Bonn, Kunstsammlungen Chemnitz, Kunstverein Wolfsburg, Halle für Kunst Lüneburg, dem Lenbachhaus München, Kunstverein Göttingen, Haus der Kulturen der Welt in Berlin, Goethe-Institut Bangalore, 54th Venice Biennale, Architecture Biennale Rotterdam, nGbK Berlin, zu sehen. Im Rahmen ihrer Professur an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) im Bereich Medienkunst bauen Hesse & Wakil einen Lehr- und Forschungsbereich für digitale Fabrikation auf.

Das Filmprogramm wird präsentiert mit freundlicher Unterstützung der Curt Wills-Stiftung.

Dazwischensein ist ein Projekt in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem Urner Institut Kulturen der Alpen und der Stiftung Lucerna. Mit freundlicher Unterstützung der Curt Wills-Stiftung und der Förderung des Vereins Ausstellungshaus für christliche Kunst e.V., München. Das Projekt wurde ermöglicht durch das Förderprogramm BBK – Verbindungslinien aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Die Ausstellungsarchitektur wird in Kooperation mit der treibgut Materialinitiative erstellt.

Abb. 1–9: Ausstellungsansichten Dazwischensein 8 – Judith Egger, DG Kunstraum 2024, Foto: Gerald von Foris
Abb. 10: Poster Dazwischensein 8 – Judith Egger, Gestaltung: Bernd Kuchenbeiser
Abb. 11: Selbstportrait, Foto: Judith Egger

Ausstellung
Dazwischensein 7
Sandra Boeschenstein
6. September bis 2. Oktober 2024

Dazwischensein 7
Sandra Boeschenstein
(Möglichkeitsraum)
 
Lion Bischof
(Filmprogramm) 
 
Ausstellung von 6. September bis 2. Oktober 2024 
Eröffnung Donnerstag, 5. September 2024, 18 bis 21 Uhr
 
Im Jahr 2024 setzt ‚Dazwischensein’ den gedanklichen Überbau für neun kurze, künstlerische Einzelpräsentationen, die das Thema in seinen verschiedenen Aspekten untersuchen. Dazwischensein kann ein Gedanke, Zustand oder auch ein Gefühl sein. Wir wollen Dazwischensein als Möglichkeit begreifen, mehr zu sehen und verschiedene Sichtweisen gleichzeitig in sich zu erfassen.

Sandra Boeschenstein kombiniert für ‚Dazwischensein 7‘ Zeichnungen auf Papier und Zeichnungen in situ: Linien auf Wand und Boden begegnen Papierarbeiten und realen Objekten. Jede der feinen Linien in ihren Zeichnungen ist ein Ereignis, im Kopf und im Raum. Die vielgestaltigen Phänomene und deren Wahrnehmung kreieren ein mehrschichtiges Seherlebnis, wobei der Akt des Betrachtens selbst im Zentrum steht. Was präsentiert sich den Augen und wie entsteht daraus Bedeutung? 

Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Übergängen von Wahrnehmen und Denken, den Fenstern unserer Erwartung. Sie begibt sich in ihrem Werk auf die Suche nach Grenzbereichen zwischen Fassbarem und Unfassbarem, zwischen Bild und Sprache, zwischen epistemischen und poetischen Qualitäten. So gibt es beispielsweise reale Löcher in gegenständlichen Wandzeichnungen, welche in paradoxer Weise den Blick auf die Zeichnung mit einem Durchblick durch die Wand verbinden, oder es gibt Wörter, welche im Vorübergehen ihre Bedeutung verändern. Es ist ein lustvolles, spielerisches Angebot, das uns an die Grenzen unserer Wahrnehmung führt.

Gezeigt werden u.a. Zeichnungen aus dem Zyklus ‚Institute‘ die Sandra Boeschenstein seit 2023 entwickelt. Es sind Institute, die es noch nicht gibt, aber geben könnte oder sollte und die nun mittels Zeichnung in minimaler Weise real werden. Diese hybriden Zeichnungen aus Körperabdruck und Linien laden zudem die Schrift zur Namensgebung ein: so gibt es beispielsweise ein ‚Institut für Minimalanimismus ‘, genauso wie ein ‚Institut zur Gürtellinie‘.

Hier trifft linear entworfene Architektur auf die Spur einer Berührung des menschlichen Körpers mit dem Papier. Diese körperliche Präsenz in den gezeichneten Instituten, steht für die faszinierende Qualität der natürlichen Intelligenz, welche Dank dem Zusammenspiel von Wahrnehmen und Denken zu ihrer Differenziertheit und Verantwortungsfähigkeit finden kann.

Durch den Druck des Körpergewichts und das Spiel mit dem Muskeltonus ist jedes Haar und jede Pore der eingefärbten Haut auf dem Papier sichtbar, jeder Abdruck ist dabei einzigartig. Als Orientierungspunkte sind der Nabel und die Behaarung des Venushügels sowie Teil der Vulva zu erkennen. Wie bereits in der Serie ‚Rückläufige Kausalitäten‘ (2021–2023) spielt sie mit den Ausschnitten, die sie den Betrachtenden offeriert. Der Fingerabdruck ist für Sandra Boeschenstein der „Ur-Stempel“, der auch schon in der prähistorischen Kunst auffindbar ist. In ihren Arbeiten gibt es seit langem solche Fingerabdrücke und auch Stempel mit zeichnerischen Elementen. Bei den Arbeiten, die 2015 in der Ausstellung ‚Die Gabe‘ ausgestellt waren, wurden Fingerabdrücke zu kleinen Protagonisten, die das Bild bewohnten.

Als Teil eines größeren Verbundprojektes nähert sich ‚Dazwischensein 7‘ künstlerisch an das inter- und transdisziplinäre Forschungsprojekt ‚Grenzgänge‘ an, mit Fachleuten aus der Religionswissenschaft, der Kultur- und Literaturwissenschaft, der Theologie, Philosophie, Ethnologie und Geschichte, die ausgewählte Facetten des Verhältnisses von Religion und den Alpen untersuchen. Das Thema wird im intensiven Austausch mit Musik, Kunst und Fotografie erforscht. Im Rahmen von ‚Dazwischensein 7′ wird die Publikation ‚Grenzgänge – Religion und die Alpen‘ präsentiert.

Sandra Boeschenstein (*1967 in Zürich) lebt und arbeitet in Zürich. Boeschenstein studierte zunächst Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität Zürich und wechselte nach zwei Jahren ins Kunststudium an die Hochschule der Künste Bern. Sie verbrachte viele Stipendienaufenthalte in u.a. Stuttgart, Berlin, Paris, Bukarest oder São Paulo. Ihr Werk umfasst Zeichnungen auf Papier sowie raumgreifende Zeichnungen in situ. Sie begreift das Zeichnen als ihr primäres Erkenntniswerkzeug und begeht damit die Grenzbereiche zwischen Fassbarem und Unfassbarem, zwischen Bild und Sprache, zwischen epistemischen und poetischen Qualitäten. Im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit stehen die vielfältigen Übergänge zwischen Wahrnehmen und Denken. Boeschenstein arbeitet mit den Aufbau- und den Zerfallsenergien von Bedeutungen und macht den – wie sie es nennt – „Wackelkontakt zwischen Sprache und Materie“ erfahrbar. „Wann ist etwas und wie bekommt es Bedeutung? Wie berühren sich Situation, Bild und Sprache? Wie sieht eine Erkenntnis aus, die zwischen Material, Bild und Sprache winkt und nicht weiter extrahierbar ist?“ sind zentrale Fragen die ihr Schaffen prägen. Boeschensteins Werke wurden international ausgestellt, u.a. 2009 Aargauer Kunsthaus, 2009 Kunsthalle Düsseldorf, 2015 Arter Istanbul, 2016 Hamburger Kunsthalle, 2022 CEUMA São Paulo und Museum zu Allerheiligen Schaffhausen.

Gesprächspartnerin: Prof. Dr. Daria Pezzoli-Olgiati (*1966) lehrt und forscht in Religionswissenschaft und Religionsgeschichte, seit 2016 an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie interessiert sich für das Verhältnis von Religion und Medien, insbesondere dem Film und der Kunst. Ihre Veröffentlichungen und Forschungsschwerpunkte behandeln unterschiedliche Aspekte von Religion als ein Phänomen, dass die heutige Kultur stark prägt.

Lion Bischof (*1988 in München) studierte Dokumentarfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und erhielt ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes. Im Regie-Kollektiv Motelfilm entstanden die Filme ‚Station: Pathologie‘, ‚Hinterwelten‘, und ‚Tara‘, der auf der Berlinale 2016 gezeigt wurde. Im Jahr 2018 wurde sein Dokumentarfilm ‚Germania‘ (Regie & Produktion) auf dem Max Ophüls Festival gezeigt und prämiert. Er lief 2019 in den Kinos. Zudem ist er als Kameramann und Videokünstler tätig und arbeitete unter anderem mit Falk Richter und Jan-Christoph Gockel an den Münchner Kammerspielen, der Schaubühne Berlin und dem Schauspiel Frankfurt sowie dem Nationaltheater in Straßburg an Theaterproduktionen.

Filmprogramm
Lion Bischof
Passing, 2023
42 Minuten
Videoinstallation mit sieben Kurzfilmen zu Musikstücken auf drei Bildschirmen
Musikstücke: Refrain (4 Minuten), Gletscher (5 Minuten), Weatherbells (5 Minuten), Gipelfkreuz (6 Minuten), Il Curius Pader (5 Minuten), Descent (7 Minuten), Tunnel (10 Minuten)

Lion Bischof hat zu musikalischen Kompositionen ‚Akustischen Grenzgänge‘ von Matthias Arter und Darija Andovska dokumentarische Kurzfilme gedreht, die zusammengenommen unter dem Titel ‚Passing‘ erscheinen und im DG Kunstraum zu sehen sein werden. Im August 2023 wurden die ‚Akustischen Grenzgänge‘ im Rahmen des Festivals ‚Alpentöne‘ in Altdorf (CH) uraufgeführt. Lion Bischof hat dazu acht dokumentarische Kurzfilme gedreht (von denen sieben zu sehen sind), die unter dem Titel ‚Passing‘ zu sehen sein werden. Acht Kurzgeschichten und Erzählungen aus dem inter- und transdisziplinären Forschungsprojekt ‚Grenzgänge‘ inspirierten Darija Andovska und Matthias Arter zu neuen Kompositionen. Die Alpen bilden als geomorphologische Formation den gemeinsamen Ausgangspunkt, um mit den Mitteln der Musik und des Films über das Unvorhergesehene und Bedrohliche der Berge, aber auch über die geografischen Besonderheiten und den menschlichen Einfluss nachzudenken.

Programm
Eröffnung
Donnerstag, 5. September 2024, 18 bis 21 Uhr
19 Uhr Einführung und Buchvorstellung ‚Grenzgänge – Religion und die Alpen‘

Open Art Gallery Weekend
Freitag, 6. September 2024, 12 bis 21 Uhr
Samstag, 7. September 2024, 11 bis 18 Uhr
Sonntag, 8. September 2024, 11 bis 18 Uhr

Sandra Boeschenstein im Gespräch mit Prof. Dr. Daria Pezzoli-Olgiati
Mittwoch, 11. September 2024, 19 Uhr

Letzter Ausstellungstag
Abendöffnung
Mittwoch, 2. Oktober 2024, bis 20 Uhr

Dazwischensein ist ein Projekt in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem Urner Institut Kulturen der Alpen und der Stiftung Lucerna. Mit freundlicher Unterstützung der Curt Wills-Stiftung und der Förderung des Vereins Ausstellungshaus für christliche Kunst e.V., München. Das Projekt wurde ermöglicht durch das Förderprogramm BBK – Verbindungslinien aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Die Ausstellungsarchitektur wird in Kooperation mit der treibgut Materialinitiative erstellt.

Abb. 1–10: Ausstellungsansichten Dazwischensein 7 – Sandra Boeschenstein, DG Kunstraum 2024, Fotos: Gerald von Foris
Abb. 11: Poster Dazwischensein 7 – Sandra Boeschenstein, DG Kunstraum 2024, Gestaltung: Bernd Kuchenbeiser

Ausstellung
Dazwischensein 6 
Katrin Bittl
12. Juli bis 8. August 2024

Dazwischensein 6
Katrin Bittl
(Möglichkeitsraum)

Thomas Bratzke
Franziska Cusminus
(Filmprogramm) 

Ausstellung von 12. Juli bis 8. August 2024 
Eröffnung Donnerstag, 11. Juli 2024, 18 bis 21 Uhr

Im Jahr 2024 setzt ‚Dazwischensein’ den gedanklichen Überbau für neun kurze, künstlerische Einzelpräsentationen, die das Thema in seinen verschiedenen Aspekten untersuchen. Dazwischensein kann ein Gedanke, Zustand oder auch ein Gefühl sein. Wir wollen Dazwischensein als Möglichkeit begreifen, mehr zu sehen und verschiedene Sichtweisen gleichzeitig in sich zu erfassen.

Es gibt keine außerordentliche Schönheit ohne eine gewisse Seltsamkeit in der Proportion.“
(Edgar Allen Poe 1922)

Katrin Bittl beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit gesellschaftlichen Stereotypen. Sie selbst ist eine behinderte Frau. Ihr wäre es am liebsten zu sagen, dass alle Menschen funktional divers sind. Professor Hermann Pitz über ihre Arbeit: „Katrin Bittl setzt sich mit dem menschlichen Körper auf eine fantastische Weise auseinander. Besonders gut finde ich auch, dass die Bilder auch unabhängig vom politischen Diskurs funktionieren. Sie brauchen ihn nicht zwingend.“

Während ihres Studiums an der Akademie der Bildenden Künste sind viele Selbstporträts in unterschiedlichen Medien entstanden: Miniaturgemälde oder auch per Video dokumentierte Performances. Für die Ausstellung im DG Kunstraum wählt sie einen neuen Weg. Sie hat mit Hilfe einer KI Bilder generiert, die aus einem persönlichen Foto aus ihrem Archiv ein Van Gogh Gemälde generieren. Dabei war die KI zuerst nicht in der Lage ihren Körper im Rollstuhl als menschlichen zu erkennen, sondern hat aus ihr eine Pflanze erstellt, meist eine Sonnenblume. Damit war eine ungeplante Fortsetzung der Werkserie ‚Mein Leben als Pflanze‘ entstanden. Erst nach einigen Bilderfahrungen hatte die KI, die wohl nur mit stereotypischen Bildern von Menschen bislang gefüttert wurde, gelernt, dass es sich auch bei den Abbildungen der Künstlerin um einen Menschen handelt.

Katrin Bittl reagiert auf die Schlussfolgerungen der KI und kreiert ein neues digitales Pflanzenwesen, aber mit dem Aussehen einer menschlichen Haut. Die digitale Zeichnung erlaubt es der Künstlerin ihre Werke auch überlebensgroß zu konzipieren. Die Hautpflanze erinnert an die Werke in der Ausstellung ‚Sensation‘ der YBA (Brooklyn Museum, 1999). Die Künstler*innen verdankten die Schockwirkung ihrer Kunstwerke weniger dem Bruch mit bestimmten ästhetischen Prinzipien als den gezeigten Körpern und organischen Materialien selbst. Die digitalen Pflanzen von Katrin Bittl stellen einen Schönheitsbruch dar und evozieren absichtsvoll eine gewisse Form von Ekel. Die Haare erinnern an Schamhaare und die Form der Blüte an Genitalien. Die Frage was Kunst zeigen darf und was Gesellschaft zulässt ist leider erneut ein sehr aktuelles Thema. Tobin Siebers reflektiert in seinen Schriften zur ‚Zerbrochenen Schönheit‘ (transcript Verlag) über unsere Sehgewohnheiten und gesellschaftlichen Ängste, die sich auf Menschen die nicht ‚der Norm‘ entsprechen, projizieren.

Ein auf Harmonie, körperliche und gesundheitliche Normvorstellungen gegründetes Kunstverständnis muss dringend hinterfragt werden. Die gesellschaftliche Durchlässigkeit für einen ästhetischen Eigenwert der körperlichen und geistigen Behinderung wird für unser zukünftiges Kunstverständnis entscheidend sein. Man könnte die Venus von Milo als versehrt oder behindert begreifen. Wäre sie auch ein herausragendes Beispiel ästhetischer und menschlicher Schönheit, wenn ihr beide Arme nicht fehlten?

Katrin Bittl konfrontiert die Betrachter*innen mit dem Unbekannten, mit Formen jenseits des allgemeinen Schönheitskanons und fordert uns auf, unsere normativen Vorstellungen von Körpern zu überdenken.

Katrin Bittl (* 1994 in München) lebt und arbeitet in Dachau. Sie studierte bis 2023 an der Akademie der Bildenden Künste in München. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit gesellschaftlichen Idealbildern und Normvorstellungen. Sie untersucht ihren eigenen Körper, als Frau mit Behinderung mittels Video, Performance und Animation. Es entstehen intime Räume, durch private Gegenstände und Möbelstücke, die sie in Installationen einbezieht und ihre biographische Arbeit unterstreichen. Sie verortet ihren eigenen Körper in der Pflanzenwelt und wirft Fragen über den Fürsorgebegriff, Care-Arbeit und die Familie auf. In Zeichnung und Malerei erforscht sie Körpernormierungen, die manipuliert und dekonstruiert werden, indem sie diese skaliert, übermalt oder in neue Kontexte stellt. Außerdem ist sie als freie Autorin tätig und schreibt zu den Themen Intersektionalität von Frauen mit Behinderung, Kunst und Inklusion. Zuletzt waren ihre Arbeiten in der Galerie des Bezirks Oberbayern (,We Are Plants‘) und im Stadtmuseum München (,[K]ein Puppenheim‘) ausgestellt.

Gesprächspartner: Dr. Ulrich Schäfert (*1973) ist Theologe, Kunsthistoriker und gelernter Kirchenmaler und staunt über die Weite und Tiefe, die in der Begegnung dieser Felder liegt. Schäfert ist Leiter des Fachbereichs Kunstpastoral der Erzdiözese München und Freising mit Sitz in St. Paul und 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst e.V.

Filmprogramm

Thomas Bratzke
Sorpresa, 2023
Film, 25 Minuten

Der Berliner Künstler Thomas Bratzke beschreibt in seinem Film ‚Sorpresa‘ wie er seinen Ziehvater Omelio auf Kuba aufspürt und ein Familienrätsel auflöst, welches sein Leben nachhaltig beeinflusst hat. Es ist eine berührende Geschichte einer Wiedervereinigung seiner deutsch- kubanischen Familie. Bratzke vermittelt die Ohnmacht der Eltern im Spannungsfeld der staatlichen Autoritäten Kubas und der DDR, die Perspektiven des Kindes bzw. des heutigen Künstlers. Der Kubaner Omelio Espinosa Ramirez, kam 1978 aus Havanna nach Ostberlin zum Studium. Mit dem Abschluss des Studiums heiratete er 1982 die langjährige Freundin Sonja Prehn, die mit ihm und einem Sohn aus einer anderen Beziehung bereits zusammenlebte. Omelio wollte in Havanna einige Formalitäten für das weitere Familienleben in Ostberlin regeln, von dieser Reise kam er nie wieder zurück und wurde von den kubanischen Behörden zu einer verschollenen Person erklärt.

Thomas Bratzke aka ZASD (*1977 in Berlin) studierte Bildhauerei – Freie Kunst an der Kunsthochschule Berlin Weissensee und Kunst im Kontext mit Schwerpunkt auf den öffentlichen Raum an der UDK Berlin. ZASD war seit Mitte der 90er Jahre Teil des kulturellen Phänomen Graffiti und Writing in Berlin und hat von dort ausgehend bildhauerische, installative und performative Arbeiten entwickelt. Bei dem Vorhaben Writing kritisch zu erforschen, um die künstlerische Qualität des Writing herauszuarbeiten, arbeitete er seit 1997 eng mit seinem Partner AKIM (Berlin) sowie mit verschiedenen Crews und Kollektiven aus der Berliner Writingszene zusammen. Seine seit Anfang der 2000er Jahre autonom in die Stadt eingefügten, plastischen 3D Tags sowie das von ihm initiierte Projekt ‚City of Names‘, welches die darauf folgende Berliner Generation des Writings inspirierte. Seit 2013 arbeitet er an der Weiterentwicklung dreidimensionaler Schriftzüge im Rahmen des Projektes ‚Half Half Paintings‘ in Zusammenarbeit mit Keez Duyves, PIPS:lab (NL). Seit 2019 ist er Teil der Hybrid Sculptors.

Franziska Cusminus
Zucker, 2015
Film, 30:47 Minuten

Der Film ‚Zucker‘ von Franziska Cusminus aus dem Jahr 2015 zeigt die Künstlerin, wie sie versucht mittels ihres Körpers Zucker aufzuhalten, der aus zehn Öffnungen in einer Scheibe fließt. Die Löcher befinden sich in einer Membran einer Trampolinscheibe, die von der Decke hängt. Damit sich die Künstlerin dieser Scheibe nähern kann befindet sie sich auf einer Holzkonstruktion. Auf der Scheibe ist ein großer Berg Zucker zu sehen, der kontinuierlich durch die Löcher rieselt. Meist gelingt es der Künstlerin nur die Hälfte der Löcher mit ihrem Rumpf und den Extremitäten zuzuhalten. Ihre Bemühungen lassen an Sisyphos erinnern, denn sobald ein Loch erfolgreich geschlossen wurde rieselt der Zucker an einer anderen Stelle hervor. Die Aufgabe, die sich die Künstlerin selbst gestellt hat scheint nicht zu bewältigen zu sein. Gedanken an den Alltag vieler Menschen, vor allem Müttern, werden laut, die sich jeden Tag um so viele Dinge gleichzeitig kümmern müssen nach dem Sprichwort: wir hatten keine Zeit den Zaun zu reparieren, weil wir immer die Hühner fangen müssen.

Franziska Cusminus (*1991 in Weilburg) studierte bis 2022 Medienkunst an der Kunsthochschule Mainz. Cusminus verbindet Videoinstallation und Malerei gekonnt miteinander. Ihre für die Videos aufwendig gebauten Installationen als Bewegungsraum der gefilmten Akteure verleihen ihren Arbeiten eine absurde Aura, die einen nicht loslässt. Cusminus untersucht mit vollem Körpereinsatz, wie sich unterschiedliche Materialien in Verbindung mit dem menschlichen Körper verhalten. Die Videos zeigen den performativen Umgang mit diversen Materialien, beispielsweise mit Zucker, Salzteig oder Metallkonstruktionen: Der Mensch, der versucht, sich bestimmten Strukturen anzupassen, sich daran aufreibt, verformt, so selbst zu einer Art Skulptur wird, ein fragiler organischer Körper in Bezug zu eher hartem, statischem Material. Die Abhängigkeit des Menschen in einem vorgegebenen System wird zum Thema, Lebensformen werden hinterfragt, welche ihn zum Funktionieren zwingen. 2022 erhielt sie den Mainzer Kunstpreis und 2023 das Georg-Meistermann-Stipendium.

Programm

Eröffnung
Donnerstag, 11. Juli 2024, 18 bis 21 Uhr
Begrüßung und Einführung 19.30 Uhr
Sabine Straub, Geschäftsführender Vorstand
Benita Meißner, Kuratorin

Künstleringespräch
Katrin Bittl im Gespräch mit Dr. Ulrich Schäfert
Dienstag, 16. Juli 2024, 19 Uhr

Kinderworkshop
Zwischen den Zeilen
Dienstag, 30. Juli 2024, 10 bis 12 Uhr

Natur und Struktur
Impuls·Führung und Kreativ·Angebot mit Kilian Ihler
Freitag, 2. August 2024, 15 bis 17 Uhr

Finissage
Wie menschlich ist die Pflanze, wie pflanzlich ist der Mensch?
Verrichtung von Ruth Geiersberger
Donnerstag, 8. August 2024, 19 Uhr

Dazwischensein ist ein Projekt in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem Urner Institut Kulturen der Alpen und der Stiftung Lucerna. Mit freundlicher Unterstützung der Curt Wills-Stiftung und der Förderung des Vereins Ausstellungshaus für christliche Kunst e.V., München. Das Projekt wurde ermöglicht durch das Förderprogramm BBK – Verbindungslinien aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Die Ausstellungsarchitektur wird in Kooperation mit der treibgut Materialinitiative erstellt.

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Abb. 1–8: Ausstellungsansichten Dazwischensein 6 – Katrin Bittl, Möglichkeitsraum und Diskusraum, DG Kunstraum 2024, Fotos: Gerald von Foris
Abb. 9.: Poster Dazwischensein 6 – Katrin Bittl, DG Kunstraum 2024, Gestaltung: Bernd Kuchenbeiser

Ausstellung
Dazwischensein 4 
Andrea Wolfensberger
3. Mai bis 29. Mai 2024

Dazwischensein 1–9
Möglichkeitsräume
2024

Dazwischensein 4
Andrea Wolfensberger
(Möglichkeitsraum)

Manaf Halbouni
Judith Neunhäuserer
(Filmprogramm)

Ausstellung von 3. Mai bis 29. Mai 2024
Eröffnung Donnerstag, 2. Mai 2024, 18 bis 21 Uhr

Im Jahr 2024 setzt ‚Dazwischensein’ den gedanklichen Überbau für neun kurze, künstlerische Einzelpräsentationen, die das Thema in seinen verschiedenen Aspekten untersuchen. Dazwischensein kann ein Gedanke, Zustand oder auch ein Gefühl sein. Wir wollen Dazwischensein als Möglichkeit begreifen, mehr zu sehen und verschiedene Sichtweisen gleichzeitig in sich zu erfassen.

Als Teil eines größeren Verbundprojektes nähert sich ‚Dazwischensein 4‘ künstlerisch an das inter- und transdisziplinäre Forschungsprojekt ‚Grenzgänge‘ an, mit Fachleuten aus der Religionswissenschaft, der Kultur- und Literaturwissenschaft, der Theologie, Philosophie, Ethnologie und Geschichte, die ausgewählte Facetten des Verhältnisses von Religion und den Alpen untersuchen. Das Thema wird im intensiven Austausch mit Musik, Kunst und Fotografie erforscht. Im Rahmen der Finissage von Dazwischensein 4 werden die beim Alpentöne Festival 2023 uraufgeführten und von Darija Andovska und Matthias Arter eigens komponierten ‚Akustischen Grenzgänge‘ von den pre-art soloists präsentiert.

Andrea Wolfensberger hat für Dazwischensein 4 neue Werke ausgewählt, die im DG Kunstraum zum ersten Mal gezeigt werden. Ihre Setzung besteht aus zwei großen Skulpturen aus Wellpappe, einem Material mit dem sie seit vielen Jahren arbeitet und mit dem sie eine Übersetzung von Klang in Form entwickelt. Dabei entsteht eine Notation, eine Metasprache, die nur schwer rückführbar ist; eine Reaktion auf die Reduktion der Sprache in der digitalen Welt auf 0 und 1, auf Ja und Nein. Die Anatomie des Klangs fragt nach dem schöpferischen Potenzial von Sprache, nach dem Zusammenhang zwischen Wort und Materie, zwischen Welle und Körper, zwischen dem Jetzt und seinem bleibenden Widerhall.

Für die langgestreckte Skulptur aus der Reihe ‚Zwischen Ja und Nein‘ nutzt die Schweizer Künstlerin die Tonspuren eines „Ja“ und eines „Nein“. Die hoch aufragende Skulptur vereint acht verschiedene Stimmen, die paarweise jeweils eine pro und eine contra Position einnehmen. Wolfensberger nimmt Bezug auf die Grundlage der Demokratie: die Debatte. Besonders in der Abgeschlossenheit der Schweizer Täler waren die Menschen darauf angewiesen gemeinsam Lösungen zu finden, der oppositionellen Argumentation zuzuhören, und so einen neuen Raum zu schaffen, der grösser ist als das einzelne „Ja“ und das einzelne „Nein“.

Die Pro- und Kontra-Stimmen werden in Form von Schallwellen überlagert, so entstehen gekrümmte Flächen, das Konstruktionselement für den dreidimensionalen Körper. Durch die Schichtung unzähliger Kartonteile ergibt sich eine verwobene, aufstrebende Struktur, die von einer Seite an einen Schutzort, eine Schutzmantel Madonna erinnert und von den anderen Seiten die Formation von Felsspalten aufnimmt. Es entstehen Räume des Dazwischenseins, Räume neuer Möglichkeiten.

Während die Skulpturen das gesellschaftliche Miteinander reflektieren, befassen sich die Papierarbeiten in der Ausstellung zeichnerisch mit der Symbiose von Pflanzen. Flechten sind Doppelwesen aus Algen und Pilzen, die wie die Bakterien zu den ersten Lebewesen auf unserem Planeten zählen. Flechten treten besonders in Lebensräumen mit extremen Klimabedingungen, wie den Bergen oder im Eis zum Vorschein, Regionen, die für höhere Pflanzen zu trocken, zu nährstoffarm oder zu kalt sind. Wie haben sie überlebt? Was können wir von ihnen lernen? „In dieser Symbiose aus Alge und Pilz wird die Grenze zwischen Individuum und Gemeinschaft eklatant verwischt. Aber erst in höchster Not schlangen sich die Hyphen um die Algen, und erst wenn diese unter großem Stress standen, ließen sie die Avancen geschehen“ (Robin Wall Kimmerer, Geflochtenes Süssgras, S.316).

Andrea Wolfensberger (*1961 in Zürich) lebt und arbeitet in Waldenburg und Zürich (CH) und ist Bildhauerin und Installationskünstlerin. Sie studierte an der École Supérieure d’Art Visuel in Genf. Im künstlerischen Diskurs zum Thema Natur bezieht Andrea Wolfensberger mit Skulptur, Video und Installationen eine sehr eigene, stringente Position, die naturwissenschaftliche Abstraktion und erzählerische Poesie vereint. Sie erhielt verschiedene Stipendien und Auszeichnungen sowie Residencies in Paris und Rom. Sie unterrichtet an der Hochschule der Künste Bern. Seit 1986 hatte sie zahlreiche Ausstellungen in der Schweiz, in Deutschland und Frankreich und realisierte Arbeiten im öffentlichen Raum und als Kunst am Bau.

Gesprächspartner: Prof. Dr. Boris Previšić (*1972) ist Professor für Kultur- und Literaturwissenschaften an der Universität Luzern sowie Direktor des Urner Instituts Kulturen der Alpen in Altdorf. Er publiziert und lehrt zum Verhältnis zwischen Literatur und Musik, zu Interkulturalität sowie zu Klimafragen. 2021 begründete Previšić das Online-Magazin Syntopia Alpina, das sich mit den Herausforderungen in den Alpen beschäftigt.

Filmprogramm
Manaf Halbouni beschäftigt sich in seiner künstlerischen Arbeit mit islamfeindlichen Äußerungen und der Angst vor Flüchtlingen in Deutschland. ‚Nowhere Is Home‘ ist ein bewegendes Zeugnis von Verlust, Widerstandsfähigkeit und Hoffnung für über 50 Millionen Vertriebene auf der ganzen Welt, die oft gezwungen sind, hastig ein paar wertvolle Habseligkeiten zusammenpacken, bevor sie einem drohenden Krieg, den Auswirkungen der Klimaerwärmung oder einem sonstigen Konflikt entkommen können.

Judith Neunhäuserer zeigt in ihrer Serie ‚Five Encounters‘, die 2022 in Spitzbergen entstanden ist, die Begegnung von Mensch und Eis in unterschiedlichen Perspektiven auf Natur. Die Auswirkungen der Klimaerwärmung im Anthropozän sind vor allem in den geologischen Extremregionen der Erde nachvollziehbar. So ist diese nicht nur in der Bergwelt der Alpen sondern auch in der Arktis eklatant präsent. Judith Neunhäuserer geht in ihrem roten Polaranzug eine spielerische Verbindung mit der Landschaft ein. Der Soundtrack für ‚Everything Flows‘ wurde in Konversation mit dem buddhistischen Mönch, Teemeister und national artist Daum (Gwangju) auf Koreanisch aufgenommen und von Hobin Kim simultan ins Englische übersetzt. Adrian Sölch (München) hat für ‚All Heat Is The Same‘ ein Musikstück komponiert.

Manaf Halbouni (*1984 in Damaskus, Syrien) lebt und arbeitet überall, wie er sagt. Halbouni studierte Bildhauerei an der Universität Damaskus und der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Sein ‚Fluchtauto‘ am Dresdner Theaterplatz, Schauplatz montäglicher Pegida-Versammlungen, hat den syrisch-deutschen Künstler Manaf Halbouni bekannt gemacht. Nach der Teilnahme an der Biennale in Venedig wurden seine Werke im Victoria and Albert Museum und im Museum der bildenden Künste Leipzig präsentiert, wo er auch eines seiner Fluchtautos zeigte. Im Rahmen seiner Installation Monument ließ er in Dresden drei Busse vertikal aufstellen, die an den Krieg in Syrien erinnern und eine Botschaft des Friendens in die Welt tragen sollen.

Judith Neunhäuserer (*1990 in Bruneck, Italien) lebt in München und Mailand. In ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sie sich mit Abgrenzungsversuchen und ästhetischen und epistemischen Gemeinsamkeiten zwischen Wissenschaft und Religion. Dabei geht es beispielsweise um Mythen und Träume als Grundlage von Entdeckungen, die Ritualisierung von Forschungsprozessen sowie unterschiedliche Sprachen und Symbolsysteme zur Formulierung von Modellen der und für die Welt. Judith Neunhäuserer studierte Bildhauerei sowie Religions- und Kulturwissenschaften in München und Istanbul. Expeditionen führten sie zur Neumayer-Station III in der Antarktis, per Segelschiff nach Spitzbergen und über den Atlantik an Bord der CMA CGM Puget, zum spanischen Untergrundlabor LSC Canfranc und zu Archiven in Cambridge und London. Kürzlich ist sie aus Südkorea zurückgekehrt. Neben Ausstellungen präsentiert sie ihre Forschung in Vorträgen, Gesprächen und Publikationen wie der Zeitschrift Albedo 2018 und der Enzyklopädie Tekeli-li 2021.

Programm
Eröffnung
Donnerstag, 2. Mai März 2024, 18 bis 21 Uhr
Begrüßung und Einführung 19.30 Uhr
Dr. Ulrich Schäfert, 1. Vorsitzender
Benita Meißner, Kuratorin

Andrea Wolfensberger im Gespräch mit Prof. Dr. Boris Previšić
Mittwoch, 15. Mai 2024, 19 Uhr

Finissage mit Musik von pre-art
Mittwoch, 29. Mai 2024, 19 Uhr
Matthias Arter (Oboe und Lupophon), Karolina Öhman (Violoncello), Vladimir Blagojević (Akkordeon)

Dazwischensein ist ein Projekt in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem Urner Institut Kulturen der Alpen und der Stiftung Lucerna. Mit freundlicher Unterstützung der Curt Wills-Stiftung und der Förderung des Vereins Ausstellungshaus für christliche Kunst e.V., München. Das Projekt wurde ermöglicht durch das Förderprogramm BBK – Verbindungslinien aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.

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Abb. 1–7: Ausstellungsansichten Dazwischensein 4, Andrea Wolfensberger, DG Kunstraum 2024, Foto: Gerald von Foris
Abb. 8: Plakat Dazwischensein 4 Andrea Wolfensberger, Gestaltung: Bernd Kuchenbeiser